Was vom Tage bleibt
Verdirbt Geld den Charakter?

Die wieder in Freiheit lebenden Mitglieder von Pussy Riot geben sich mutiger als Chodorkowski, der Recep Tayyip Erdogan provoziert den Crash, Chinesen helfen im Packeis und der ADAC jammert. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Erdogans Crash

Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier – und als der zehnte Minister gegangen war, musste auch der optimistischste Zuschauer einräumen, dass das eine Krise ist, wie sie die Türkei auch nicht jeden Tag erschüttert. Die Regierung um Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat sich erst ohne und dann mit seiner tatkräftigen Hilfe aufgelöst. Von einer Korruptionsaffäre ist die Rede. Den wahren Hintergrund begreift niemand. Klar ist nur: Nach den Unruhen auf den Straßen im Sommer ist dies der nächste Rückschlag für den Ministerpräsidenten, der sich der wirtschaftlichen Prosperität seines Landes verschrieben hat. Die Wirtschaft nämlich – sie wendet sich bis auf Weiteres ab. Die Währung schwächelt genauso wie die Börse in Ankara.

Kein Geld stärkt den Charakter

Pussy Riot will weitermachen, weiter provozieren, weiter Putins Regime in Moskau reizen, obwohl das Straflager, das die Bandmitglieder hinter sich haben, mehr als ein Warnschuss gewesen ist. Pussy Riot – dahinter stecken Frauen, sie sind jung, und sie haben offenbar eine Vorstellung von der Welt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Sie wirken deutlich agiler als Michael Chodorkowski, der, kaum aus dem Gefängnis frei, seinem Geld in die Schweiz hinterher gereist ist. Ob Geld den Charakter verdirbt sei dahingestellt. Kein Geld jedenfalls stärkt ihn eher.

Chinesen im Eis

In der Antarktis sitzt ein Forschungsschiff im Eis gefangen, heute konnten die 70 Forscher, Touristen und Mitglieder der Besatzung immerhin einen Seufzer der Erleichterung ausstoßen: Erlösung war am Horizont in Sicht. Nicht ein verspäteter Weihnachtsmann, sondern der „Schneedrache“, ein chinesischer Eisbrecher. Den Chinesen, die erst letzte Woche dem Mond einen unbemannten Besuch abstatteten, dürfte es eine große Freude sein, zu zeigen, dass ihre Technik auch im ewigen Eis die überlegene ist.

Aus die Maut

ADAC und Grüne kämpfen in seltener Einmütigkeit gegen die Maut für Autofahrer in Deutschland. Sie koste mehr als sie bringe, meinen beide. Zumindest beim ADAC ist das Argument durchsichtig: Wahrscheinlich fürchtet der Verkehrsclub um seine Einnahmen, wenn die Club-Angehörigen auf einmal eher noch die Maut bezahlen, als die Mitgliedsgebühr.

Einen erholsamen Zwischenjahresabend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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