Was vom Tage bleibt
Völlig unsolidarisch!

Die CDU will den Solidaritätszuschlag abschaffen, der Euro fällt weiter. Die RBS streicht 14.000-Bankerjobs, Tschechien führt die Musterung wieder ein und Apple überholt Samsung. Der Tag im Rückspiegel.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Weg damit

Das Rumoren in der Großen Koalition wird von Tag zu Tag lauter. Auf absehbare Zeit dürfte etwas mit dem Solidaritätszuschlag passieren. Vielleicht wird er gekürzt, vielleicht wird er aber auch ganz gestrichen. Dieses lästige Ding aus der Zeit der deutschen Vereinigung, das eigentlich längst schon abgeschafft gehört. Die Einheit ist so gut wie vollendet, weshalb also noch einen Solidaritätszuschlag? Dem deutschen Fiskus geht es extrem gut. Deutschland schreibt schwarze Zahlen, das Wirtschaftswachstum und die hohe Beschäftigung treiben die Steuereinnahmen nach oben. Das nährt die Hoffnung, dass es dem „Soli“ nun wirklich an den Kragen geht.

Schwäche macht stark

Viel fehlt nicht mehr, dann wird der Euro-Wechselkurs unter die Grenze von 1,10 US-Dollar fallen. Vielleicht passiert das sogar schon am Donnerstag, wenn die Europäische Zentralbank mit dem größer angelegten Kauf von Staatsanleihen beginnen dürfte. Das zusätzliche Geld der EZB drängt auf den Markt und wird den Euro im Vergleich zum Dollar weiter schwächen. Das ist nun wahrlich kein Grund zur besonderen Besorgnis. Währungen machen regelmäßig Auf- und Abwärtsbewegungen durch. Auch mit dem vermeintlich so starken US-Dollar ist das immer wieder regelmäßig passiert. Deutschland sollte sich über den geschwächten Euro sogar freuen – wegen der weiter steigenden Exporte.

Geldblase

Die Briten legen ein gewaltiges Sparprogramm hin. Die Royal Bank of Scotland (RBS), das größte Geldhaus auf der Insel, will 14.000 Stellen streichen, überwiegend im Investmentbanking. Die große Finanzkrise liegt nun inzwischen sieben Jahre zurück. Doch trotzdem sind große Geldhäuser wie die RBS mit ihrem Sanierungsprogramm noch immer nicht fertig. Das Beispiel der Briten zeigt vielmehr, wie extrem langsam die Geldbranche bei ihrer Neuausrichtung vorangekommen ist. Die RBS wird definitiv nicht die letzte Bank sein, die im großen Stil schrumpfen muss. Die Blase ist immer noch viel zu groß.

Die neuen Ängste

Litauen hat in der vergangenen Woche die Wehrpflicht wieder eingeführt. Am Mittwoch hat nun die Regierung in Prag zumindest die Musterung für junge Tschechen wieder obligatorisch gemacht. Andere Länder in Europa dürften folgen, vielleicht sogar auch Deutschland. Die jüngsten Beispiele zeigen noch einmal mit aller Deutlichkeit auf, welchen politischen Klimawandel Europa gerade durchmacht. Die mit dem Fall der Berliner Mauer verbundene Friedensdividende ist aufgezehrt, das Rad dreht sich wieder in die andere Richtung. Das Gefühl der Bedrohung wächst. Wer will schon, dass russische Soldaten noch weiter nach Westen vorrücken?

Mehr Erfolg mit Premium

Es ist ein gewaltiger Erfolg für den Apple-Konzern. Erstmals hat das US-Unternehmen mehr Handys verkauft als der koreanische Erzrivale Samsung. Eigentlich schienen die Marktanteile fest gesetzt: Samsung verkauft mehr Handys vor allem über den Massenmarkt. Apple hingegen ist stärker im Premiumsegment unterwegs und verkaufte dadurch entsprechend weniger. Die Amerikaner beweisen nun aber, dass sie auch mit ihrer Hochpreis-Strategie extrem erfolgreich sein können. Am Ende dürften sie am längeren Hebel sitzen und die Koreaner deutlich hinter sich lassen. Denn ihre Finanzkraft ist gewaltig, dank höherer Preise und nun auch dank größerer Stückzahlen.

Einen angenehmen und entspannten Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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