Was vom Tage bleibt
Warum Athen keine Reparationen zustehen

Der griechischen Regierung sind Verträge egal. Die BBC schasst unseren Lieblingsmoderator. Und bei Thyssen-Krupp pfeifen einige aufs Erbgut. Das sollten Sie heute gelesen haben.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Das sagen die Juristen

Der griechische Ministerpräsident Tsipras stellt Reparationsforderungen aus dem Zweiten Weltkrieg an Deutschland und will vielleicht deutsches Eigentum in Griechenland pfänden. Da könnte man an die Decke gehen. Doch heben wir uns das für später auf. Einstweilen genügt der formale Hinweis: 1953 verschob das Londoner Schuldenabkommen die Regelung der deutschen Reparationen in Europa auf die Zeit nach Abschluss eines förmlichen Friedensvertrages. Athen erhielt dann im Rahmen eines Vertrages mit der Bundesrepublik von 1960 Reparationen in Höhe von 115 Millionen Mark. Das Londoner Moratorium wurde 1990 durch den „Zwei-plus-Vier-Vertrag“ zur Wiedervereinigung gegenstandslos. Die Staaten der damaligen Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) – darunter Griechenland – stimmten dem zu. In Athen wird jetzt argumentiert, dass die Unterzeichner den Vertrag nur „zur Kenntnis“ genommen haben und die Entschädigungsfrage noch nicht geklärt sei. Wir nehmen zur Kenntnis: Die Verzweiflung in Athen muss groß sein.

Clarkson come back

Die BBC hat den scharfzüngigen „Top Gear“-Moderator Jeremy Clarkson vom Dienst freigestellt, weil er einem Produzenten eine geknallt haben soll. Das geht natürlich nicht. Ihn einfach so vom Bildschirm zu nehmen, meine ich. 350.000 Fans haben online schon für seine Rückkehr votiert. Auch solche aus Deutschland. Sie lieben Clarksons unkorrekte Sprüche. Falls das nichts nutzt, haben wir heute seine miesesten Meinungsäußerungen schriftlich festgehalten. Etwa diese: „Ich verstehe nicht den Sinn von Busspuren. Wieso müssen ärmere Leute schneller zum Ziel kommen als ich?“

Wie der BDI den TTIP-Gegnern hilft

Der Bundesverband der deutschen Industrie hat seine Darstellung der Wachstumswirkungen des geplanten Freihandelsabkommens mit den USA (TTIP) auf seiner Website verbessert. Dort wurden jährliche Wachstumssteigerungen in Höhe von 100 Milliarden Euro suggeriert. In der Studie, auf die sich der BDI beruft, wird dieser Boom allerdings nicht für ein Jahr, sondern für den Verlauf von knapp zehn Jahren vorhergesagt. Die alte Version der Website wird jetzt so häufig im Netz verbreitet, wie es die neue niemals schaffen wird. Allerdings ausschließlich unter den TTIP-Gegnern.

Gefährdetes Erbgut

Der Nachlass von Thyssen-Krupp-Ikone Berthold Beitz steht zum Verkauf. Um seine ehemalige Villa in Essen streiten Stadt und Investoren. Der Wohnsitz der Industrielegende könnte sogar abgerissen werden, obwohl Architekt Ferdinand Streb Anfang der fünfziger Jahre einen modernen Bungalow für seinen Freund Beitz entworfen hatte, der die Architektenszene damals sehr erfreute. Dummerweise befindet sich das Anwesen auf bestem Bauland mit Blick auf den angrenzenden Baldeneysee. Immobilienentwickler stehen Schlange. Sie könnten sich Größeres als die jetzige Villa Beitz auf dem Gelände vorstellen. Und weil bei Thyssen-Krupp die Vergangenheit manchmal als Belastung empfunden wird, rückt die Abrissbirne dem Erbgut täglich näher.

Einen der Zukunft zugewandten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Warum Athen keine Reparationen zustehen"

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  • Herr Stock,
    Aus dem zwei plus vier Vertrag kann ich Ihre Aussage nicht ableiten.

    Würden Sie bitte dazu den passenden Auszug vorlegen. Danke

    Nach meinem Wissen bestehen unzählige Verträge, die nicht alle das selbe
    aussagen, dass D von den Reparationszahlungen befreit ist.

  • Bezahlt die Anleihe zurück

    ...und dann schmeist die Griechen aus dem Euro raus!!!

  • Nun die Rechtslage scheint doch klar; Mit der Wiederveinigung ist das geschlossene Moratorium hinfällig. Das bedeutet es gibt keinen Anspruch. Letztendlich kann man das juristisch klären. Man will deutsche Immobilien pfänden? Kann man machen, wenn es die Rechtslage hergibt. Wir sollten vielleicht cooler auf solche Aussagen reagieren. Wenn das Verscherbeln des Goetheinstuts den Griechen das geld bringen, was dieser Staat brauch, dann sollten sie es verscherbeln. Aber letztendlich zählen Verträge! Die Griechen wollen Kredit und keinen Payback. "Wanderer kommst Du nach Sparta, sag Du hast uns hier liegen gesehen, so wie es das Gesetz gefordert hat!".

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