Was vom Tage bleibt
Unerträgliche Bilder

Das Leid in Syrien ist so groß, dass wir nicht länger nur zuschauen können. Der reichste Mann der Welt wird in Deutschland noch reicher. Und mancher Mercedes verspricht mehr, als er hält. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Syrien geht uns alle an

Wir haben es Ihnen in den vergangenen Tagen erspart, weil wir es selbst nicht sehen wollten: Die Bilder der Opfer des Giftgas-Einsatzes in Syrien. Kinder mit Schaum vor dem Mund, Babys mit leblosen weit geöffneten Augen. Menschen, deren ganzer Oberkörper unnatürlich blaurot angelaufen ist. Wir werden diese Bilder hier auch weiter nicht zeigen, weil sie die Grenzen des Erträglichen sprengen. Aber wir wissen: Diese Bilder gehören zur Wahrheit eines furchtbaren Krieges und die kann uns nicht gleichgültig sein. Sie mahnt: Deutschland muss dazu beitragen, dass wieder Frieden in die Region einkehrt. In dieser Analyse sind sich Europäer und Amerikaner inzwischen einig, Wie der Beitrag aussieht, darüber reden sie noch. Der Ton hat sich allerdings seit heute merklich verschärft. Regierungssprecher Seibert sagt, der Gaseinsatz darf nicht folgenlos bleiben. Außenminister Westerwelle berichtet von Abstimmungen mit den Verbündeten. Der britische Premier bricht seinen Urlaub ab. Es kommt etwas in Gang, und das ist gut so. Denn alles ist besser, als das Geschehen, das die schrecklichen Bilder dokumentieren.

Preisbewusster Milliardär

Den ersten Job hatte ihm sein Vater gegeben. Als Junge half Carlos Slim, indem er in Mexiko-Stadt durch die Läden der Konkurrenz zog und dort die Preise notierte. Der Vater hielt so den Markt im Blick und der Sohn entwickelte Preisbewusstsein. Das Slim'sche Preisempfinden bekommt jetzt die deutsche Mobilfunkmarke O2 zu spüren, die ihr Geschäft mit dem von E-Plus vereinen möchte. Ein erstes Angebot prallte am Widerstand des 73-jährigen Slim ab. Denn der Mexikaner, der auf der Weltreichenliste schon mal ganz oben steht, ist Großaktionär der E-Plus-Mutter, des niederländischen Telekom-Konzerns KPN. Bald will er sich dort sogar zum Alleineigner aufschwingen. Die O2-Mutter versüßte nun die Offerte um elf Prozent auf 8,55 Milliarden Euro – mit dem Zusammenschluss entstünde in Deutschland eine neue Nummer eins und Slims Vater schaut befriedigt auf seinen Sohn herunter, der auch im höheren Alter noch zeigt, dass seine Erziehung Früchte getragen hat.

Weißrussischer Fang

Wenn in Weißrussland Ermittler einen Mann festnehmen, dann leuchten hierzulande die Warnlampen: Ist der Mann wirklich ein Täter oder doch eher Opfer? Heute war das anders. Heute hat die Polizei in Minsk den Chef des weltgrößten Düngemittelkonzerns Uralkali, Wladislaw Baumgertner, festgenommen. Ihm wird „Machtmissbrauch“ vorgeworfen. Kaum war Baumgertner hinter Schloss und Riegel, gab es in einem deutschen Dax-Konzern Freudenalarm: Beim Düngemittelkonzern Kali & Salz schoss der Kurs um fast sechs Prozent nach oben. Baumgertner nämlich war es, der jüngst angekündigt hatte, die Kalipreise zu drücken. Die Deutschen konnten daraufhin ihre Gewinnprognosen in die Tonne werfen. Die alten Dinger jetzt wieder herauszuholen, ist aber auch keine gute Idee: Ein Geschäftsmodell, das durch die Ankündigung eines Konkurrenten über den Haufen geworfen werden kann, ist nämlich kein sonderlich solides.

Realität und Reklame

Mercedes darf nicht mehr weiter wie bisher für seine ach so feine S-Klasse werben. Das Landgericht Stuttgart erließ eine entsprechende Verfügung, weil die Werbung mit geschönten Werte zu CO2-Ausstoß, Effizienzklassen und Spritverbrauch um sich wirft. Realität und Reklame haben offenbar wenig miteinander zu tun. Ich staune, wen das erstaunt. Meine Faltencreme nehme ich bereits seit einem Jahr völlig erfolglos. Auf die Idee gegen L'Oreal zu klagen, bin ich gar nicht gekommen.

Einen faltenfreien Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Unerträgliche Bilder"

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  • liebes HB,

    wo bleibt Ihre Sachlichkeit, wenn sie helfen den Angriffskrieg gegen Syrien zu legitimieren ?

    Was die USA u.a. im Iraq Krieg gemacht haben, war genau so, wie es schon Goebbels gesagt hat. „Man muss eine Lüge nur so oft wiederholen, bis man sie selbst glaubt“. Denn die angeblichen Massenvernichtungs-Waffen der Iraker waren nur ein Lüge, die man immer wiederholt hatte.




  • @hafnersp

    Die Lage ist hochdramatisch und gefährlich. Merkel/Westerwelle sind gutberaten hinhaltend zu agieren und wenn es sich aus Bündnisrücksichten absolut nicht vermeiden lässt sich irgendwie zu beteiligen, dieses auf denkbar niedrigster Stufe zu machen.

    Wie Russland/China sich verhalten, wenn die USA losschlägt ohne UN-Mandat ist noch nicht geklärt. Eventuell wie bei der Serbienintervention zähnrknirschend nichtstun oder aber durch massive Unterstützung Assads aktiv eingreifend, was auch vom Iran zu vermuten ist.

    Tut mir leid, aber ich sehe Ähnlichkeiten zum Sommer 1914 mit dem Geflecht von wechselseitigen Allianzen, Bündnisverpflichtungen, und dem Willen einen Krieg nicht zu vermeiden sondern zu führen.

  • Ein Weltreich, wie die USA kann man nicht von außen bekämpfen. Aber durch ihren Kontrollzwang vernichten sie sich gerade innerlich.

    Ein guten Freund (Dr. Ing.), der in den USA lebt, aber mal in Deutschland studiert hatte, sagte mir, dass die USA inzwischen ihre Bürger schlimmer kontrollieren und einengen, als es selbst in Deutschland der Fall ist.

    Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist auf das Niveau der STASI-DDR ABGESUNKEN. Und daran werden sie verrecken.

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