Was vom Tage bleibt
Von Lokomotiven und Drachenbooten

Deutschland wird zu Insel der Seligen, Griechenland zum Gipfel der Unregierbarkeit und für gleich zwei Regierungschefs fällt der Tag buchstäblich ins Wasser. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Danke, Deutschland!

Konjunkturprognostiker kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Während bei unseren Nachbarn die Konjunktur abstürzt, legt Deutschland eine Top-Performance hin: 0,5 Prozent Zuwachs im ersten Quartal hatte keiner erwartet. Beim Blick auf die Euro-Zone verlässt jedoch viele Finanzexperten jeglicher Optimismus, dass es mit dem deutschen Wachstum so weitergeht, wie der einbrechende ZEW-Indikator zeigt. Doch das ist etwas kurzsichtig. Entscheidender ist für uns mittlerweile, ob es in China oder USA brummt. So wie es aussieht wird die deutsche Konjunkturlokomotive Europa weiter antreiben.

Das Chaos in Athen ist komplett

Im Grunde war es ein Scheitern mit Ansage. Auch der letzte Versuch, mit einer Expertenregierung das Regierungschaos in Athen in den Griff zu bekommen, war unter den Parteien nicht mehrheitsfähig. Es ist ein Armutszeugnis für die griechischen Poltiker - und es dürfte zugleich noch mehr Griechen in die Armut treiben. Der perfekte Nährboden für Extremisten und Volksverführer. Die nun unausweichlichen Neuwahlen bieten ihnen eine wunderbare Bühne. Kein Wunder, dass die Börsen nach dieser Nachricht abgestürzt sind. Die Zerreißprobe für die Euro-Zone wird viele in den Abgrund ziehen.

Der Piratenkampf eskaliert

Bisher war es nur eine theoretische Diskussion, ob die Soldaten der EU die Piraten in Somalia auch an Land verfolgen dürfen. Seit heute ist es politische Realität. Im Rahmen der EU-Antipiraten-Mission Atalanta sind erstmals seit der umstrittenen Mandatsausweitung Ziele an der somalischen Küste beschossen worden. Diesmal sind keine Menschen zu Schaden gekommen. Doch die Eskalation wird sich nicht vermeiden lassen. Solange die Menschen in Somalia keine anderen wirtschaftlichen Perspektiven haben, werden sie weiter Schiffe kapern.

Avon und Coty können sich nicht riechen

Zahlreiche Studien haben es belegt: Mehr als 60 Prozent aller Großfusionen scheitern. Das hatte wohl das Management des Parfumherstellers Coty im Hinterkopf als es heute die geplante Milliardenübernahme des Kosmetikherstellers Avon abgeblasen hat. Gegen den erklärten Widerstand des Avon-Managements wollte der von der deutschen Milliardärsfamilie Reimann kontrollierte Parfümhersteller den Deal nicht durchziehen. Den Reimanns ist wohl klar, dass nur eine gesunde und gewachsene Unternehmenskultur Garant für wirtschaftlichen Erfolg ist.

Was fehlt? Für gleich zwei Regierungschef ist der heutige Tag ins Wasser gefallen. Den neuen französischen Präsidenten Francois Hollande hat nach seiner Vereidigung ein Regenschauer erwischt und seinen Anzug komplett durchnässt. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister ist gleich mit seinem ganzen Kabinett ins Zwischenahner Meer gefallen als ihr Drachenboot gekentert ist. Das sollte auch andere Politiker daran erinnern, wie schnell man nach einem Fehltritt als begossener Pudel dastehen kann.

Ich wünsche Ihnen einen trockenen und behaglichen Feierabend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Von Lokomotiven und Drachenbooten"

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  • Nicht nur das:
    Den neuen französischen Präsidenten Francois Hollande hat nach seiner Vereidigung ein Regenschauer erwischt und seinen Anzug komplett durchnässt.

    Auf seinem Flug nach Berlin hat seine Maschine der Blitz getroffen, er mußte zurück nach Paris, die Maschine wechseln.

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