Was vom Tage bleibt
Vorsicht: Danebengeschossen!

Heckler & Koch glaubt weiter an sein Gewehr. Nur die Soldaten tun es nicht. Gauweiler tritt ab. Middelhoff ist pleite. Und Orkan Niklas pustet die Bahn von der Schiene. Was heute wichtig ist, lesen Sie hier.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Volltreffer

Das Bundesverteidigungsministerium stellt fest, dass ein Gewehr des Herstellers Heckler & Koch „offenbar ein Präzisionsproblem bei hohen Temperaturen, aber auch im heißgeschossenen Zustand“ hat. Das heißt: Wenn es warm wird, schießen unsere Soldaten, die mit tausenden dieser Schießprügel ausgerüstet sind, daneben. Das ist natürlich ein Vorwurf, den das Unternehmen nicht auf sich sitzen lassen möchte. Die eigenen Prüfungen der Waffe widersprächen der Darstellung des Ministeriums „diametral“. Es hätten sich „bei sachgerechtem Gebrauch keine maßgeblichen Einschränkungen der Einsatztauglichkeit, insbesondere auch im Vergleich zu anderen Sturmgewehren, ergeben.“ Der Hersteller hätte genauso gut auch statistisch argumentieren können: Wenn sein Gewehr einmal rechts vorbei schießt und einmal links vorbei schießt, ist das Ziel im Schnitt voll getroffen.

Tausche Macht gegen Ansehen

Peter Gauweiler gibt seine Parteiämter auf, weil er Peter Gauweiler bleiben will. Der Standhafte, der Unerschütterliche – so jedenfalls lautet die Interpretation, die er sich wünscht. Die andere könnte lauten: Peter Gauweiler gibt auf wegen nachhaltiger politischer Erfolglosigkeit. Es ist ihm niemals gelungen, aus seiner konservativen, rechts-intellektuellen Einstellung politisches Kapital für die CSU zu schlagen. Welche Deutung stimmt? Richtig ist: Gauweilers politischer Stern sinkt. Richtig ist aber auch: Gauweiler hat aus seinem Herzen nie eine Mördergrube gemacht. Als konservativer Politiker und beschlagener Jurist kämpfte er auf der politischen Bühne genauso wie vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe für seine Meinung. Dass er dabei überwiegend den Kürzeren zog, schmälerte seine Macht, aber nicht sein Ansehen. Nicht anders verhält es sich mit seinem Rücktritt.

Befreiende Pleite

Thomas Middelhoff, der Mann mit der Luxusuhr und dem Anwesen in Südfrankreich, der Mann, der einst als Manager am liebsten im Hubschrauber zu Arbeit flog, hat aus der Haft heraus einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bielefeld eingereicht. Damit sind alle Gerichtsverfahren, in denen Gläubiger gegen ihn antreten, bis auf weiteres gestoppt. Manchmal hat so eine Pleite etwas Befreiendes.

Türkischer Blackout

Ein Stromausfall hat die größten Städte der Türkei und zahlreiche Provinzen lahmgelegt. In Istanbul, Ankara und Izmir stoppten U-Bahnen verlöschten Bildschirme, versagten Geldautomaten. Das Land, das sich manchmal anfühlt, als verharre es noch im vergangenen Jahrhundert, war für ein paar Stunden sogar im Mittelalter angekommen.

Orkan im Kopf

Tausende Menschen in Deutschland sitzen an Bahnhöfen und Flughäfen fest und kommen heute nicht ans Ziel, weil Orkan Niklas wütet. Es gibt Sonne, es gibt Regen, es gibt Schnee – und halb Deutschland erkennt eine Klimakatastrophe im Anmarsch. Dabei ist es nur der April, der da hereinschneit.

April, April

Apropos April: Wir haben uns heute Mühe gegeben, die Meldungen zum 1. April nicht zu veröffentlichen. Ikeas Pressemitteilung, wonach künftig mittags in der Schlafzimmer-Abteilung der Ikea-Möbelhäuser geschnarcht werden darf, gehörte genauso zu den Aussortierten, wie die Nachricht von der App namens Ovalapp, die „fruchtbare Frauen in Deiner Umgebung“ findet. Falls Ihnen doch heute etwas spanisch vorkommt – oder Sie für morgen noch eine April-Nachricht für uns haben: Schreiben sie uns hier. Die besten Aprilscherze stellen wir morgen zusammen.

Einen vergnüglichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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