Was vom Tage bleibt
Von Betrügern und Aufklärern

Eine prominente Grüne versteht die Basis nicht mehr, Betrüger genießen in Deutschland erschreckend viel Sympathie und für die USA naht ein gefährlicher Unabhängigkeitstag. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Grün ist nicht mehr Roth

Heute Morgen sah es mal wieder so aus, als ob sich bei den Grünen alles um Claudia Roth dreht. Doch die nervig-schrille Alt-Achtundsechzigerin war nicht ohne Grund in ungewohnt schwarzem Kostüm aufgetreten. Auch wenn sie noch einmal als Parteivorsitzende gewählt werden sollte, sie hat ihre Zukunft hinter sich. Für die künftige Richtung der Partei steht die neue Spitzenkandidatin Katrin Göhring-Eckardt. Und die sagt so kluge Sachen wie: "Wir brauchen keinen Staat, der sagt, wie man zu leben hat - aber Freiheit und Wahlmöglichkeiten darf es eben nicht nur für diejenigen geben, die es sich leisten können." Sie macht grüne Politik mit christlichen Werten, eine echte Konkurrenz für die Volksparteien.

Sympathie mit dem Betrüger

Leider aber scheinen viele Bürger überhaupt keinem Politiker mehr zu trauen. Wenn man sich die Leserkommentare unter den Artikeln über die Steuerrazzien bei UBS-Kunden durchliest, könnte man meinen, es handele sich um arme Opfer staatlicher Willkür und nicht um wohlhabende Steuerbetrüger. Es ist schon erschreckend, wie weit viele Bürger sich vom Staat entfremdet haben und sehr sie mit denen sympathisieren, die nur ihren eigenen Vorteil sehen. Wer von Politikern verantwortungsbewusstes Handeln erwartet, sollte auch selber bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.

Die Stunde des Aufklärers

Für den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS wird es eng. In einer konzertierten Aktion wollen deutsche und österreichische Fahnder jetzt die Korruptionsvorwürfe rund um den Verkauf des Kampfjets Eurofighter nach Österreich aufklären. Offenbar gab es auch hier eine unheilige Allianz zwischen Industrie und Politikern zum Schaden des Staates. Der Augenblick für die Ermittlungen ist günstig: Nach der gescheiterten Fusion mit BAE Systems bleibt EADS-Chef Tom Enders nur die Flucht nach vorne. Er muss bedingungslos im eigenen Laden aufklären, sonst sind seine Tage an der Konzernspitze wohl gezählt.

Gefährliche Unabhängigkeit

Für die USA naht ein neuer Unabhängigkeitstag. Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) werden die USA als größte Volkswirtschaft der Welt bis 2017 zum größten Ölproduzenten und schon bis 2015 zum größten Gasproduzenten der Welt aufsteigen. Damit würde das Land vom Importeur von Energie zum Exporteur und damit quasi autark. Für die US-Wirtschaft ist das gut, sinken doch mit steigender Produktion im eigenen Land die Energiepreise. Doch die Gefahr ist groß, dass darüber das Energiesparen wieder vernachlässigt wird. Doch das böse Ende wird kommen, denn fossile Energien sind bleiben endlich.

Was fehlt? Wer sich an Gourmetführern orientiert, hat es zurzeit nicht leicht. Hatte in der vergangenen Woche noch der Guide Michelin eine neue Rekordzahl an Sternen an deutsche Restaurants vergeben, hat nun der Gault Millau deutschen Köchen in einer Art Generalabrechnung "austauschbare Produkte" und "uniforme Geschmackserlebnisse" attestiert. Wissen Sie was? Nehmen Sie sich doch einfach mal wieder die Zeit und kochen selbst, mit frischen Zutaten und viel Fantasie.

Ich wünsche Ihnen einen genussreichen Feierabend,
Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Von Betrügern und Aufklärern"

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  • Sie machen es sich einfach, wieso sollen das die, die sich abgezockt fühlen nicht auch tun?
    Das Vollzugsdefizit auszunutzen ist legitim, diesen Spielraum nutzt der Staat übrigens ebenfalls exzessiv.
    siw vergessen darüberhinaus, das der Staat als Institution ein Gewaltmonopol besitzt und auch Deutungshoheit, das nicht mal den Wünschen der Mehrheit entsprechen muss und in vielem auch nicht entspricht. Es gibt zusätzlich zahlreiche verfassungswidrige Gesetze, die in vollem Bewusstsein der Verfassungswidrigkeit beschlossen wurden und werden, weil die Wahrscheinlichkeit diese institutionellen Begünstigungen rechtlich anzufechten extrem gering sind.
    Wer meint der Bürger müsse in jedem falle sich am Buchstaben des Gesetztes halten verkennt seine demokratische Verantwortung. Das ist letztlich Untertanengeist. Ziviler Ungehorsam fängt nicht erst an, wenn ein Unrechtsregime sich etabliert hat. Dann ist es längst zu spät.
    Letztlich gehört zur guten Staatsführung zivilen Ungehorsam einzukalkulieren und sogar in gewissem Rahmen hinzunehmen. Wird dieser Rahmen überschritten delegitimiert sich der Staat, nicht der Bürger.
    Dem muss der Staat mit neuen Gesetzen begegnen. Erhöht er damit den zivilen Ungehorsam ist der Staat im Unrecht und muss nachbessern, eben weil bedeutsame Minderheiten sich nicht mehr vertreten fühlen. Wären diese Minderheiten nicht bedeutend, gäbe es ja kein Problem.

    H.

  • Vergessen sie das Fischbrötchenurteil! Kein Arbeitgeber, am allerwenigsten die skrupelosen Ausbeuter entlassen einen Mitarbeiter für ein Fischbrötchen.

    Nachdem die Gewerkschaften vorexerziert hatten, wie man Entlassungen kassiert, wegen Formfehlern und Prinzipienreiterei, haben die Arbeitgeber dazugelernt und sich auf die selbe Art und Weise ihrer faulen Eier oder der Überbeschäftigung entledigt.
    Mit dem Diebstahl war eben der nötige Tatbestand verwirklicht, der eine Entlassung rechtfertigt. Die mit den wirklichen Gründen nicht durchsetzbar gewesen wäre.
    Wer einmal erlebt hat, wie Gewerkschaften und manche Betriebsräte ein Unternehmen ruinieren, weil sie die falschen schützen, der ärgert sich höchstens darüber, das solche Methoden offensichtlich notwendig geworden sind. Missbrauch zeiht eben Missbrauch nach sich.

    H.

  • Wen kann es überraschen, wenn vor allem Steuerbetrüger Sympathie genießen?
    Unsere Steuergesetze der letzten 30 Jahre sind weder gerecht noch folgen sie entsprechenden Normen sie sind einzig und allein darauf ausgerichtet Staatseinnahmen zu generieren mit politisch möglichst geringen Kosten.
    Die Bürger merken sehr wohl, das sie damit moralisch betrogen werden, wenn auch legal.
    Aber für die Akzeptanz eines Systems ist eben diese Moral und nicht die Legalität erforderlich, was der Autor hier offensichtlich verwechselt.
    Da die Anzahl derjenigen die Sympathie bekunden steigt, ist diese Gruppe offensichtlich im Recht. Jedenfalls solange, bis erneutes Vertrauen errungen wird, durch eine bessere Gesetzgebung.

    H.

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