Was vom Tage bleibt
Warum die Fehler immer beim Rückzug passieren

Obama bombardiert sein eigenes Versprechen. Wer versteht eigentlich noch seine Altersvorsorge? Wo Erdogan Putin gleicht und: In Warstein sitzt eine wahre Mittelständlerin. Was zum Wochenende wichtig ist.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Im Irak fallen die Bomben

Im Irak fallen wieder amerikanische Bomben vom Himmel. Nach allem, was uns Journalisten in Deutschland als Quelle zugänglich ist, fallen sie für eine gerechte Sache, nämlich für den Kampf gegen religiöse Extremisten, die auf ihrem Vormarsch in den vergangenen Monaten gezeigt haben, dass sie keine Gnade kennen. Aber was wissen wir schon? So treffgenau wie die Lenkwaffen der US-Piloten ist allenfalls folgende Feststellung: Mit der Entscheidung zum Angriff macht Obama das Gegenteil von dem, was er versprach und an sich schon umgesetzt hatte: den langen und unpopulären Irak-Krieg zu beenden, in dem fast 4500 amerikanische Soldaten gefallen sind. Militärische Rückzüge sind in einer wackligen Sicherheitslage offenbar in etwa so schwierig wie eine Münze in die Luft zu werfen und sie auf dem Rand landen zu lassen. Wissen das eigentlich die kalten Krieger links und rechts der Ukraine?

Auf die Altersvorsorge ist kein Verlass

Das Bundesfinanzministerium hat sich auf falsche Zahlen bei der Riester-Rente verlassen. Der Grund ist eine fehlerhafte Kalkulation zur Rendite bei der staatlich geförderten Rentenversicherung. Nach Prüfung von Handelsblatt Online stellte sich heraus, dass die tatsächlichen jährlichen Erträge des Altersvorsorgeprodukts nach Kosten deutlich unter den 3,6 Prozent und mehr liegen, die im Dokument offiziell genannt werden. Sparer erhalten dadurch Tausende Euro weniger, als sie nach den offiziellen Zahlen erwarten sollten. Das Finanzministerium und sein Chef können für den Fehler nicht wirklich etwas. Wofür sie allerdings etwas können, ist, dass seit Jahren staatlich angepriesene Altersvorsorgeprodukte auf dem Markt sind, die so kompliziert sind, dass Experten nachrechnen müssen, ob sie funktionieren. Und sich dabei auch noch verrechnen. Wer um Himmels willen soll diesen Produkten denn trauen?

Russisch-türkische Brüder

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat Chancen bei der Wahl in seinem Land an diesem Wochenende Staatsoberhaupt zu werden. Der Mann ist ein Bruder Putins im Geiste. Mit ihm gemeinsam hat er das Methusalem-Gen: Beide wollen nicht nur lange leben, sondern auch ein Leben lang regieren. Und wenn es in dem einen Amt eben nicht geht, dann im anderen. Beide werden für ihren Machtanspruch im eigenen Volk geachtet und geächtet und beide verunsichern sie damit den Rest der Welt. Der Unterschied: Erdogan hat in Deutschland noch keinen Exkanzler zum Freund. Hier wäre also noch ein Betätigungsfeld für ausrangierte Regierungsgrößen.

Durstiger Mittelstand

Jüngst waren wir bei Catharina Cramer, der jungen Chefin der Brauerei in Warstein zu Gast. Die Frau ist pragmatisch, wenn sie zu einem Kartellverfahren sagt: „Der Drops ist gelutscht.“ Sie ist angriffslustig, wenn sie das Geld für Zukäufe in ihrer Kriegskasse zählt. Sie ist durstig, wenn sie beim Interview mehrmals das – alkoholfreie – Bier nachgießt. Und sie ist quicklebendiger deutscher Mittelstand mit Familientradition: Der einjährige Nachwuchs krabbelt durch ihr Chefzimmer in Warstein-City.

Die Kollegenwette

Meine Kollegen Jörg Hackhausen und Jan Mallien haben vor genau einem Jahr gewettet, wie es mit dem Euro weitergeht. Abwärts oder aufwärts. Heute haben sie ausdiskutiert, wer gewonnen hat. Kostprobe: Hackhausen sagt: „Ich gebe zu - am Ende war es knapp. Aber gute Experten zeichnen sich eben dadurch aus, dass sie eine Punktlandung hinlegen.“ Mallien antwortet: „Ja, ja, Glückwusch. Aber wenn Mario Draghi nicht auf diese Schnapsidee mit den negativen Einlagenzinsen gekommen wäre...“ Lesen Sie unser vergnügliches Streitgespräch.

Ein möglichst unkriegerisches Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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