Was vom Tage bleibt: Von Merkel abgewatscht

Was vom Tage bleibt
Von Merkel abgewatscht

Uli Hoeneß hat sein Image endgültig zerstört, Euro-Land lebt unbekümmert auf Pump, Geiz ist nicht mehr geil und ein Leben ohne Handy ist tatsächlich möglich - selbst für Jugendliche. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Öffentliche Hinrichtung

Dass sich SPD und Grüne auf ihn stürzen, hatte er erwartet. Doch diese Kritik wird Uli Hoeneß am meisten schmerzen: Angela Merkel ließ mitteilen, sie sei "enttäuscht" vom Präsidenten des FC-Bayern. Dass sich Merkel so überraschend schnell und klar positioniert zeigt eindeutig: Egal was die weiteren Ermittlungen ergeben, in der Öffentlichkeit ist Hoeneß erledigt. Zuschreiben kann er sich das selbst. Zu sehr hatte er sich zuvor als Moralapostel gegeben mit Sprüchen wie: "Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant", oder "Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein". Jetzt hat er sich nicht nur als Sprücheklopfer entlarvt sondern ein erschreckendes Beispiel dafür gegeben, dass viele Reiche offenbar Steuern als unverbindliche Empfehlung betrachten.

Fast ein Jahr auf Pump

Die laxe Steuermoral vieler Reicher ist auch mitschuldig an der Misere südeuropäischen Länder. Speziell wohlhabende Griechen haben Milliarden heimlich ins Ausland transferiert. Und wie sich heute zeigte, verschärft sich in diesen Länder die Überschuldung sogar. Wie die europäische Statistikbehörde Eurostat mitgeteilt hat, ist die Neuverschuldung etwa in Griechenland 2012 um 0,5 Punkte auf 10,0 Prozent gestiegen. Spanien kam sogar auf ein Defizit von 10,6 Prozent. In der Eurozone erhöhte sich die Staatsverschuldung 2012 damit auf 90,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - die Staaten lebten fast ein ganzes Jahreseinkommen auf Pump. Und das bezeichnete EU-Kommissar Olli Rehn gerade erst als "konsequent auf Konsolidierungskurs". Das verstehe, wer will.

Geiz ist nicht mehr geil

Sicherlich gibt es auch gute Argumente gegen die Vereinbarung von Mindestlöhnen. Aber dass in manchen ostdeutschen Bundesländern ausgebildete Friseurinnen bisher für gerade mal drei Euro pro Stunde arbeiten, ist geradezu unwürdig. Es kann nicht sein, dass durch den Konkurrenzkampf in der Branche viele Kunden nicht mehr bereit sind, mehr als zehn Euro für einen Haarschnitt auszugeben - und gleichzeitig der Staat das Gehalt der Friseure aufstocken muss, damit sie überhaupt das Existenzminimum erreichen. Dass es nun ab 2015 einen bundesweit einheitlichen Mindestlohn von 8,50 Euro geben soll, ist ein gutes Signal gegen die "Geiz-ist-geil"-Mentalität.

Hase und Igel

Es ist die Horrorvorstellung jedes Online-Händlers: Unbekannte Täter sind in ein Datenzentrum für Online-Buchungen mehrerer Reiseveranstalter eingebrochen und haben komplette Kreditkartendatensätze von den Servern kopiert, darunter Kreditkartentyp, Kreditkartennummer, CVV-Nummer, Ablaufdatum und Name, Adresse und E-Mail des Inhabers. Die Veranstalter sagen, sie hätten das Leck schon wieder geschlossen. Doch die Erfahrung lehrt: Nach der Sicherheitslücke ist vor der Sicherheitslücke. Das Hase-und-Igel-Spiel zwischen Kriminellen und Sicherheitsabteilungen geht weiter. Und den Kunden bleibt nur, regelmäßig ihre Abrechnungen zu prüfen.

Was fehlt? In einem Experiment haben 45 Schüler aus Braunschweig eine Woche lang auf ihr Handy verzichtet. Die unerwartete Erkenntnis: Vielen hat es gar nicht so arg gefehlt und einige haben gemerkt, dass sie Zeit gewonnen haben. Ein Schüler hat sogar das Festnetz wiederentdeckt - und überrascht festgestellt, wie gut da die Empfangsqualität ist.

Schalten Sie doch auch mal ab am Feierabend.

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Von Merkel abgewatscht"

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  • komisch, dass sich die Genossen weit weniger über ihre Ministerkollegen in Frankreich aufregen..greift da das Krähensprichwort? oder sind Verfehlungen von Politikern nicht aufregenswert, weil das ja eh nicht mehr überrascht?

  • Ich mag diesen Schreiberling nicht, der glaubt, über andere herziehen zu dürfen ...... und dabei aussieht, als wäre er gerade aus einer Mülltonne gekrochen!

  • HB:" Angela Merkel ließ mitteilen, sie sei "enttäuscht" vom Präsidenten des FC-Bayern."

    Die Deutschen sind auch enttäuscht : Von der EURO-Politik der Frau Merkel, die im Ergebnis sehr kostspielig ist und die Steuernachzahlung von Uli Höness wird da wohl nur als "Tropfen auf dem heißen Stein" zwecks Abdeckung der Verluste "verzischen".

    Mag sein, dass Uli Hoeness "Sprüche gekloppt" hat aber die größeren Sprüche werden von Politikern "gekloppt".

    Jedenfalls hat Uli Höness Reue gezeigt und die abgegebenen Steuererklärungen im Rahmen einer Selbstanzeige berichtigt.
    Das spricht für Format, Charakter und wird mit der strafbefreienden Wirkung des § 371 (1) AO auch honoriert.

    Seine Sprüche werden in der Zukunft wohl etwas diplomatischer formuliert werden.
    Enttäuschen würde allenfalls, wenn die Kicker des FCB durch die "Vorgänge" so geschockt sind und Blei in den Füßen haben, dass die CL wieder nicht gewonnen wird.
    Das würden die Fans dem Uli nicht verzeihen. Alles ANDERE schon !!

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