Was vom Tage bleibt
Unendliches Commerzbank-Leiden

Bei der Commerzbank geht kaum etwas voran, doch immerhin schaffen ausländische Banken neue Jobs. Peugeot braucht Hilfe aus China, Spanien hilft Ryanair und der deutsche Fußball wird exportiert. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Kein Ende in Sicht

Eigentlich sollten bei der Commerzbank die Würfel längst gefallen sein. Vorstandschef Martin Blessing und der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus-Peter Müller wollen den Sparkurs auch im Vorstand umgesetzt sehen. Zwei Posten im Top-Management sollen deshalb gestrichen werden. Doch in der Sondersitzung der Aufsichtsräte am Montag hat es wieder nicht für eine Mehrheit gereicht, Blessing und Müller konnten ihre Sparpläne nicht durchsetzen. Sie können von Glück reden, dass es im Moment in Berlin nur eine bedingt handlungsfähige Regierung gibt. Dem Bund, wichtigster Einzelaktionär bei der Commerzbank, dürfte der Schlingerkurs in Frankfurt überhaupt nicht gefallen. Aber solange in der Hauptstadt ausschließlich über eine neue Koalition verhandelt wird, solange muss die Commerzbank-Führung kein beherztes Durchgreifen von Regierungsseite befürchten. An der unklaren Lage bei Deutschlands zweitgrößter Bank dürfte sich also so schnell nichts ändern.

Neue Jobs für Banker

Es gibt allerdings auch Banken, bei denen trotz der Probleme auf den Finanzmärkten ein Ruck durch die eigenen Reihen geht. Das gilt ganz besonders für die in Deutschland tätigen Banken aus dem Ausland. Nach der britischen Großbank HSBC hat nun auch der französische Konkurrent BNP Paribas die große Expansion im Deutschland-Geschäft angekündigt. Beide Geldhäuser wollen hierzulande jeweils 500 neue Banker-Stellen schaffen. Das ist nun wahrlich eine echte Besonderheit. Während alle anderen Banken beim Personal auf die Bremse treten, gibt es also trotzdem positive Gegenbeispiele. Das ist zumindest ein Hoffnungsschimmer für die gesamte Branche: Dass die Krise zu Ende geht und dass bald überall wieder neue Mitarbeiter eingestellt werden können.

Retter aus Asien

Schwierig ist die Lage für die europäischen Automobilhersteller, ganz besonders in Frankreich. Weil die Fahrzeugverkäufe in Südeuropa krisenbedingt extrem nachgelassen haben, sind Unternehmen wie Peugeot in akute Not geraten. In diesem konkreten Fall soll der Retter jetzt aus China kommen und Peugeot-Anteile übernehmen: der chinesische Automobilhersteller Dongfeng. Aber warum eigentlich nicht? Nach Japan und Südkorea wird China als drittes Land in Asien bald eine wichtige Rolle in der Automobilproduktion einnehmen. Dort entstehen neue globale Riesen, die künftig überall ein Wörtchen mitreden werden. Warum also nicht auch in Frankreich.

Not ist ein schlechter Ratgeber

In Spanien sind die wirtschaftlichen Nöte immer noch groß. Das erklärt, warum die Regierung in Madrid offensichtlich aus purer Verzweiflung auch jetzt noch auf ein gescheitertes Subventionsmodell der Vergangenheit setzt. Die spanische Regierung will Billig-Airlines ins Land locken und senkt deshalb die Flughafengebühren. Für neue Strecken im Flugplan fallen überhaupt keine Gebühren mehr an. In den meisten anderen Ländern Europas ist diese Subventionierung der Billigflieger längst aufgegeben worden, weil sie nicht sonderlich viel gebracht hat. Wahrscheinlich muss die spanische Regierung erst einmal ordentlich Lehrgeld zahlen, damit auch sie diesen Irrweg einsieht. Freuen können sich jetzt erst einmal Unternehmer wie Ryanair-Chef Michael O’Leary, der wieder Millionen an Steuergeldern einstreichen wird.

Neue deutsche Exporte

Die erfreulichste Nachricht des Tages kommt vom Fußball. Der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ist es gelungen, die Übertragungsrechte für den Bundesliga-Fußball auch nach Amerika und Asien zu verkaufen. Das spricht für die gewachsene Qualität des deutschen Fußballs, der auch in anderen Teilen der Welt langsam immer mehr Anhänger findet. Jetzt muss Deutschland im kommenden Jahr eigentlich nur noch Weltmeister werden, damit es so richtig aufwärts geht.

Einen ruhigen und entspannten Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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  • Banken Europa - Keine Rettung aus eigener Kraft
    Zombiebanken: Banken Europa - Keine Rettung aus eigener Kraft

    Zwangsabgabe, Steuergelder, Enteignung: Die Bürger Europas werden die Hauptlast der Rettung der Banken tragen müssen. Denn es stellt sich heraus: Die Banken können das nicht mehr aus eigener Kraft. Die Zeit drängt, Risiken und Schulden steigen.

  • Auch bei dieser "Home Bank" versteht man sich auf das "Cooking the Books".

  • Die Überschrift ist du gut gewählt. Bei der Bilanzsumme solche Probleme zu haben kann man nur als ewiges Leid bezeichnen.

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