Was vom Tage bleibt

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Was vom Tage bleibt: Vorstandschef auf Staatshilfe-Tour

Der Kanzlerkandidat behält sein Aufsichtsratsmandat. Der Wettbewerb auf dem Rohstoffmarkt wird kleiner. Daimler will ans Steuergeld. Und Ikea retuschiert die Frauen fort. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.
Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

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Zeit für (Eigen)tore

Die Zeile ist zu schön, deswegen steht sie hier nochmal: „Steinbrück beaufsichtigt Schwarz-Gelb“. Die Zeile ist weder gnadenlos zugespitzt noch anschließend journalistisch übertrieben, sondern sie beschreibt schlicht die Tatsache, dass der heute von seiner Partei offiziell nominierte Kanzlerkandidat Aufsichtsrat beim börsennotierten Bundesligaverein Borussia Dortmund ist und nach aktueller Beschlusslage auch bleiben will. Mit solcherlei Neuigkeiten wird uns der Kanzlerkandidat von nun an öfter verwöhnen. Denn er muss die Frist bis zur Wahl im nächsten September überbrücken. Das ist viel Zeit. Für Tore und Eigentore.

Weniger Wettbewerb

Es ist der bisher größte Deal des Jahres. 33 Milliarden US-Dollar lautet der Preis, den der Rohstoffhändler Glencore zahlen will, um seine Braut, die Bergbauriesin Xstrata nach Hause zu führen. Da fallen jene 140 Millionen Pfund, die sich die Manager als Übernahmen-Prämie gönnen, nicht weiter auf, denkt sich das glückstrunkene Paar.  Doch die Aktionäre können ahnen, was auf sie zukommt: Wo so freigiebig mit ihrem Geld umgegangen wird, sieht es für Dividenden schlecht aus. Noch skeptischer dürfen wir Kunden auf den Deal gucken. Die Mitgift, die Glencore zahlt, können sich der Bräutigam nur leisten, weil er mit dem Verkauf von Rohstoffen hervorragende Margen erzielen. Das liegt an einem einfachen Zusammenhang: Rohstoffe werden tendenziell knapper. Ihr Verbrauch aber steigt, wenn sich immer mehr Länder zu Industrienationen entwickeln. Die Gewinnaussichten für die Branche sind also langfristig heiter. Die Preise, die am Ende wir Kunden zahlen müssen, steigen. Sie steigen umso schneller, je weniger Wettbewerb im Rohstoffsektor herrscht. Der Glencore-Xstrata-Zusammenschluss sorgt für weniger Wettbewerb. Leider.

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Zetsche liebäugelt mit Staatshilfe

Wo sind die harten Jungs? Daimler-Chef Dieter Zetsche ist keiner, wenn er vor dem Gipfel zur Elektromobilität bei der Kanzlerin mitteilt: „Wahrscheinlich wäre letztlich ein Kaufanreiz auch ein Thema, was den Absatz weiter fördern könnte.“ Er beschreibt damit folgenden Zustand: Kein deutscher Premium-Hersteller hat ein markttaugliches Elektroauto im Programm. Weil alle den Trend verschlafen haben, soll jetzt aus Steuergeld geforscht und dann wieder mit Steuergeld der Kauf der noch immer viel zu teuren Automobile unterstützt werden. Harte Kerle klingen anders. Einer, der kürzlich von der Spitze eines großen Dax Konzerns namens Deutsche Bank abgetreten ist, hatte zwischendurch mal zum besten gegeben: „Ich würde mich schämen, wenn ich Staatshilfe brauchte.“ Mir sind solche Kerle deutlich lieber.

Beim Bart des Propheten

Einen Mini-Karikaturen-Streit hat jetzt einer im Haus, der sich bisher betont Mühe gegeben hat, unpolitisch zu erscheinen: Ikea. Die schwedische Möbelkette hat nämlich aus ihrem Katalog für Saudi-Arabien Abbildungen von Frauen wegretuschieren lassen. Die schöne cremefarbene Ikea-Küche mit Dunstabzugshaube und Schnellkochplatte wird in der ganzen Welt mit zwei strahlenden Frauen darin verkauft. Nur in Saudi-Arabien ist die Küche kalt. Beziehungsweise leer. Aus Angst vor Verwicklungen verzichtet Ikea darauf, Frauen zu zeigen. Beim Bart des Propheten – das ist nun wirklich zu viel des vorauseilenden Gehorsams.

Machen Sie sich es heute Abend nett in Ihrer Küche

wünscht Ihnen Oliver Stock

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