Was vom Tage bleibt: Warum die Geldflut keine Heilung bringt

Was vom Tage bleibt
Warum die Geldflut keine Heilung bringt

Ab Montag ist genug Geld für alle da – doch Zweifel sind angebracht. Die Koalition schafft ein neues Bürokratiemonster. Und: Regen lässt Spekulanten schäumen. Was sie vom heutigen Tag wissen sollten.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die große Flut

Montag startet Mario Draghi das Billionen Euro schwere Anleihe-Kaufprogramm. Mit der ganz großen Geldflut will er der Konjunktur auf die Sprünge helfen. Ich glaube nicht an diese Medizin. Der Euroraum leidet darunter, dass einzelne Länder mehr ausgeben als sie verdienen. Das Medikament, das Draghi dagegen verabreicht hat, heißt: Wir erleichtern euch das Schuldenmachen. Das ist so, als würde ein Alkoholiker zum Freibier eingeladen. Es ist so, als würde ein Junkie mit kostenlosem Stoff versorgt, damit er für die nächste Spritze nicht mehr klauen gehen muss.

Was die Mietpreisbremse garantiert bewirkt

Der Bundestag hat die Mietpreisbremse beschlossen. Sie soll Mieter in Großstädten vor Preissprüngen beim Wohnungswechsel schützen. Um es allen recht zu machen, hat der Justizminister zahlreiche Ausnahmen eingebaut. Die Gebiete mit Bremse müssen vorher ausgewiesen werden. Neubauten sind ausgenommen. Liebe Abgeordnete: Sie haben uns versprochen, dass für jedes neue Gesetz ein altes verschwindet. Bürokratieabbau haben Sie das getauft. Wir wissen jetzt nicht, ob die Mietpreisbremse die Mietpreise bremst. Was wir aber wissen, ist, dass sie die Bürokratie mit Sicherheit in Fahrt bringt.

Manöverkritik

Als Reaktion auf die Krise in der Ukraine haben sowohl Russland als auch die Nato Großmanöver in der Region gestartet. Die einen auf der Krim, die anderen direkt im Schwarzen Meer. Ginge es hier nicht um Krieg oder Frieden, ließe sich von Balzgehabe sprechen.

Die Sache mit der Glaubwürdigkeit

Das Wirtschaftsministerium in Bern ist eigentlich ein Hort liberaler Denker. So wie die ganze Schweiz es sein möchte. Die abrupte Abkehr der Schweizer Nationalbank von der Eurobindung und der traurige Zustand der eidgenössischen Wirtschaft seither lässt aber auch den aufrechtesten Liberalen nicht kalt. Ein Papier aus dem Ministerium orakelt deswegen: „Allenfalls könnte auch ein neuer Mindestkurs erwogen werden. Dieser wäre allerdings nur dann durchführbar, wenn die Nationalbank entsprechend glaubwürdig wäre.“ Welche Glaubwürdigkeit aber hinter einer Bindung an den Euro, einer Scheidung vom Euro und einer wieder neuen Bindung stünde, können wahrscheinlich nur die ermessen, die sonst im Leben auch zweimal den gleichen Mann heiraten.

Gelobt sei der Regen

Seit es in Brasilien regnet, herrscht bei Hedgefonds dicke Luft. Zumindest bei denen, die auf steigende Kaffeepreise setzten, weil Brasilien wegen lange anhaltender Dürre als Hauptkaffeeproduzent mehr und mehr ausgefallen war. Ich bin kein großer Regenfan. Aber wenn Regen den Lebensmittelspekulanten die Laune verhagelt, kann ich dem einen oder anderen Schauer durchaus etwas abgewinnen.

Einen gutgelaunten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Warum die Geldflut keine Heilung bringt"

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  • stell dir vor es gibt geld in massen und keiner kann es bekommen
    weil er sie es nicht kreditwürdig sind

    bänker handeln wie ostische bauern
    lieber ein schnelles geschäft mit hohem risiko als ein ha voll arbeit
    das ist der skandal

  • Warum die Geldflut keine Heilung bringt

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    BIS 2023 kann man in Europa machen was man will...

    Europa wird keinerlei Aufwärtstrend erleben.


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