Was vom Tage bleibt
Unterstützung für die Syrer

Der Nobelpreis geht an die Chemiewaffen-Kontrolleure, ein Bischof ist kaum noch zu halten. Die Linken präsentieren krude Ideen, die Energiepolitik versteht niemand. Und der Blitzmarathon erschreckt. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Nachdruck aus Oslo

Die Chemiewaffen-Kontrolleure hatten wahrscheinlich nur wenige auf dem Zettel. Trotzdem hat das Nobelpreis-Komitee in Oslo eine gute Entscheidung getroffen. Dass die Chemiewaffen-Inspektoren den Friedens-Nobelpreis bekommen, dürfte vor allem eine Botschaft in Richtung Syrien sein. Dort müssen die gewaltigen Chemiewaffen-Bestände des Assad-Regimes beseitigt werden – und diesen schwierigen Job übernehmen die Kontrolleure vom OPCW. Ihnen jetzt mit dem Nobelpreis den Rücken zu stärken, macht die Aufgabe in Syrien ein wenig leichter. Syriens Staatspräsident Assad hat sich lange geziert, die Chemiewaffen-Inspektoren ins Land zu lassen. Moralischer Druck aus Norwegen ist unter diesen Umständen äußerst hilfreich.

Offenheit für die Kirche

Noch vor ein paar Tagen kannte außerhalb von Hessen kaum jemand die Kleinstadt Limburg. Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat jedoch schlagartig für Veränderung gesorgt – nun kennt jeder in Deutschland das kleine Städtchen. Früher hätte sich ein allzu ausgabenfreudiger Bischof keine Sorgen um seine Zukunft machen müssen. Doch das Beispiel Tebartz-van Elst zeigt, dass auch die katholische Kirche einen demokratischen Wandel durchgemacht hat. Gläubige begehren heutzutage auf, wenn ein Kirchenfürst das Geld der Kirche nach eigenem Gutdünken allzu freizügig verteilt. Es ist eine gute Entwicklung, die die katholische Kirche durchmacht. Mehr Offenheit wird dieser altehrwürdigen Institution nicht schaden. Bischof Tebartz-van Elst kann diese Entwicklung den Job kosten, was kein allzu hoher Preis sein dürfte.

Ja zum Wechsel

Der frühere Mainzer Ministerpräsident Kurt Beck ist Berater des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim geworden. Flugs meldet sich die Linke zu Wort und verlangt eine fünfjährige „Cooling-off“-Periode für frühere Spitzenpolitiker, bevor sie in die Wirtschaft wechseln dürfen. Von der Partei der Linken sind wir nun schon eine ganze Menge gewöhnt, aber diese Idee ist wirklich purer Nonsens. Wahrscheinlich steckt dahinter die pure Not, mit kruden Vorschlägen irgendwie in die Schlagzeilen zu kommen. Warum soll ein Politiker nicht in die Wirtschaft wechseln dürfen? Zwischen Politik und Wirtschaft gibt es keine unüberbrückbaren Gräben. Es wäre sogar besser, wenn künftig noch mehr Politiker in die Wirtschaft wechseln würden. Mehr Durchlässigkeit in alle Richtungen kann unserer Gesellschaft nicht schaden.

Ein Land im Unklaren

Deutschland leidet unter der unvollendeten Energiewende und der Reform-Unfähigkeit unserer Politik. Milliarden werden in überflüssige Solar- und Windparks gesteckt, und es passiert nichts. Die Energiepolitik in Deutschland ist inzwischen schon so unkalkulierbar geworden, dass selbst die lange als sicher geltenden Kohlekraftwerke an die Grenzen ihrer Wirtschaftlichkeit geraten. Das bringt zurecht auch den Bürgermeister der rheinischen Kleinstadt Erkelenz in Rage: Er stoppt die Umsiedlung von Ortsteilen, die eigentlich dem expandierenden Braunkohle-Tagebau weichen sollten. Von der Expansion der Kohle kann keine Rede mehr sein, bei Stillstand müssen auch keine Häuser mehr abgerissen werden.

Achtung, Raser!

Es ist eine erschreckende Zahl: Beim Blitzmarathon am Donnerstag sind 83.000 Verkehrssünder erwischt worden. Diese Zahl macht nur allzu deutlich, dass auf unseren Straßen irgendetwas nicht stimmt. Die Aktion der Polizei war seit Wochen bekannt und damit alles andere als eine Überraschung. Und trotzdem krachen 83.000 Autofahrer in die Blitzfallen. Diese Zahl macht einfach nur rat- und hilflos. Wahrscheinlich brauchen wir noch mehr Kontrollen, um die Verkehrsrowdys von den Straßen zu bekommen. Mir fällt leider keine andere Antwort dazu ein.

Ich wünsche Ihnen trotzdem einen angenehmen Abend und ein schönes Wochenende. Es grüßt Sie herzlichst

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Unterstützung für die Syrer"

Alle Kommentare

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  • "Diese Zahl macht nur allzu deutlich, dass auf unseren Straßen irgendetwas nicht stimmt. "

    Das mag sein. Vielleicht gibt es bspw. EINFACH ZU VIEL Geschwindigkeitsbegrenzungen. Wer sagt denn, dass derlei Lebensflussbremsung immerzu die richtige und 'bessere' Lösung sei? Dass 'langsam kriechen' per se intelligenter ist denn 'flott vorwärts kommen'?

    Unsere Hatschi-Putschi-Verkehrsdynamik ist kräftig eingesoftet. Versuchen Sie heute mal einen Überholvorgang abzuschließen, ohne dass sie ein selbstgerechter gutmenschlicher Verkehrserzieher weit weg am Horizont - also völlig unbrenzlig - mit seiner Lichthupe maßregeln würde.

    Feminine Vorsicht diktiert das Geschehen, maskuline Risikofreudigkeit ist getilgt.

    Die destruktiven Früchte dieser Schisser-Connection kann jeder spüren, der mit drei anderen PKW an eine Kreuzung kommt - und jeder sich putzig zurückhält, jeder den anderen vor lassen will, KEINER SICH TRAUT, und damit die Kreuzung für 2 Minuten blockiert.

    Heißt: Beschränkungen gut, wo sinnvoll - aber bitte in Maßen. Denn: Dynamik und Mut zum Risiko ist AUCH gut, da der Verkehrsfluss erhalten bleibt.

    Balance eben.

  • 'schlimmesMeinungsstueck' sagt
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    Maximale Durchlässigkeit herrscht schon zwischen den beiden Ohren des Verfassers dieses Meinungsstücks.
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    Selten so herzlich gelacht.

    ...

    Danke - der war wirklich gut.

  • Maximale Durchlässigkeit herrscht schon zwischen den beiden Ohren des Verfassers dieses Meinungsstücks.

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