Was vom Tage bleibt
Warum die Steuern steigen

Die Tageskommentare: Zehn Länder einigen sich auf eine neue Steuer für Finanzgeschäfte. Deutsche wollen Immobilien kaufen, finden aber kaum noch welche. Apple erfindet wieder etwas neues. Und Neudenker sind gefragt.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Es gibt keine gute Steuer

Es soll eine neue Steuer geben, Finanztransaktionssteuer heißt sie und soll den Handel mit Anleihen, Aktien und spekulativen Finanzinstrumenten besteuern. Zehn EU-Länder - darunter Deutschland und Frankreich - haben sich darauf geeinigt. Die Steuer, so meinen die Steuereintreiber, soll die Finanzbranche an den Krisen-Kosten beteiligen und Milliarden einbringen. Uns wird also weis gemacht, dass es eine gute Steuer ist, weil sie nur die Bösen trifft. Tatsächlich trifft jede Steuer alle Steuerzahler. In diesem Fall direkt die Investoren und indirekt die Bankkunden, die von den Geldhäusern immer dann zur Kasse gebeten werden, wenn es darum geht, höhere Kosten auszugleichen. Deswegen ist jede neue Steuer schlecht. Diese auch.

Vier Wände für ein Hallelujah

Die Deutschen setzen auf ihre eigenen vier Wände. Fast jeder Zweite kauft sich Wohnung oder Haus, weil er es für die beste Form der Altersvorsorge hält, haben die Sparkassen herausgefunden. Keine brandneue Erkenntnis. Und nicht dumm. Dumm ist nur was jetzt passiert: Die Immobilienpreise steigen so sehr, dass die Investition ins eigene Haus mehr Vermögen auffrisst, als dass sie Sicherheit bringt. Manchmal ist es mit der Marktwirtschaft schon so ein Kreuz.

Staatsanleihe sei Dank

Die „Bad Bank“ der verstaatlichten Hypo Real Estate hat den Steuerzahler dieses Jahr bisher wenig belastet. Sie machte im ersten Halbjahr - nur - 50 Millionen Euro Verlust. Das liegt daran, dass bisher keine weiteren Abschreibungen auf Staatsanleihen fällig wurden. Davon profitiert nicht nur sie, sondern alle Banken und Versicherer werden deswegen besser dastehen als zuletzt. Unterm Strich führt diese Erleichterung dazu, dass Analysten vor der Quartalsbilanz der Dax-Konzerne entspannt aufatmen und feststellen: So schlimm wird es nicht.

Konto für Kult

Apple stellt heute Abend ein kleineres - und billigeres - iPad vor. Der Konzern braucht das, weil ihm die Konkurrenz von Samsung dicht auf den Fersen ist. Technisch haben die Koreaner sogar schon überholt, nur beim Kultstatus liegen sie abgeschlagen zurück. Vor allem auf dieses Konto wird Apple heute wieder einzahlen.

Sie sind eingeladen

Apple ist gut darin, Dinge neu denken. Das ist anstrengend, weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Aber ohne dass Johannes Gutenberg das Kopieren von Büchern neu gedacht hätte, würden wir heute immer noch abschreiben. Und ohne jene beiden Wissenschaftler, die 1968 zwei Computer verbunden und damit das Internet erfunden haben, hätten wir heute immer noch bloß bessere Schreibmaschinen. Deutschland gönnt sich einmal im Jahr ein Treffen der Neudenker: Die Falling Walls Conference in Berlin.  Am 9. November treffen sich Vordenker und präsentieren im 20-Minuten-Takt Nachdenkliches: Aaron Kaplan etwa, Gründer von Funkfeuer, zur Zensur im Internet. Stararchitekt Daniel Liebeskind zur Überwindung von Konventionen. Ich werde mir auf jeden Fall Hal Ronald Varian anhören. Der Chefökonom von Google hat ein Rezept gegen das Auf und Ab der Ökonomie, verspricht er. Wenn Sie auch kommen wollen, schicken Sie mir eine Mail an stock@handelsblatt.com mit dem Betreff „Falling Walls“. Unter den Einsendern verlosen wir vier Premium-Eintrittskarten inklusive Einladung zu Empfang und exklusivem Dinner im Wert von je rund 2.000 Euro.

Einen ideenreichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Warum die Steuern steigen"

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  • "Die Steuer soll auch auf den Handel mit Aktien, Anleihen, Finanz- und Rohstoffderivaten fällig werden. Befürworter argumentieren, dass ein minimaler Steuersatz zwischen 0,01 und 0,1 Prozent viele kurzfristige Spekulationsgeschäfte, die kleinste Kursschwankungen ausnutzen, unattraktiv macht....
    "
    Also der Ankauf von Mercedes Aktien im Werte von 10.000 Euro kostet dann zwischen 1€ und 10€ Steuer.

    Die Aufführung der Order berechnet die Bank derzeitig mit 10€ bis zu zu unglaublichen 40€!!! (Werte von Stiftung Warentest) , da kommen dann nochmal ca. 30 bis 70 Euro Depotgebühren pro Jahr hinzu.

    Also wir sollten doch mal die Kirche im Dorf lassen.

    der "kleine" Anleger wird wohl kaum über gebühr belastet. Wen es trifft sind die Jungs mit der schnellen "Rein/Raus Nummer". Die Zocker. Die Hochfrequenzhändler sterben dann einen schnellen Tod.

    Aber auf wessen Kosten betreiben die Hochfrequenzhändler ihr Geschäft?
    Auf Kosten des Kleinanlegers.
    Denn irgendjemand zahlt immer die Zeche.

    Die Frage ist eben wer die besseren Lobbyisten hat, wer die Politiker besser von SEINEN Argumenten überzeugen kann - wer besser schmieren kann. Denn das schmieren des politischen Getriebes ist ja in deutschland nicht verboten, oder?

  • "Es gibt keine gute Steuer"

    Da möchte ich Ihnen bedingt widersprechen, da auch Ihre Interpretation etwas zu kurz springt. Generell sollte der Name der Steuern wieder zum Sinn mutieren, sprich eine Steuer - steuert.
    Wenn man nun der Steuer wieder den Sinn gibt den sie haben sollte, wäre die Akzeptanz wohl auch höher.
    Zur Staatsfinanzierung sollten Abgaben oder eben der obligatere "Zehnte" wieder eingeführt werden.

    Die Steuern sollten eben zum steuern, zum lenken erhoben werden.

    Da wären wir auch wieder bei der Tranzaktionssteuer, die, wenn sie sinnvoll eingeführt würde eben wohl kaum die Staaten retten würde, wohl aber einige unsägliche Handlungen auf dem Finanzmark beenden würden, aber dem Bürger wohl kaum Belastungen bringen würde.

    Denn der Hochfreqandel mit Finanzprodukten im Millisekundentakt bringt außer dem Händler niemandem etwas, es ist eher zum Schaden aller die nicht über diese Technik verfügen, und wohl auch zum Schaden der z.B. der Firmen deren Aktien derartig gehandelt werden.
    Das Kapital ist zu kurz unterwegs als das es einen positiven Effekt haben kann.

    Es ist einzig ein Absaugen des Profits, reine Spekulation - zum Nachteil des Marktes.

    Diese Steuer ist sehr klein pro Transaktion - der "normale Anleger mit wenigen Transaktionen pro Jahr oder Tag wird kaum etwas merken, wer aber Millionen von Transaktionen am Tag macht - spürt es maximal.

    Da würde eine Steuer eben doch Sinn machen.

    Allerdings herrscht momentan noch der Glaube das Steuern dazu da sind dem Staat das notwendige Kapital zu bringen und eben keine oder kaum steuernde Wirkungen bringen.

    Der Eindruck vermittelt zumindest die Politik.

    Daher muss es ein Umdenken geben. Zuerst sollte ein Ziel (der Effekt) der neuen Steuer vorgegeben werden. ZB. den Hochfrequenzhandel zu stoppen. Danach kann man die Steuer entwickeln und umsetzen. Nach einiger zeit kann auch klar analysiert werden ob das Ziel erreicht wurde. Dieses Vorgehen kann zu mehr Akzeptanz führen.



  • Habe noch einen Aspekt vergessen: die Finanztrans-aktionssteuer ist von der Politik wohl auch nur als
    Handlungsnachweis und Ablenkungsmanöver konzipiert -
    Ablenkung von den Versäumnissen der Regierung in der Reorganisation des Bankensektors nach Lehman Brothers , Ablenkung der Grünen und der SPD von ihrem Komplett-ausfall bei der Verhinderung des immer tieferen Watens in den Eurosumpf.

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