Was vom Tage bleibt Verdienstorden für Gauweiler

Der Euro-Kritiker hat eine Auszeichnung verdient. Schäuble verdient gut, aber macht neue Schulden. Die Deutsche Bank übt noch in Sachen Bescheidenheit. Und: Ach Bettina! Der Tagesbericht.
12 Kommentare
Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Orden für Kassandra

Die Eurorettung rückt näher. Heute haben es die Verfassungsrichter abgelehnt, einem Eilantrag des CSU-Politikers Peter Gauweiler zu folgen und ihre Entscheidung über die Rechtsmäßigkeit des Rettungsschirms, die für morgen ansteht, zu vertagen. Gauweiler hatte die Aufschiebung gefordert, weil seiner Meinung nach erst die EZB ihr Anleihekaufprogramm stornieren soll, bevor sich die Richter darüber Gedanken machen, wie es mit dem zweiten Hilfsmittel für Schuldenländer, eben dem Rettungsschirm bestellt ist. Gauweiler ist auch einer der Auslöser für die Verhandlung morgen. Dem Mann gebührt das Bundesverdienstkreuz. Egal, ob seine Kassandrarufe zum Euro erhört werden oder nicht: Er hat für die intensivste und wirkungsvollste Debatte um den richtigen Weg zur Zukunft des Euro gesorgt.

Vergesst die Schulden!

Die Bundesregierung hat begonnen, ihren Haushalt für das nächste Jahr zu diskutieren. 300 Milliarden will sie ausgeben. 280 Milliarden fließen bloß herein. Rund 20 Milliarden neue Schulden kommen also hinzu. Der Finanzminister verkauft das als Erfolg, weil es weniger ist als zuletzt. Ich meine, in einem Jahr, in dem der Schuldendienst wegen Niedrigzinsen für Deutschland erneut billiger ausfallen wird, als sich es der Finanzminister in seinen kühnsten Träumen erhofft hatte, hätten auch keine neuen Schulden möglich sein können. Aber wie sagte mir kürzlich ein Banker: "Niemand macht Schulden, um sie jemals zurückzuzahlen."

Alles ein bisschen kleiner

Die Deutsche Bank hat eine neue Strategie. Dazu jedenfalls diente ihr Investorentag heute in Frankfurt. Ergebnis: Die neue Strategie ist die alte. Nur alles ein bisschen kleiner. Beschränktere Boni, weniger Gewinn, wenig Dividende. Und was ist mit dem Investmentbanking, dessen Schaden regelmäßig seinen Nutzen übersteigt? Das bleibt, auch wenn es kleiner wird, das wichtigste Standbein der Bank. Eine Wende sieht anders aus.

Abgeschmiert

Früher gab es Gewissheiten. Zu denen zählte, dass das Getreide auf dem Feld beim Bäcker landet und nicht bei der Tankstelle. Zumindest diese Gewissheit will die EU wieder herstellen und bis 2020 Subventionen für Biotreibstoffe weitgehend verbieten. Die Aktien der Hersteller schmierten darauf heute alle ab, was mal wieder gegen Geschäftsmodelle spricht, die auf Subventionen beruhen.

Einmischung in innere Angelegenheiten

Der französische Autokonzern PSA, zu dem zum Beispiel die Marke Peugeot gehört, muss sich seit heute mit einem Gutachten der Regierung auseinandersetzen, das ihm Managementfehler ankreidet. Zu wenig Innovation, zu viel an die Aktionäre verteilt, heißt der Vorwurf, was gleich doppelt interessant ist: Denn erstens gehört es nicht zur Aufgabe einer Regierung, Ratschläge an selbständige Unternehmen zu geben. Wenn es die Sozialisten um Hollande doch tun, überschreiten sie eine rote Linie. Und zweitens kritisieren sie bei PSA das, was sie bei Renault auch feststellen könnten. Machen sie aber nicht. Ein Schelm, der glaubt, es hängt damit zusammen, dass der Staat bei Renault beteiligt ist.

Worst Lady

Ach Bettina! Von der First Lady bist Du zur Worst Lady geworden. Deine dreckige Wäsche, die Du mit Christian wäscht, behalte doch lieber für Dich. Ich wünsche Dir eine erbauliche Zukunft in den Klatschspalten. Da werde ich über Dich lesen, bis mir langweilig wird. Hier bist Du raus.

Sie dürfen trotzdem ein bisschen Klatsch üben heute Abend. Bis dann,

Oliver Stock

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12 Kommentare zu "Was vom Tage bleibt: Verdienstorden für Gauweiler"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Stock
    Ihre Zusammenfassung ist hervorragend.
    Grinsen muße ich über Ihre Worst-Lady
    Ja leider hat sie sich inzwischen dazu gemacht

  • andreash
    genau so wird es kommen.
    Und das Schlimme udn Verlogene wird dann sein, dass die Akteure wieder angeblich nichts gewußt haben und es doch nicht wollten.
    Kommt uns doch noch irgendwie bekannt vor, oder?

  • Sehr geehrter Herr Stock, Sie haben Recht, Herr Gauweiler verdient einen Orden. Heinrich Seibert,Ing. Worms

  • .. immer wieder schöne, auf den Punkt gebrachte, Zusammenfassung des Tages ! - Klasse !!

  • @AlterSchwede
    Sehen Sie, Sie kennen nicht den Unterschied zwischen Nationalsozialimus und Faschismus.

    Wieso nichts? Sie haben sich doch entschlossn zu reagieren :)

  • Mit welchen "Argumenten" würden Sie uns beglücken, wenn Sie nicht ständig die Naaaziieh-Klamotten unter Ihrer stinkenden, maroden Bettdecke hervorkramen würden?
    Was bliebe dann noch übrig?
    Ich sage es Ihnen: NICHTS!

  • @Stubi
    Er hat genau das erreicht was Sie geschrieben haben, nämlich nichts weiter, außer das er diskutiert wurde, und mir wieder das damalige peinliche Theater in München mit der Wehrmachtsausstellung in Erinnerung gerufen hat. Für Menschen die sich vor Jahrzehnten gegen den Faschismus engagiert haben und das auch heute noch tun, ist er kein gutes Aushängeschild.
    Und wenn ihm etwas an der EZB nicht paßt, ist das deutsche Verfassungsgericht schlicht die falsche Adresse. Es wird über den ESM verhandelt, und nicht über die EZB. Das ist eine andere Baustelle.

  • @Stubi
    @andreash

    ich denke auch, Gauweiler hat getan was er konnte.
    das wird mithelfen die erinnerung wachzuhalten.

    verbrechersysteme wie die eudssr, das reich nummer vier, stürzen über kurz oder lang immer zusammen.

    man wird sich dann erinnern und wissen, dass der untergang nicht gottgegeben war, sondern von korrupten verbrechern gesteuert.
    und man wird die "artgerechte" bestrafung dieser verbrecher forcieren.

  • @netshadow

    "Aber für einen Eilantrag, von dem klar war, das der abgelehnt wird?"

    Herr Gauweiler hat damit viel erreicht. Dieser Eilantrag wurde in vielen Medien diskutiert, hat zumindest Teile der Bevoelkerung zum Nachdenken angeregt und es den Richtern schwerer gemacht die ESM-Sache mit einfachen Auflagen durchzuwinken.

    Vom Ergebnis her kann er und wird es nichts aendern - ich denke, dies war ihm sicherlich klar. Was mehr haette Herr Gauweiler tun koennen? Einfach schweigen wie die grosse Masse? Waere dies besser gewesen und wenn fuer wen? Fuer die Politiker? Fuer das deutsche Volk? ich befuerchte, wir haben zu wenige Gauweilers, Weidmanns, Starks, etc. Aber die Wenigen sollten wir nicht auch noch abschaffen.

  • Es werden die Tage kommen, an denen viele Menschen sagen werden: Hätten wir mal auf den Gauweiler gehört. Dann wird es aber leider zu spät sein und das große Jammern wird nicht aufhören. Spätestens bei massiven Steuererhöhungen in allen Bereichen wird auch der letzte Dummkopf merken, was Merkel und Schäuble mit unserem Land gemacht haben.

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