Was vom Tage bleibt: Vom Tiger zum Bettvorleger

Was vom Tage bleibt
Vom Tiger zum Bettvorleger

Die FDP kann selbst von Erfolgen nicht mehr profitieren, nach der Inflation bleibt noch ein bisschen Lohnsteigerung übrig und die einstige Kultfirma Atari macht es wie die Dinosaurier. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Die Meuterer kneifen

Ja, was will die FDP denn noch? Monatelang hatten sich zahlreiche Parteifunktionäre alle Mühe gegeben, ihren Chef Philipp Rösler weidwund zu schießen. Allen voran sein Kabinettskollege Dirk Niebel, aber auch der FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle, hatten mehr als deutlich gemacht, dass Röslers Zeit abgelaufen ist. Und nun bietet der Chef seinen Rücktritt an – und die Kritiker kneifen. Brüderle mutiert vom Tiger zum Bettvorleger. Reicht denn schon ein mehr als schmeichelhafter und von der CDU geschenkter Wahlerfolg in Niedersachsen, um den FDP-Meuterern allen Wind aus den Segeln zu nehmen? Kein Wunder, dass diese Partei politisch kaum noch eine Rolle spielt.

Wenigstens etwas zum Verteilen

Das Jahr 2011 war kein gutes für große Anschaffungen. Damals fraß die Inflation die durchschnittliche Lohnsteigerung komplett auf. Das war im abgelaufenen Jahr anders: Die Tariflöhne und -gehälter stiegen im Schnitt um 2,7 Prozent, wie das gewerkschaftsnahe WSI-Institut heute mitteilte. Damit blieb den Konsumenten nach Abzug der Inflation immerhin ein Plus von 0,7 Prozent im Geldbeutel. Das klingt nicht viel, aber angesichts eines Wirtschaftswachstums von nur 0,7 Prozent gab es 2012 auch nicht mehr zu verteilen.

Jammernde Banker

Wenn man deutschen Bankern glaubt, wird sich daran auch so bald nichts ändern. Nach einer Umfrage von Ernst & Young rechnet fast jede zweite deutsche Bank mit einer Eintrübung der Binnenkonjunktur. Auch die Euro-Krise halten die Finanzmanager noch lange nicht für ausgestanden. Deswegen, so sagen sie, müssen sie nun weiter Personal abbauen. Ob daran aber wirklich nur die Konjunktur schuld ist, ist mehr als fraglich.

Kultfirma in der Insolvenz

Es gilt als die Mutter aller Videospiele: „Pong“ von Atari. So simpel wie dieses, dem Tennis nachempfundene Spiel ist, kann man sich heute kaum noch vorstellen, dass es mal die Attraktion der Spielhallen war. Fast genau so weit in der Vergangenheit liegen die großen Erfolge der einstigen Kultfirma Atari. Vom Zusammenbruch der Videospielbranche in den 80er-Jahren hat sich das Unternehmen nie wirklich erholt. Dass Atari jetzt Insolvenz angemeldet hat, kann nicht mehr verwundern. Es ist wie bei den Dinosauriern: Wer sich nicht anpassen kann, muss eben gehen.

Was fehlt? Die Leihstimme wird wegen des zu großen Erfolgs nun doch wieder abgeschafft. Bundeskanzlerin Merkel sagte heute nach Beratungen der CDU-Führungsgremien in Berlin, bei der Bundestagswahl werde „jeder für sich“ und für seine Stimmen kämpfen. Plant da etwa jemand für die Zeit nach Schwarz-Gelb? Immerhin hat Niedersachsen ja gezeigt, dass die FDP ohne Bluttransfusion von der Union nicht mehr lebensfähig ist.

Ich wünsche Ihnen einen vergnüglichen Feierabend.

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Vom Tiger zum Bettvorleger"

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  • ...und das nicht als spätrömisch dekadente Bordsteinschwalbe, sondern hochnotabel, wie die FDP nicht müde wird zu behaupten.

    Später mal wird die FDP einen Friseurladen aufmachen: vom Barbieren zur hochondulierten Feiertagsfrisur kann die FDP fast so ziemlich alles.
    Oder sollte sich der "Wählerpöbel" darin irren?

  • Zum von Ihnen reklamierten investigativen Journalismus gehörte vermutlich auch die heutige Totalpleite der FDP insgesamt zu übergehen.
    Schön dass es die FDP gab,
    einen Generalsekretär,
    sowie eine Parteispitze, die sich, einer Hydra gleich, zu enthaupten scheint, um sogleich mit 2 "Köpfen" wieder ins öffentliche Geschehen zu drängen.

    Ja, das ist die FDP heute.

    Was sie mal war?
    Eine Partei?

    Heute wirkt sie wie ein Pöstchenschieberladen.

    Und wahrlich: so unkorrupt wie eine Bordsteinschwalbe.

  • "Immerhin hat Niedersachsen ja gezeigt, dass die FDP ohne Bluttransfusion von der Union nicht mehr lebensfähig ist."

    Diese Aussage ist nach wie vor absoluter Blödsinn. Dass es Leihstimmen gab (ca. 101.000 von der CDU, Quelle: ARD) bestreitet niemand, jedoch hätte die FDP den Einzug in den niedersächsischen Landtag auch ohne die Unterstützung der CDU-Wähler geschafft.

    FDP-Wähler insgesamt: 354.971
    Wähler insgesamt: 3.620.994
    FDP ohne Leihstimmen: (354971-101000 =) 253.971

    253.971/3.620.994 = 7,01 % (Ergebnis ohne Leihstimmen)

    Quelle: http://www.aktuelle-wahlen-niedersachsen.de/LW2013/000.html

    Zu meinem Anspruch an "investigativen Journalismus" gehört auch, wirklich mal etwas genauer hinzuschauen und nicht einfach jeden Schwachsinn nachzuplappern, den Gabriel und Kollegen von sich geben!

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