Was vom Tage bleibt
Warum es an der Börse besser ist, nichts zu tun

Wenn die Börsen beben, hilft nur Standfestigkeit. Alle reden über Flüchtlinge, doch was hilft es? Es kann nicht nur solche, wie die Helden vom Thalys geben. Was dieser Tag brachte, lesen Sie hier.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser!

Stehenbleiben

Da war sie wieder, die „psychologisch wichtige Marke“ beim deutschen Börsenbarometer Dax. Sie liegt bei 10.000 Punkten und panische Anleger haben heute dafür gesorgt, dass die Aktienkurse sie nach unten durchbrochen haben. Was sollen Sie, liebe Leser, jetzt tun? Der praktische Philosoph Rolf Dobelli hat darauf eine Antwort. Er erinnert an den Fußball: Beim Elfmeter fliegt der Ball in einem knappen Drittel der Schüsse in die linke Ecke, in einem knappen Drittel der Fälle in die rechte, in einem knappen Drittel in die Mitte und beim Rest der Fälle geht er vorbei. Trotzdem hechten alle Torhüter immer in eine Ecke. Sie machen das, obwohl es nachweislich nichts bringt. Warum? Weil es besser aussieht. Nichstun wäre unspektakulär. Genau das würde ich ihnen allerdings raten. Warten Sie ab. Bleiben Sie stehen. Die Börse kommt auch wieder in Fahrt. Heute Abend sieht sie schon besser aus, als sie heute früh ausgesehen hatte.

Der Euro glänzt wieder

Nicht alle leiden unter dem Börsenbeben. Der Euro zum Beispiel kletterte heute auf den höchsten Stand seit Februar. Er sei ein „sicherer Hafen“, sagen die Ökonomen. Es sind übrigens einige darunter, die in den vergangenen Wochen jammerten, dass der Euro wegen Griechenland auch nicht mehr das ist, was er mal war. Wie soll ich heute wissen, was ich morgen denke. Manchmal gilt das Motto für Anleger genauso wie für die, an denen sich Anleger eigentlich orientieren wollen.

„Das ist Pack“

Seit Tagen haben alle genörgelt, dass Angela Merkel zum Flüchtlingsthema mehr schwieg als redete. Andere waren anders. Til Schweiger zum Beispiel, der zu nichts schweigt, sondern zu allem nuschelt. Oder Sigmar Gabriel, der heute bei einem Besuch der Flüchtlingsunterkunft im unruhigen sächsischen Heidenau zu Protokoll gab, dass die gewalttätigen Flüchtlingsgegner alles „Pack“ seien. „Es ist beschämend, wie viele Bürger die Neonazis unterstützen“, meldete sich dann schließlich Merkel am Abend doch noch zu Wort. Ich finde beschämend, dass die Flüchtlingszahlen seit Monaten steigen, aber erst nach der parlamentarischen Sommerpause einer nachgezählt hat. Jetzt das Thema zum Aufreger Nummer eins zu erklären ist so, als wenn ein Sitzenbleiber-Kandidat zur letzten Klassenarbeit vor den Zeugnissen zu lernen anfängt.


Unsere Helden

In bunten Polohemden kamen sie in den Elysée-Palast und ließen sich den Orden eines Ritters der Ehrenlegion an die Brust heften: die drei US-Amerikaner, die in Frankreich seit Freitag als Helden gefeiert werden, weil sie bei einem Attentat im Thalys-Zug das schlimmste verhindert haben. Staatspräsident François Hollande konnte sie gar nicht genug loben: „Sie alle haben Risiken auf sich genommen – inklusive, ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen.“ Falls Sie jetzt neidisch werden, trösten Sie sich mit einem Indianerspruch: „Wir können nicht alle Helden sein. Manche müssen auch am Wegrand sitzen und ihnen zujubeln.“

Auch Verlierer werden gemocht

Der FC Bayern München sammelt einen Titel nach dem anderen. Die Erfolge bedeuten allerdings nicht, dass die Münchener auch über die beste Marke im Profi-Fußball verfügen. Denn nach Ansicht der Marketing-Experten der Technischen Universität Braunschweig zählen dafür nicht nur Bekanntheit und Titel, sondern auch Sympathie. Wenn ein Klub geliebt wird, dann strahlt seine Marke unabhängig vom sportlichen Erfolg. Vor diesem Hintergrund sind laut Uni-Experten, die beiden Borussen-Vereine ganz oben, gefolgt von den Bayern – und auf Platz vier, seht her, der reichlich volatil spielende Hamburger Underdog St. Pauli. Die Studie beruhigt. Offenbar muss niemand gewinnen, um gemocht zu werden.

Einen gewinnenden Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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