Was vom Tage bleibt
Währung ohne Vertrauen

Der Bitcoin schwankte erst wie ein Seemann, jetzt fällt er lang hin. Griechenland ist noch mehr pleite als gedacht. Apple veräppelt Mac-Nutzer. Und der RWE-Vorstand verzichtet auf ein bisschen Geld. Der Tagesbericht.
  • 6

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Schwanken wie ein Seemann

Was ist die Grundlage jeder Währung? Vertrauen. Nur wenn ich glauben kann, dass ich für mein Geld auch etwas bekomme, ist dieses Geld etwas wert. Die virtuelle Währung Bitcoin besitzt dieses Vertrauen nicht. Deswegen ist sie auch nichts wert. Langsam sickert durch, dass die künstliche Währung, die am Rechner erzeugt wird, nichts von dem hält, was sie verspricht. Sie sollte ein Zahlungsmittel werden, das unabhängig von den Notenbanken funktioniert. Eines, das nicht von der Entscheidung eines Zentralbanker-Gremiums abhängig ist, das die Geldpresse mal anwirft oder mal stoppt. Ein Zahlungsmittel, das nicht an politischer Einflussnahme leidet nach dem Motto: Meine Konjunktur läuft schlecht, also bitte halte die Zinsen niedrig. Bitcoin sollte auch ein Zahlungsmittel sein, das in den Ländern weiterhilft, in denen kein Bankensystem etabliert ist. All das ist schön und gut, doch all das hilft nichts, wenn Bitcoin nicht hält, was es verspricht. Eine Währung sollte einen möglichst konstanten Wert haben - der Bitcoin-Kurs schwankte in den vergangenen Monaten wie ein betrunkener Seemann. Bitcoin sollte sicher sein – inzwischen schließen die Betreiber nicht mehr aus, dass die Währung gehackt wurde, was nach herkömmlichen Sprachgebrauch dazu geführt haben dürfte, dass massenhaft „falsche Fuffziger“ unterwegs sind. Möglicherweise ist seit heute auch die wichtigste Handelsplattform für Bitcoin, Mt Gox in Japan, pleite – ein Vorgang, der im richtigen Leben der Insolvenz einer Notenbank entspräche. All das spricht nicht für Bitcoin, sondern es sind eindeutige Hinweise: Die Zeit ist noch nicht reif für eine virtuelle Währung.

Die Schwarzseher

Die AfD wird heute Beifall geklatscht haben: Die Forscher vom Freiburger Centrum für europäische Politik haben nämlich eine Studie veröffentlicht, die Wasser auf die Mühlen der Euro-Skeptiker sein dürfte. Sie haben die Kreditfähigkeit der Euro-Staaten analysiert und kommen zu ernüchternden Ergebnissen. Besonders bitter ist das Urteil zu Griechenland: „Trotz aller gegenteiligen Behauptungen der griechischen Regierung: Griechenland bleibt das Sorgenkind der Euro-Zone“, schreiben sie. „Die Wiedererlangung der griechischen Kreditfähigkeit ist nicht absehbar.“ Wenn es einen Preis für Schwarzsehen gäbe, hätten die Freiburger ihn verdient. Ob die Politik die Schwarzseher noch unterstützen soll, muss sie selbst wissen.

Apple-Nutzer stürmen Sparkassen

Reaktionsschnell ist Apple wahrlich nicht. Da wurde vergangene Woche bekannt, dass die Betriebssysteme des US-Konzerns eine Sicherheitslücke aufweisen. Zwar stellte Apple mittlerweile Updates für seine Mobilgeräte bereit, die den Fehler beheben sollen. Aber alle Nutzer von Mac-Notebooks müssen weiterhin befürchten, dass etwa ihre Mail- oder Kontodaten von Hackern ausgespäht werden. Obwohl der coole Konzern aus dem Silicon Valley versprach „sehr schnell“ ein Update für Macs bereitzustellen, ist noch völlig unklar, wann der Bug tatsächlich behoben wird. Dabei ist das Sicherheitsloch so groß wie ein Haifischmaul: Vermeintlich sichere SSL-Verbindungen, mit denen Banken, Onlineshops oder E-Mail-Anbieter die Daten ihrer Kunden verschlüsseln, sind aufgrund des Fehlers für Dritte einsehbar. Besonders leichte Beute für Datendiebe sind Mac-Nutzer, die über offene Wlan-Hotspots in Cafés oder Hotels im Internet surfen. Also hilft nur: Selbst ins Geschäft, selbst auf die Bank gehen. Liebe Sparkassen, wenn Eure Filialen mit einem Mal voller Kunden sind, freut Euch und bedankt Euch bei Apple.

Energiewende im Portemonnaie

Vier Vorstandsmitglieder vom Energieversorger RWE verzichten für das Jahr 2014 auf gesamt 500.000 Euro an Prämien. Die Summe hört sich viel an, verglichen mit dem gesamten Vorstandsgehalt aus dem Jahr 2012 ist der Verzicht jedoch überschaubar – RWE zahlte dem damals noch siebenköpfigen Management insgesamt 15 Millionen Euro. Dennoch gilt: Die Energiewende ist auch im Portemonnaie der Vorstände angekommen.

Die Würze ist weg

Brühwürfel und Suppenwürze - so etwas macht Zamek. Richtig gelohnt hat sich das Geschäft länger nicht mehr. Jetzt muss der Düsseldorfer Lebensmittelhersteller wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden und Anleihegläubiger müssen bangen, ob sie ihre Einlagen zurück bekommen. Die Möglichkeit für Mittelständler, Anleihen zu emittieren und an der Börse zu platzieren, gibt es erst seit 2010. Seither sind mehr als ein Dutzend Ausfälle zu beklagen. Offenbar gilt auch bei diesem Segment wie stets im Leben: Ein innovatives Geschäftsmodell schlägt eine innovative Finanzierung.

Einen innovativen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Währung ohne Vertrauen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sehr geehrter Herr Stock,

    diese zum Thema Bitcoin schlecht recherchierte Kolumne ist ein schönes Beispiel dafür wie ein Chefredakteur sachliche Fehlinformationen und eine realitätsfremde Wiedergabe von Fakten veröffentlicht - und sich dabei wohl noch gut fühlt.

    Sicherlich würden > 50% der Bundesbürger sehr leicht verstehen, dass die Frankfurter Börse (analog zu MtGox) nichts von einer Notenbank hat.

    Und das Vertrauen in eine Währung, mein lieber Herr Stock, das drückt sich in dem Wert dieser Währung aus: Momentan liegt der Wert eines Bitcoin bei ca. 450 Euro.

  • Herr Stock, was sie hier zum Thema Bitcoin verbreiten ist eine grobe Fehlinformation.

    >Bitcoin sollte sicher sein – inzwischen schließen die Betreiber nicht mehr aus, dass die Währung gehackt wurde,

    Es gibt bei Bitcoins nicht "die Betreiber" und die Währung wurde auch nicht gehackt. Gehackt wurde (eventuell) eine der vier größten Börsen.

    > was nach herkömmlichen Sprachgebrauch dazu geführt haben dürfte, dass massenhaft „falsche Fuffziger“ unterwegs sind.

    Absolut falsch. Es wurde kein Falschgeld ins Bitcoin System gebracht. Es wurde (angeblich) der Börse vorgegaukelt, dass Auszahlung (die tatsäclich ausgeführt wurden) nicht ausgeführt wurden. Dadurch hat die Börse durhc eine Schwachstelle in ihrer selbst programmierten Software Auszahlungen doppelt vorgenommen. Mit "falschen Fuffzigern" hat das nichts zu tun.


    > Möglicherweise ist seit heute auch die wichtigste Handelsplattform für Bitcoin, Mt Gox in Japan, pleite

    Falsch, Mt Gox ist schon seit Monaten nicht mehr die wichtigste Börse. Der Niedergang zeichnet sich schon mindestens seit einem Jahr ab.

    > ein Vorgang, der im richtigen Leben der Insolvenz einer Notenbank entspräche.

    Falsch, es entspricht dem Niedergang einer Bank. Eine Notenbank gibt es im Bitcoin System nicht.

    Dieser Artikel ist ziemlich peinlich und zeugt von wenig Verständnis und einer mehr als oberflächlichen Recherche.

  • Ja die Zeit der Scharlatane stirbt nie aus.Die Bitcoinblase ist geplatzt.Das Geld ist nicht weg,es hat nur ein Anderer!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%