Was vom Tage bleibt
Wäre Berlin eine AG, würde ich kaufen

Wowereit geht und eine Stadt atmet auf. Was ist Putins Händedruck wert? In Wien fällt der Vorhang. Und: Richter urteilen über den Größenwahn eines Porsche-Fans. Was heute so passiert ist.
  • 3

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Berlin im Glück

Wäre Berlin ein Unternehmen, seine Bürger die Aktionäre und Klaus Wowereit der Chef des Ladens – dann hätte die Berlin-Aktie heute einen Luftsprung gemacht. An der Börse geht das immer so, wenn ein Chef eher als Belastung denn als Zugpferd wahrgenommen wird. Wowereit ist nach 13 Jahren als regierender Oberbürgermeister zur Belastung für Berlin geworden. Der Mann hatte drei Probleme:  Als jahrelanger Aufsichtsrat hat er das Flughafen-Desaster nicht verhindert. In seiner Partei zählt Wowereit, der ewig junge, zu den Stars von gestern. Sein drittes Problem ist die Stadt, die er regiert. „Arm, aber sexy“, wie der Bürgermeister sie beschrieb, reicht in Wahrheit keinem Berliner. Ihre Stadt, so stellten sie fest, funktioniert nicht wegen Wowereit, sondern trotz Wowereit. Er gehe nun im Dezember, kündigt der regierende Bürgermeister an. Wenn das so genau ist, wie die Terminsache Flughafen, dürfte er allerdings circa den Dezember 2023 meinen.

Hand gedrückt

In Minsk haben sich Wladimir Putin aus Russland und Petro Poroschenko aus der Ukraine getroffen und die Hände gereicht. Reden ist besser als schießen und sich die Hände reichen besser, als die Fäuste ballen. Vom Händedruck zu einem aufrichtigen Wort dürfte der Weg aber in etwa so weit sein wie der von nicht erklärten Krieg zum Waffenstillstand in der Ukraine.

Die Achse Paris-Wien

Ein Rücktritt reicht nicht. Gestern in Frankreich, heute in Wien: Dort taumelt Österreichs Regierung, weil der konservative Vizekanzler und Finanzminister Michael Spindelegger von allen Ämtern zurücktritt und die große Koalition damit in eine Sinnkrise stürzt. Die Parallelen: In beiden Ländern haben die Regierenden den Draht zur Wirtschaft verloren und stellen mit einem Mal fest, wie allein sie sind. Und sowohl in Paris wie in Wien warten lachende Politik-Barbaren von Rechtsaußen auf ihre Chance. Ansonsten gibt es keine Ähnlichkeit: Operette ist eben nicht comédie-francaise.

20 000 Euro ohne Grund bezahlt

Der Strafprozess gegen die frühere Führungsriege der BayernLB ist für vier der sechs Angeklagten vorbei – darunter auch für den heutigen Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Michael Kemmer. Der Vorwurf der Untreue beim Kauf der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria habe sich bei den vier Vorständen nicht bestätigt, sagte der Richter. Kemmer zahlt 20.000 Euro und ist raus aus der Sache. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, sagte er. Würden Sie 20 000 Euro zahlen, wenn Sie sich nichts vorzuwerfen haben?

Wie strafbar ist Größenwahn?

Das Stuttgarter Oberlandesgericht will, dass dem ehemaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wegen des Verdachts der Marktmanipulation beim Übernahmeversuch von VW der Prozess gemacht wird. Die Staatsanwaltschaft hatte Beschwerde gegen die Entscheidung des Landgerichts eingelegt, kein Hauptverfahren zu eröffnen. Die obersten Richter gaben jetzt der Anklagebehörde Recht. Die Richter werden entscheiden müssen, ob Größenwahn strafbar ist.

Einen bescheidenen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wäre Berlin eine AG, würde ich kaufen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Berlin hat sich seit der Luftbrücke daran gewöhnt von Subventionen zu leben. Im Westen wie im Osten. Berlin lebt von Subventionen und das ist gut so. Wirtschaftliche Entwicklung hat immer etwas mit Mentalität zu tun.

    Der Münchner Flughafen wurde gebaut und fristgerecht innerhalb einer Nacht von Riem nach Muc verlegt. Hätte sich das Berliner Drama in Bayern ereignet wäre das das Ende der CSU als dokinante Partei gewesen. Und ein Tiefschlag für das bayerische Selbstverständnis.

    In Berlin kann man selbst als "verantwortlicher" gut gelaunt und feixend erklären, dass es nochmals unnestimmte Zeit länger dauern wird und unbestimmte Miliarden mehr kosten wird. Man weis dort ja auch dass der Bund und die Länder das bezahlen und nicht Berlin selbst.

    Wie schon gesagt wurde: für einen Euro kaufen, filletieren und den Rest an den Bund geben. Berlin hat trotz alles Subventionen und Investitionen wirtschaftlich keine Zukunft.

  • "Wäre Berlin eine AG, würde ich kaufen."
    Wie Karstadt, filetieren und der Rest geht an den Bund.

  • "Wäre Berlin eine AG, würde ich kaufen"
    ________________________________

    Wäre der Preis OK?
    Die Rendite gar?

    Nochmal drüber übers QM?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%