Was vom Tage bleibt
VoRWEggehen ist teuer

RWE steckt in den Untiefen der Energiewende. Jogi Löws Herrenausstatter steckt in der Insolvenz. Ein Katastrophenfilm wird Wirklichkeit. Ein tschechischer Hotelier macht mobil gegen Russland. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Doppelter Fehler

2,8 Milliarden Euro Verlust, der erste in der Nachkriegszeit. Der Gang von RWE-Chef Peter Terium zum Rednerpult bei einer Hauptversammlung war auch schon mal federnder als heute in der Essener Gruga-Halle. Terium kommt schnell zum Wesentlichen: „Reden wir nicht drum herum: Die Lage ist sehr ernst.“ Hohe Schulden belasten und hohe Investitionen in neue Gas- und Kohlekraftwerke zahlen sich nicht mehr aus. Wer heutzutage in Westeuropa ein konventionelles Kraftwerk betreibt, habe ein Problem, weil stark subventionierter Solarstrom Kohle- und Gaskraftwerke aus dem Markt dränge, sagt Terium. Das sehr deutsche an diesem Problem ist, dass nicht nur Sonne, sondern eben auch die Kohle hierzulande subventioniert wird. Das ist deswegen deutsch, weil wir gern aus Sicherheitsgründen alles doppelt machen. Auch die Fehler.

Jogi muss sich umziehen

Schon bald könnte sich Jogi Löw ein neues Outfit zulegen müssen. Das liegt nicht daran, dass er als Trainer des künftigen Weltmeisters so nicht mehr herum laufen kann, sondern es hat damit zu tun, dass der angeschlagene Modehersteller und Jogi-Ausstatter Strenesse heute einen Antrag auf Insolvenz gestellt hat. Der Geschäftsbetrieb geht erst einmal weiter, Lieferanten werden jetzt jedoch aufs Gleich-Bezahlen-Modell umschwenken. Strenesse schreibt seit Jahren tiefrote Zahlen. Es ist eindeutig: Jogi nutzt den Ballkünstlern mehr als den Modemachern.

Traurige Katastrophe

Vor der Küste Südkoreas ist die Fähre „Sewol“ gekentert. Sie lief voll Wasser, kippte zur Seite und sank . Eine groß angelegte Rettungsaktion hat bislang auch nichts daran geändert, dass noch mehr als 250 Menschen vermisst werden. Katastrophenfilm-Gucker werden jetzt die Bilder von Menschen vor Augen haben, die in stählernen Schiffswracks eingeschlossen sind. Dass so ein Film Wahrheit wird, ist eine traurige Katastrophe.

Hilfe für Robin Hood

Die Kämpfe in der Ostukraine sind unübersichtlich. Die einen sagen, es liefen Truppen zu Russland über, die anderen sagen, sie würden von den Russen entführt. Um genau im Bild zu sein, verlegt die Nato Flugzeuge, Hubschrauber und Soldaten an ihre östlichen Grenzen. Und während das die Nachrichten aus der Weltgeschichte sind, nimmt der Hotelier des Vier-Sterne-Hauses Brioni Boutique im Zentrum der Industriestadt Ostrau in Tschechien keine russischen Gäste mehr auf. Grund sei die Annexion der Krim durch Moskau, teilt er auf seiner Internetseite mit. Er entschuldigt sich bei allen „anständigen Bürgern“ der Russischen Föderation. „Vielleicht erreiche ich damit nichts, aber ich habe zumindest meine Meinung gesagt“, sagt er und ist auch bereit, dafür deutliche Umsatzeinbußen in Kauf zu nehmen. Der private Sanktionär gefällt sich als Robin Hood. Es würde ihm helfen, wenn sie noch schnell ihren Osterurlaub bei ihm buchten.

Das Erbe des Skatbruders

Das Land Thüringen hat das Kartenspiel Skat für die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen. Skat habe sich in den zurückliegenden 200 Jahren zum „Spiel der Deutschen“ entwickelt, begründet Kulturminister Christoph Matschie den Vorschlag. Es ist ein weiter Bogen, vom stellvertretenden Ministerpräsidenten, der Matschie auch ist, zum Skatbruder. Allzu viele Trümpfe scheint der Politiker nicht mehr in der Hand zu haben.

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Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: VoRWEggehen ist teuer"

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  • Zumindest reicht das Geld bei RWE ja noch für diese warme "Vorweg"-Reklame.

  • Ich empfinde es so erbärmlich, wie die Menschen in Europa, insbesondere in der Ukraine in Geiselhaft von machtsüchtigen, unverantwortlichen Geostrategen - wie ich meine aus den USA - genommen sind.

    Was war vor der Maidan-Eskalation?
    * die Freihandelszone kam immer kritischer in die Medien * der NSA-Skandal wurde EU-weit immer weiter hochgekocht * Putin war der heldige Kriegsverhinderer durch seine Standhaftigkeit in Syrien, Obama der Wortbrecher
    --> die 'öffentlichkeitsarbeit' lief bis dato ziemlich schlecht für die USA

    Und was haben wir heute? Dank eines von bezahlten Demonstranten herbeigeputschten EU-Assoziierungsabkommens in der Ukraine, welches für jeden Putin-Profiler eine ganz klar absehbare und somit KALKULIERTE Eskalationskette nach sich zieht? Was im vergleichbaren Umkehrfall soviel bedeuten würde wie den Austritt Österreichs aus der EU und Integration in den russischen Wirtschaftsraum?

    Die Amis haben heute Grund zur Freude, denn:
    * Russland ist medial als der Aggressor verunglimpft
    * das Bündnis, welches zuvor die Amis hinterfragen wollten, sind nun wieder "geeint in der Stunde der bösen Bedrohung"
    * das Freihandelsabkommen kann unbelästigt weiter gewürgt werden
    * NSA ist medial nicht mehr so wichtig
    * Obama darf wieder die Welt retten
    * die absehbare militärische Eskalation, die heute natürlich "keiner will" aber eine logische Folgerung nach sich zieht, bringt Beschäftigungstherapie für übermorgen.

    Und das richtig üble daran: Deutschland zahlt die Haupt-Zeche, weil unsere exzellenten Ost-Kontakte auf dem Sanktionen-Altar geopfert werden dürfen - Dank Weisung aus Amiland.

    Wo bleibt die FREIE Presse, die hier dieser unverantwortlichen Konfliktreiberei entgegentritt? Dieser für uns so unterwürfigen Vasallentreue der Kanzlerin?

  • Glimmers of spring.

    The sound of
    the springtime
    near a path full
    of desires, the
    matin serenity,
    a delicate sadness
    where the sunshine
    outshines with
    an inner recall.

    Francesco Sinibaldi

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