Was vom Tage bleibt
Und wieder die Lokführer

Der nächste Bahn-Streik kommt, selbst der Wirtschaftsminister will sparen. Die Türkei spielt mit dem Feuer, den US-Banken geht es ganz gut und der Airbus-Chef schimpft über die deutsche Regierung. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Geiselnahme

Sie machen ihre Drohung tatsächlich wahr und wollen wieder streiken, die Lokführer der Deutschen Bahn. Von Mittwochmittag bis Donnerstagmorgen soll die Arbeitsniederlegung gehen, 14 Stunden lang werden die Bahnkunden als Geiseln genommen. Der Streik der Lokführer zeigt wieder einmal, zu welchem Unsinn kleine Spartengewerkschaften fähig sind. Die Regierung überlegt deshalb zu Recht, dass es in großen Betrieben wie der Bahn künftig nur noch einheitliche Tarifverträge für alle Beschäftigte geben darf. Damit würde dem unzumutbaren Spiel der Lokführer ein Ende gesetzt. Endlich.

Wundersame Wendung

Wirtschaftsminister Gabriel setzt ein Zeichen der Stabilität, das man einem Sozialdemokraten erst einmal so nicht zutrauen würde. Der Chef der Sozialdemokraten musste am Dienstag den bitteren Gang vor die Presse antreten und die Wachstumsprognose für Deutschland kräftig zurücknehmen. Trotzdem will Gabriel die Sanierung des Bundeshaushaltes fortsetzen und keine neuen Schulden machen. Wir hätte das gedacht, aus der SPD ist eine richtig wirtschaftsfreundliche und vernünftige Partei geworden.

Alleingang

Die Türkei spielt ein unsauberes Spiel. Eigentlich haben alle darauf gewartet, dass sich die Regierung in Ankara jetzt an dem Militärbündnis gegen den menschenverachtenden „Islamischen Staat“ beteiligt – in einer Allianz zusammen mit den Kurden. Doch was passiert jetzt? Die Türken bombardieren die Kurden im eigenen Land. Der Westen und allen voran die USA müssen Ankara klarmachen, dass es so nicht geht. Wenn die Türkei jetzt doch ihren eigenen Weg geht und die Allianz gegen den IS meidet, dann kann sie sich auch nicht mehr auf den Schutz der Nato-Bündnispartner verlassen. Das ist die ganz einfache Rechnung, so und nicht anders.

Banken so und so

Bei den US-Banken ist Normalität angesagt, Citi, Wells Fargo und JP Morgan verdienen inzwischen wieder recht ordentlich. Die US-Finanzaufsicht erntet jetzt den Lohn dafür, dass sie die eigenen Geldhäuser nach dem Ausbruch der Finanzkrise mit harter Hand angefasst hat. Die neue Regulierung greift besser, die Banken in den USA haben weitaus wesentlich weniger Spielraum für neue Verrücktheiten. Ach, wäre das doch auch in der Euro-Zone gelungen.

Besser ohne Berlin?

Airbus-Chef Tom Enders haut auf den Tisch. Er ist nicht mehr gewillt, die Fehler und Unzulänglichkeiten im Bundesverteidigungsministerium so unverblümt hinzunehmen. Lieber verzichtet er künftig auf die Aufträge aus dem Berliner Ministerium, als dass er das Chaos bei Bestellungen noch länger hinzunehmen gedenkt. Wo bleibt eigentlich Ministerin von der Leyen? Sie ist lange genug im Amt, ihre Einarbeitungszeit ist vorüber. Frau von der Leyen könnte endlich damit beginnen, aus ihrem Haus ein funktionsfähiges Ministerium zu machen.

Einen erholsamen und angenehmen Tagesausklang wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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