Was vom Tage bleibt
Völlig unentschlossen

Zu viele Köche verderben den Brei, das beweist die EU-Außenpolitik im Streit um Russland-Sanktionen. Um Aldi muss man sich auch nach dem Tod des Gründers nicht sorgen. Anderes gilt für Malaysia Airlines.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,


Die Ohnmacht des Westens
Können Sie sich vorstellen, was in der Ukraine losgewesen wäre, wenn nicht ein malaysisches Flugzeug abgeschossen worden wäre, sondern das einer amerikanischen Airline? Mit Sicherheit hätten die USA den unwürdigen Umgang mit den Leichen und die Plünderung des Absturzorts entschiedener versucht zu verhindern, als dies in den vergangenen Tagen geschehen ist. Stattdessen Geplänkel: Der Uno-Sicherheitsrat ist zahnlos, da Russland dort ein Veto besitzt. Die OSZE-Beobachter waren rasch vor Ort, doch sie mussten die Lage hilflos zur Kenntnis nehmen. Und von der Nato ist überhaupt nichts zu vernehmen. Die Handlungsfähigkeit Europas muss mal wieder mit einem großen Fragezeichen versehen werden. Denn auch von den am Abend von der EU beschlossenen Sanktionen werden kaum neue Signale ausgehen

Die andere Perspektive

Russische Medien präsentieren andere Interpretationen zum Absturz des Flugs MH17 in der Ostukraine. Zwar sind die Umstände noch nicht geklärt – aber das Tempo mit dem selbst abwegige Szenarien in Russland als Unglücksursache aufgeführt werden, ist atemberaubend. Alle haben eins gemein: Die Schuld liege bei der Ukraine. Wäre Russland doch nur bei der Aufklärung so behilflich wie bei der Verwirrung.

Ungewisse Zukunft

Wirtschaftlich hatte Malaysia Airlines es schon lange schwer – auch vor den Unglücken der Flüge MH 370 und jetzt MH17. Jetzt könnten drastischen Maßnahmen folgen: Der Abschied von der Börse oder gar die Insolvenz. Letztere könnte eine Sanierung der Airline erleichtern und die Gewerkschaft frustrieren.

Aldis Zukunft

Schon lange vor seinem Tod hatte Aldi-Gründer und der spätere Herrscher über Aldi Süd, Karl Albrecht, den Familienbesitz so geordnet, dass der Fortbestand der Firma in jedem Fall gesichert sei. Als Mann im Hintergrund hatte sein Wort bis zuletzt Gewicht. Doch jetzt ist vor allem ein Enkel die starke Person im Discount-Imperium.


Alle gegen den Chef

Die Idee war gut: Viele Anleger legen zusammen und stützen eine gute Idee. Der Windparkentwickler Prokon und dessen Chef Carsten Rodbertus scheiterten aber mit der Umsetzung. Jetzt zerfällt das Reich spektakulär in der Insolvenz. Der Zusammenhalt der Anleger zeigt sich auch in der Krise. Zur Gläubigerversammlung kamen heute geschätzte 7000 Teilnehmer. So viele Aktionäre zeigen sich selbst nicht bei einer Hauptversammlung der Deutschen Bank.


Einen schönen Abend wünscht

Ihr

Martin Dowideit

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

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