Was vom Tage bleibt
Vollendete Einheit

Die Wunden der deutschen Trennung sind vernarbt, aus Berlin kommen verrückte Steuerideen. Im Iran geschieht ein Wunder, in Sachsen eröffnet ein Bergwerk. Der deutsche Exportmotor ist nicht zu stoppen. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Trennung adé

Deutschland ist endgültig vereint. Auf dem Papier ist die Trennung von Ost und West nun schon seit bald 25 Jahren beendet. In der Realität sah das alles aber ganz anders aus: Ostdeutschland brauchte viele Milliarden, um wirtschaftlich mit der alten Bundesrepublik gleichziehen zu können. Nach dem gemeinsam von Handelsblatt und Prognos vorgestellten Zukunftsatlas beginnt nun das nächste Kapitel des deutsch-deutschen Vereinigungsprozesses. Die Einheit ist nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität und damit vor allem ökonomisch so gut wie erreicht. Das wäre doch der geeignete Moment, um jetzt ganz schnell das Ende des Solidaritätszuschlages zu beschließen.

Sparen statt ausgeben

In Berlin beraten Union und SPD immer noch mit großem Getöse über die Gestalt der neuen Regierung. Und wie das nun einmal bei einer Koalitionsregierung so ist, möchte jeder der beiden potenziellen Partner seine eigenen Wähler so gut wie möglich bedienen. Doch das dürfte leider eine ganze Menge Geld kosten. Also denken die Koalitionäre darüber nach, wie sie mit neuen Steuern die absehbaren Haushaltslöcher stopfen könnten. Zu unser aller Ärger kommen sie dabei auf die absurdesten Ideen wie etwa eine neue Zuckersteuer. Andere Länder wie Dänemark und Ungarn haben dafür schon kräftig Lehrgeld zahlen müssen. Aber in Berlin werden daraus keine klugen Schlüsse gezogen, sondern es wird trotzdem eifrig über die neue Zuckersteuer nachgedacht. Die bessere Alternative: SPD und Union sollten lieber Ausgabenkürzungen beschließen.

Happy End?

Das hat es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben: Ein amerikanischer Außenminister trifft seinen iranischen Amtskollegen. Seit Wochen wird darüber spekuliert, dass es eine Annäherung zwischen dem Westen und dem Iran im lange währenden Atomstreit geben könnte. Wenn jetzt sogar schon auf diplomatischer Top-Ebene darüber verhandelt wird, dann ist das ein eindrucksvolles Zeichen für eine Annäherung beider Seiten. Wir stehen im Nahen Osten offenbar vor einer gewaltigen Verschiebung zum Positiven: Der Iran ist nicht mehr der böse Bube, sondern wird zum allseits akzeptierten Verhandlungspartner.

Totgesagte leben länger

Bergbau ist in Deutschland schon lange für tot erklärt worden. Im Ruhrgebiet gibt es noch zwei aktive Steinkohle-Zechen, in fünf Jahren soll damit auch endgültig Schluss sein. Vermeintlich perspektivlose Branchen sollten allerdings nie zu früh abgeschrieben werden. War nicht auch schon das Ende des Industriestandortes Deutschland eingeläutet worden? Heute lobt uns die ganze Welt für die starke und extrem leistungsfähige Industrie. Jetzt eröffnet in Sachsen also tatsächlich ein neues Bergwerk, dort werden Kumpel wieder unter Tage einfahren. Die neue Zeche im Erzgebirge ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Bergbau in Deutschland doch noch eine Zukunft hat. Warten wir einmal ab, welche Nachrichten bald aus dem Ruhrgebiet kommen werden.

Erfolg und Verantwortung

Kein Ende in Sicht: Der deutsche Exportüberschuss hat schon wieder ein neues Rekordhoch erreicht. Kein Wunder, dass das den Neid bei unseren leidgeprüften Nachbarn aufkommen lässt. Aber was sollen VW und BMW dagegen machen, dass ihre Autos im Ausland so beliebt sind? Sollen unsere gleichfalls erfolgreichen Maschinenbauer Kunden jenseits der Grenzen nicht mehr beliefern? Eine absurde Vorstellung. Hierzulande sollte aber niemand vergessen, dass der Euro dem Exportland Deutschland gewaltig hilft. Mit einer eigenen Währung könnten die deutschen Unternehmen wahrscheinlich längst nicht so viel exportieren, weil eine D-Mark viel höher als der Euro bewertet wäre. Mit diesem Wissen im Rücken wächst die Verantwortung Deutschlands für schwächere Mitglieder aus der Euro-Zone. Und das kann und darf im Zweifel Geld kosten.

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Abend und ein schönes Wochenende

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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