Was vom Tage bleibt
Warum die Deutsche Bank einen Hasen bräuchte

Die Deutsche Bank hat wieder einmal eine Razzia über sich ergehen lassen. Die Bilderberger tagen ziemlich öffentlich. Tsipras ärgert Schäuble. Was heute geschah, lesen Sie hier.
  • 2

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Ihr Name sei Hase

Wäre Jürgen Fitschen heute in Frankfurt gewesen, hätte er Grund gehabt, wieder Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier anzurufen und sich darüber zu beschweren, dass ausgerechnet in seinem Haus eine Razzia stattfindet. Denn die gab es heute mal wieder in den Zwillingstürmen der Deutschen Bank. Doch der noch amtierende Co-CEO Fitschen saß derweilen auf der Anklagbank in einem Strafprozess in München, wo ihm Prozessbetrug vorgeworfen wird. Er konnte deswegen nicht wie bei der letzten Razzia so einfach mal telefonieren. Außerdem ging es bei der Durchsuchung nur darum, „Beweismittel im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Kunden in Bezug auf bestimmte Wertpapiertransaktionen sicherzustellen“, sagte ein Konzernsprecher und fügte hinzu: „Es sind keine Mitarbeiter der Bank beschuldigt.“ Vielleicht sollte sich die Bank einen Hasen im Logo gönnen. „Meine Name ist Hase. Ich weiß von nichts“, wäre jedenfalls ein feines Motto.

Milliarden für die Rüstung

Ursula von der Leyen will das Flugabwehrsystem Meads kaufen und neue Kampfschiffe anschaffen, was nach erster Schätzung acht Milliarden Euro kostet. Jetzt kann man das als teuer und Verschwendung von Steuermilliarden kritisieren, wie es die Opposition gerade macht. Allerdings sollten besser die schweigen, die seit Monaten darüber klagen, dass bei der Bundeswehr die Hubschrauber nicht starten, die Gewehre um die Ecke schießen und die Transportflugzeuge erst gar nicht geliefert werden.

Blödes Athen

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will sich bei der Lösung der Griechenland-Krise nicht vorführen lassen und hält nichts von gegenseitigen Schuldzuweisungen. Premier Alexis Tsipras habe schon im griechischen Wahlkampf versucht, ein „blame game“ – ein Schuldzuweisungs-Spiel – mit Deutschland zu spielen. „Wir wären schön blöd, wenn wir uns darauf einlassen würden“, sagt Schäuble, nachdem Tsipras gesagt hatte, wer Athen nicht helfe, riskiere die Zukunft des Euro. Blöd ist allerdings auch, dass Tsipras' Warnung inhaltlich richtig ist.

Quelles letzte Enttäuschung

Auf langen Fließbändern rollte jahrzehntelang ein Päckchen nach dem anderen in die Lastwagen: Im Logistikzentrum von Quelle in Nürnberg ging es einst zu wie im Bienenstock. Doch auf den Tag genau vor sechs Jahren war es vorbei mit der Betriebsamkeit auf dem Areal, auf dem Deutschlands zweitgrößte Immobilie steht. Die größte ist ein Nazi-Ferienheim auf Rügen. Mit dem Insolvenzantrag der Muttergesellschaft Arcandor war das Ende von Quelle besiegelt, heute wurde das dazugehörige Grundstück versteigert. Das Ergebnis ist die letzte Enttäuschung, die uns Quelle noch bereiten konnte. Der Käufer, der der einzige Bieter war, zahlte nur die Hälfte des Preises, den die Versteigerer als untersten Preis eigentlich akzeptieren wollten.

Das Geheimnis der Bilderberger

Klammheimlich treffen sich morgen die Bilderberger. Sie sind die echten Mächtigen, die Mondlandungen, Atomkriege, Währungszusammenbrüche und Tsunamis hervorrufen können. Es sind Menschen aus Politik und Wirtschaft, die wie Superman ein bürgerliches Leben führen, aber wenn sie einmal im Jahr zur Bilderbergkonferenz kommen, ihre wahren Fähigkeiten auspacken. Die Bilderberg-Konferenz im österreichischen Telfs um die Ecke von Elmau, das ist in etwa so, als wenn sich Gralsritter, Freimaurer und Illuminaten in Bielefeld treffen. Top secret ist, dass oft die dort sind, die beim G7-Gipfel nicht eingeladen waren. Aber bitte: Darüber schweigen wir.

Einen stillen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Warum die Deutsche Bank einen Hasen bräuchte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Na ja , dass Frau von der Layen diesesJahr eine Einladung der Bilderberger bekommen hat, weist zwar nicht darauf hin, sie sei in der Lage einen Tsunami zu entfesseln ist aber wohl doch ein Fingerzeig in die Richtung, die Verteidigungsministerin als Nachfolger von Frau Merkel aufzubauen.

    Jeder der einmal Kanzler wurde, durfte auch im Vorfeld den Bilderbergern seine Aufwartung machen.

  • Mit Verlaub: DB ist der Hase, zu den ihm sein Board erklärtermassen verholfen hatte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%