Was vom Tage bleibt: Unsere Rechnungen, eure Schulden

Was vom Tage bleibt
Unsere Rechnungen, eure Schulden

Der heimische Exportboom ist nun auch manchem Deutschen peinlich. Aktien werden an den Märkten zu Ladenhütern. Und Ferrari-Fans leiden besonders unter hohen Steuern. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Erfolgreich den Erfolg zertrampelt

Viele Menschen kaufen gerne deutsche Produkte, weswegen der Export hierzulande boomt. Kritik daran, die wir getrost unter Neid verbuchen können, kommt aus den USA. Kritik, die nach Sichtweise der Südländer klingt, kommt aus der EU: Mit den Überschüssen der letzten zehn Jahre könnte Deutschland die Staatsschulden von Spanien, Portugal und Griechenland tilgen, rechnete Wirtschaftskommissar Olli Rehn heute vor. Dahinter steckt die Kalkulation, dass die Rechnungen, die wir schreiben, die Schulden der Anderen sind. Dass auch Sigmar Gabriel diese Kritik teilt, ist jetzt neu. Erfolgreicher kann er auf einem Erfolg eigentlich nicht herumtrampeln.

Hall of Shame

Falls RWE der Brennstoff für seine Kraftwerke ausgeht: Es wären auch Geldbündel zum Verheizen vorhanden. Die kämen von den Anlegern, die über ihre Investition in den Energieversorger derzeit alles andere als glücklich sind. An sich könnten sie ihr Geld gleich in den Ofen werfen. RWE steht jedenfalls gemeinsam mit der Commerzbank und Solarworld ganz oben auf der Liste der größten Kapitalvernichter am deutschen Aktienmarkt, die die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz jedes Jahr erstellt. Nur wer es geschafft hat, im Boom des Aktienmarktes 2013 den Großteil des Geldes seiner Anteilseigner zu verbrennen, wird in diese „Hall of Shame“ aufgenommen.

Aktienmarkt ade

Vielleicht sollten die Aktionärsschützer ihr Ranking jedoch besser einstellen. Es scheint sich so sehr einzuprägen, dass trotz Rekord beim Dax die Zahl der Aktionäre im vergangenen Jahr deutlich gesunken ist: Rund 600.000 Menschen haben sich vom Aktienmarkt verabschiedet. Damit sind nur noch 8,9 Millionen Deutsche direkt oder indirekt in Aktien engagiert. Wäre der Eisbär ein deutscher Aktionär, er hätte sich wegen des Klimawandels schon das Leben genommen. Stattdessen jagt er Hasen im Norden Kanadas und beweist, dass immer etwas geht. Er sollte das Wappentier der letzten Aktionäre werden.

Die goldenen Zeiten kommen zurück

Heute ging ein Erleichterungsseufzer durch Nordhessen. Er stammte aus der Zentrale von K+S und ertönte, als aus Russland folgender Satz zu uns drang: „Es könnte von Vorteil sein, wenn wir die Kooperation wieder aufnehmen“, hatte Dimitri Rasumow gesagt. Der Mann ist Miteigner beim russischen Kali-Produzenten Uralkali, und er hatte über die Zusammenarbeit mit dem Konkurrenten Belaruskali gesprochen. Was Rasumow Kooperation nennt, bezeichnet der Rest der Welt als jenes Kartell, das bis zu seinem Ende im vergangenen Jahr dafür verantwortlich war, dass auch bei der einstigen Kali und Salz AG die Preise oben blieben. Jetzt sieht man in Hessen die goldenen Zeiten zurückkehren.

Ferrari und die Steuer

Luca di Montezemolo ist Chef von Ferrari und argumentiert mit zwingender Logik: In Italien herrschen „masochistische Steuern“ sagte er meinem Kollegen auf dem Autosalon in Genf. Die würden den Kauf eines Ferraris uninteressant machen. Bei niedrigeren Steuern würden sich viel mehr Italiener für einen Ferrari entscheiden – und so auch für mehr Steuereinnahmen sorgen. Wenn Rennauto-bauende Volkswirte mit 200 Sachen um die Kurve rasen, kann es eben auch Mal Unfälle geben.

Greenpeace und die Statistik

Bei der Statistik passiert das genauso: Greenpeace hat heute eine Studie vorgestellt. Aus ihr geht hervor, dass mit jedem Tag mehr, den ein Kernkraftwerk am Netz ist, das Betriebsrisiko steigt. Die Aussage ist 100-prozentig richtig. Genauso wie die, dass wer früher stirbt, länger tot ist.

Einen überdurchschnittlichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Unsere Rechnungen, eure Schulden"

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  • @marc_hofmann: Sie wissen aber schon, dass DE ein grossen teil seiner exporte selbst bezahlt..oder?

    Und ja, Sie haben recht,würden die DE nicht tag+nacht arbeiten, wären sie schon pleite. Aber tag+nacht arbeiten war schon immer ein sklavending ;-)

  • Nochmal! Deutschland ist mit über 2 Billionen EURO verschuldet und wenn wir als deutsche Gesellschaft nicht so fleißig im Export (Weltweiter Handel) wären, dann würden wir bereits an dieser 2 Billionen Euro Schuld erstickt sein!
    Die anderen Länder müssen sich mal fragen lassen, warum die sich nicht selbst anstrengen und genauso wie Deutschland fleißig in Technik und Innovationen investieren. Nur weil Deutschland mit seinen Erfindungen die Menscheit weltweit (Export) voranbringt, soll Deutschland keinen weltweiten Handel mehr betreiben dürfen. Diese grünsozialistische Ideologie des Rückwärtsdenken (Mittelalter) geht mir so was von auf die Socken! Exportverbot "Verbot" = typisch für diese grünsozialistische Denkweise!

  • ja, es ist ja sooo peinlich. Da haben wir doch glatt 200 Mrd überschuss und nur 500 Mrd bei Target II an saldo. Ick schäme mich ja so.

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