Was vom Tage bleibt: Verkauft unser Gold!

Was vom Tage bleibt
Verkauft unser Gold!

Der deutsche Goldschatz rückt zusammen. Kontaktloses Zahlen will keiner. Fitch warnt die USA. Thierse fliegen Spätzle um die Ohren. Die Kommentare zum Tag.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Wohin mit all dem Gold?

Gold. Allein bei dem Wort bekommen Anleger glänzende Augen. 3396 Tonnen Gold, also knapp 40 Lastwagen-Ladungen voll besitzt Deutschland. Das Gold lagert in Barren verstreut in New York, London und Paris. Der Bundesrechnungshof hatte Ende vergangenen Jahres empfohlen, mal nachzuzählen, ob noch alles da ist. Darauf entbrannte eine hitzige Debatte, die unter dem Motto lief: Holt das hart erarbeitet deutsche Gold nach Hause. Jetzt kommt heraus: Die Bundesbank will einiges von diesem Gold zurückholen. Ich sage: Die Diskussion dreht sich ums falsche Thema. Es geht nicht darum, das Gold abzustauben, heimzuholen und sich an seinem Glanz zu weiden. Die eigentliche Frage lautet doch: Was machen wir mit dem Gold? Ich bin für: Verkaufen - nicht alles, aber doch einen großen Teil. 130 Milliarden Euro ist der Schatz wert. Wenn allein die Hälfte in den Schuldenabbau gesteckt würde, bedeutete das eine gewaltige Entlastung für uns alle. Statt dessen lassen wir unser Gold rumliegen und bestaunen es wie eine ägyptische Mumie. Die wirft auch weder Zinsen ab, noch trägt sie dazu bei, irgendwelche Schulden zu begleichen und damit Zinszahlungen zu sparen. Sie kostet nur Geld, weil sie auch noch belüftet werden muss. Wir müssen ja unser Gold nicht gleich in griechische Staatsanleihen investieren. Aber etwas sinnvolleres, als es zu horten, dürfte auch dem konservativsten Staatsbanker noch einfallen.

Kontaktlos ist stillos

Mit Karte zahlen, ohne den Kartenleser zu berühren - das ist vielen Deutschen bisher offenbar noch suspekt. Rund 350.000 Bankkarten hat Visa Europe im vergangenen Jahr ausgegeben, mit denen Parfüms gekauft oder Tanken gefahren werden kann. Doch genutzt worden sind die Karten dafür erst ein paar tausend Mal. Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die seit April 2012 mehr als eine Million Geldkarten zum kontaktlosen Bezahlen ausgegeben haben, wollen noch keine Zahlen nennen. Gefühlt ist auch ihr Versuch ein Rohrkrepierer. Wir Deutsche lieben eben den Kontakt. Und das ist gut so.

Taumeln Richtung Stichtag

Die Ratingagentur Fitch warnt die USA mal wieder vor einem Verlust ihrer guten Note in Sachen Kreditwürdigkeit. Der Streit über die Anhebung der Schuldenobergrenze berge das große Risiko einer Herabstufung. Fitch hatte die USA bereits im Dezember inmitten des erbittert geführten Haushaltsstreits damit konfrontiert, die Spitzennote „AAA“ verlieren zu können. „Es ist beunruhigend, dass wir aufgrund dieser hausgemachten Krisen alle sechs Monate auf einen neuen Stichtag zutaumeln“, sagte Fitch-Experte David Riley. Dem bleibt nichts hinzuzufügen.

Spätzlekrieg

Die Schwaben in Berlin mucken auf. Nach abfälligen Bemerkungen von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse über zugezogene Hauptstädter suchen sie Streit. Am Käthe-Kollwitz-Platz im Stadtteil Prenzlauer Berg, wo Thierse wohnt, flogen heute Spätzle durch die Luft, ein Lieblingsessen in Baden-Württemberg. Unbekannte attackierten mit den Nudeln die Skulptur der Künstlerin Käthe Kollwitz, die 1867 in Königsberg in Preußen geboren wurde. Die Spätzle-Werfer wollen einen autonomen schwäbischen Bezirk in Berlin, wie sie im Internet verkündeten. Arme Käthe! "Jede Gabe ist eine Aufgabe", hat die Künstlerin einst gesagt. Über Thierses Gaben und Aufgaben sollten wir vielleicht mal diskutieren.

"Nobat" sagt der Schwabe - das heißt: "Guten Abend!"

Ihr

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Verkauft unser Gold!"

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  • Handelsblatt, was ist aus dir nur geworden? Ein Sprachrohr der Bankster. Traurig.

  • Da muss ich Margrit117888 völlig recht geben.
    Deutschland Gold verkaufen? So einen kompletten Unsinn hätte ich aus der Feder des Chefredakteurs des Handelsblattes nicht erwartet.
    Obwohl: wer großartig zum Kauf griechischer Staatsanleihen aufgerufen hat, dem kann man auch zutrauen,das deutsche Gold gegen bunte Papierzettelchen eintauschen zu wollen.

  • Zitat: "...flogen heute Spätzle durch die Luft, ein Lieblingsessen in Baden-Württemberg. Unbekannte attackierten mit den Nudeln die Skulptur der Künstlerin Käthe Kollwitz".
    Halb so schlimm; früher brannten erst die Werke, dann die Autoren selbst.

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