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Was vom Tage bleibt: Von Schuld und Verantwortung

Marcel Reich-Ranicki hat heute daran erinnert, dass eine Verantwortung für die Zukunft nur aus der Erinnerung an die Vergangenheit erwachsen kann. Eine Lektion, die der Konzern BP auch lernen musste. Der Tagesrückblick

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Florian Kolf ist stellvertretender Chefredakteur von Handelsblatt Online.
Florian Kolf ist stellvertretender Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Wunderschönen guten Abend,

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Den Schrecken in Erinnerung halten

Eine Rede für die Geschichtsbücher hat heute der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki vor dem Deutschen Bundestag gehalten. Am 67. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erinnerte der 91-Jährige aus persönlicher Erinnerung an die Verfolgung der Juden und den von den Nazis organisierten Völkermord. Mit brüchiger Stimme, aber hellem Geist hat er die Schrecken wieder lebendig werden lassen. Das ist als lebendige Mahnung für die Zukunft wichtiger als jedes Geschichtsbuch.

Das US-Militär spart - ein bisschen

Die US-Militärs machen mit dem Sparen ernst: Erstmals seit über zehn Jahren soll der Verteidigungsetat 2013 leicht zurückgehen. Mindestens 90 000 Soldaten werden in den nächsten Jahren eingespart. Dabei trifft es auch zwei Standorte in Deutschland. Es dürfte das Aus für die 170. Infanteriebrigade in Baumholder (Rheinland-Pfalz) und die 172. Infanteriebrigade in Grafenwöhr (Bayern) bedeuten. Wobei man streng genommen bei den Einschnitten nicht wirklich von Sparen reden kann. Der Etat sinkt im kommenden Jahr nur um rund ein Prozent und liegt dann immer noch bei 525 Milliarden Dollar. Angesichts der Tatsache, dass mehr als 20 Millionen Menschen in Amerika unter Armutsgrenze leben, ist das schon ein Wahnsinn.

Twitter filtert die Meinungsfreiheit

Mit einem neuen Filter will Twitter Nachrichten stoppen, die in einem Land gegen nationales Recht verstoßen. Der Filter soll dabei so eingestellt sein, dass der Tweet nur in diesem bestimmten Land nicht verbreitet wird, in anderen dagegen schon. Was sich auf den ersten Blick ganz vernünftig anhört, ist jedoch eine bedenkliche Entwicklung. Denn das Unternehmen schränkt damit bewusst aus kommerziellen Gründen die Meinungsfreiheit ein - drängt sich doch der Eindruck auf, dass das Unternehmen so verhindern will, dass es in demokratiefeindlichen Diktaturen abgeschaltet wird. Wer sich erinnert, was für eine wichtige Rolle Twitter beim arabischen Frühling gespielt hat, dem wir bei der Entwicklung ganz anders.

BP muss für die Ölkatastrophe geradestehen

Im Streit um die Kosten der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko hat BP eine Niederlage erlitten. Ein Gericht in New Orleans hat am Donnerstag entschieden, dass der Mineralölkonzern die Folgen des Desasters größtenteils allein bezahlen muss - immerhin ein Schaden in Höhe von 40 Milliarden Dollar. Das ist ein gutes Signal. Hatte BP doch versucht, die Zahlung auf Transocean, den Eigentümer der Unglücksplattform „Deepwater Horizon“, abzuwälzen. BP muss jetzt die Verantwortung für die volkswirtschaftlichen Schäden übernehmen. Alles andere wäre der amerikanischen Bevölkerung auch nicht vermittelbar gewesen.

Was fehlt? Im Rechtsstreit um die Versteigerung des teuersten Teppichs der Welt hat die Klägerin vor dem Landgericht Augsburg eine Niederlage erlitten. Sie wollte von einem Auktionator 350.000 Euro Schadenersatz, weil er den später für 7,4 Millionen Euro versteigerten Teppich aus dem 17. Jahrhundert auf einen Wert von nur 900 Euro geschätzt hatte. Aber großes Mitleid muss man mit der Klägerin nicht haben: Sie hatte den Teppich ohnehin geerbt. Und bei der ersten Auktion hatte sie immerhin noch 19.000 Euro eingenommen.

Ich wünsche Ihnen eine anregenden Feierabend und ein erholsames Wochenende,

Florian Kolf

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3 Kommentare

  • 28.01.2012, 18:00 UhrAnonymer Benutzer: Zecken-entfernen

    ...... wenn man genug intellektuelle Kapazität hat: ja. Dann kann man nämlich abstrahieren.

  • 28.01.2012, 01:03 UhrZecke

    ...interessiert diese abgehalfterte Mär um Schuld und Verantwortung überhaupt noch jemanden in diesem Land ?

  • 27.01.2012, 18:31 UhrAnonymer Benutzer: absichtoderschlamperei

    Gibt es eine Erklärung dafür, dass beim Handelsblatt und auch beim Deutschlandfunk der Name von Reich-Ranicki veralbert wird (Reich-Ranitzki)? Ist das Absicht oder Schlamperei?

  • Kommentare
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