Was vom Tage bleibt
Warum die Allianz Diekmann wirklich ziehen lässt

Fröhlicher Abgang oder Marschbefehl in die Wüste? Der Allianz-Chef geht von Bord. Draghi gerät in einen Kaufrausch – wer kann ihn stoppen? Und: Kann die Türkei die IS stoppen? Lesen Sie die Antworten im Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Beschleunigter Abgang

Stellen wir uns vor, die Deutsche Bank hätte einen Vorstandschef, dessen Vertrag in drei Monaten ausläuft, und sie hätte erst heute einen neuen Chef aus dem Hut gezaubert. Was? Das können Sie sich nicht vorstellen? Ich auch nicht. Bei einem noch größeren Finanzkonzern, der Allianz, ist es dennoch genauso gelaufen. Michael Diekmann geht, Oliver Bäte, intern gern „Mister Effizienz“ genannt, kommt. Es gab keine monatelangen Spekulationen, keine gelähmten Vorstände und nur ein kurzes Rennen um den ersten Platz, das Bäte gewonnen und sein Konkurrent, Allianz-Deutschland-Chef Markus Rieß verloren hat. So etwas nenne ich saubere Kommunikation. Ob sie stimmt, steht auf einem anderen Blatt. Musste Diekmann vielleicht gehen? Die Antwort lautet: Nein, aber es ist besser so. Elf Jahre hat er den Konzern durch dick und dünn geführt. Er verlässt seinen Posten jetzt, wo es mal wieder dünner wird. Der größte Gewinnbringer der Allianz, der Vermögensverwalter Pimco, strauchelt. Diekmann hat hier lange zugeschaut, möglicherweise zu lange. Das trübt nicht seine Gesamtbilanz, aber es hat seinen Abgang beschleunigt.

Draghi investiert in Ramsch

Draghi lädt nach. Der EZB-Anführer will erstmals Geld in umstrittene Kreditverbriefungen fließen lassen. Solche Verbriefungen haben einen miserablen Ruf, weil sie wacklige Kredite sicherer erscheinen lassen, als sie sind. Unter den Papieren, die die Notenbank aufkaufen will, sollen auch Vermögenswerte aus Griechenland und Zypern sein, die bei Profis den netten Namen „Ramsch“ tragen. Der Ramschtisch war im Kaufhaus der, von dem meine Mutter, eine ansonsten durchaus kostenbewusste Dame, mich stets wegzog. „Taugt nichts“, sagte sie. Draghi hofft aufs Gegenteil. Vielleicht sollte er mal mit meiner Mutter um die Häuser ziehen.

Demokratie-Virus

Der Bürgermeister von Hongkong, Leung Chun Ying, spricht mit den Demonstranten. Zwar nicht selber, aber immerhin mit Hilfe seiner Verwaltungschefin Carrie Lam, die er zur Verhandlungspartnerin der Studenten auf der Straße auserkoren hat. Den Rücktritt vom Amt schließt Leung aus. Die Demonstranten sollten sich mit dem puren Gesprächsangebot nicht zufrieden geben. China hat sich das Demokratie-Virus eingefangen. Es ist das einzige, von dem wir hoffen, das es sein Opfer bezwingt.

Dies ist keine Übung

„Vertraut darauf, nur ein Wort von Euch und das türkische Militär wird sofort an Eurer Seite sein“, hat heute der türkische General Necat Özel an seine Soldaten geschrieben, die in Syrien stationiert sind. Das Parlament billigte heute Abend den Einsatz. Özel sieht die IS vor sich und fühlt die Nato im Rücken. Für das Bündnis heißt es damit: „Achtung, dies ist keine Übung!“

Streik im Zug

„Wegen eines Streiks hat der ICE von Düsseldorf nach Berlin eine Verspätung von voraussichtlich 60 Minuten.“ So werde ich es vielleicht bald auf den Anzeigetafeln am Bahnhof lesen können. Zugegeben: Das ist unangenehmer als „Umgekehrte Wagenreihung“. Aber im Vergleich zu „Ausgefallenen Toiletten“ ist es an sich gar nicht so schlimm.

Ein sauberes langes Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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