Was vom Tage bleibt: Warum es sich auch mit ruiniertem Ruf gut lebt

Was vom Tage bleibt
Warum es sich auch mit ruiniertem Ruf gut lebt

Frohe Gesichter in Madrid, Paris, Frankfurt, New York: Investoren und Banker trotzen der Finanzkrise und den lästigen Ratingagenturen. Nur für den Bundespräsidenten bleiben die guten Nachrichten aus. Der Tagesrückblick.
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Wunderschönen guten Abend,

Spanien und Madrid überzeugen die Anleger

Ein populäres Sprichwort, das Wilhelm Busch zugeschrieben wird, lautet: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's gänzlich ungeniert. Falls man diese Weisheit auch in Paris und Madrid kennt, wird man sich heute sicher daran erinnern. Denn kaum, dass die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonität beider Länder herabgestuft hat, klappt's auch wieder mit den Anleiheemissionen. Beide Länder haben jetzt langlaufende Staatsanleihen begeben - und erlebten eine Überraschung: Sie konnten mehr Kapital einsammeln als erwartet und das sogar zu niedrigeren Zinsen als bei den vorhergehenden Auktionen. Ob die Ratingagenturen mittlerweile schon so in der Kritik sind, dass ihr Votum ein Kontraindikator ist? Wahrscheinlicher ist, dass es zurzeit so viel überschüssiges Kapital gibt, dass es einfach irgendwo angelegt werden muss. Und vielen dämmert, dass es jenseits der Hysterie, die die Bondmärkte zwischenzeitlich erfasst hatte, schlechtere Anlagen gibt als Staatsanleihen von Frankreich und Spanien.

Blessing besteht die Prüfung

Eine ganze Menge für seinen guten Ruf hat Commerzbank-Chef Martin Blessing jetzt getan. Mit viel Vorschusslorbeeren gestartet, hat er in der Folge noch nicht all zu viele Erfolge vorzuweisen gehabt. Besonders die Übernahme der Dresdner Bank hat das Institut schwer nach unten gezogen. Auch die Annahme von Staatshilfe hat ihn so belastet, dass er öffentlich erklärt hat, noch mal mache er das nicht. Er hat Wort gehalten. Wie die Bank heute verkündete, hat sie es geschafft, die Eigenkapitallücke von 5,3 Milliarden Euro rechtzeitig aus eigener Kraft zu schließen. Blessing hat die Kernkapital-Decke durch ein geschicktes Maßnahmenpaket sogar um 6,3 Milliarden Euro aufgebessert. Der Zauberlehrling ist auf dem Weg zum Meister.

Morgan Stanley überrascht die Analysten

Ein milliardenschwerer Vergleich hat die US-Investmentbank Morgan Stanley in die roten Zahlen gedrückt. Das Wall-Street-Haus hatte einen langen Streit um Hypothekenpapiere mit dem Anleiheversicherer MBIA beigelegt und dabei Zugeständnisse gemacht. Das sorgte nun im vierten Quartal für einen Verlust von unterm Strich 275 Millionen Dollar. Doch die eigentliche Überraschung ist nicht der Vergleich, der bereits bekannt war. Unerwartet ist, dass die Bank durch eine gutes Tagesgeschäft den Verlust drücken konnte, Analysten hatten mit einem höheren Minus gerechnet. Also auch hier ein Fall von Imagepflege.

Razzia bei Wulffs Ex-Sprecher

Ein echtes Problem mit seinem guten Ruf dagegen hat der Ex-Sprecher von Bundespräsident Christian Wulff. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt das Privathaus von Olaf Glaeseker durchsuchen lassen, ebenso wie die Wohn- und Büroräume des Eventmanagers Manfred Schmidt. Ihnen werden Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung vorgeworfen. Glaeseker hatte mehrfach auf Kosten von Schmidt Urlaub gemacht. Zugleich besteht der Verdacht, dass Glaeseker in den Jahren 2007 bis 2009 die Durchführung und Finanzierung des von Schmidt organisierten Nord-Süd-Dialogs „gefällig gefördert“ habe. Dass der Staatsanwalt bereits von einem "qualifizierten Anfangsverdacht" spricht, wirft auch kein gutes Licht auf den Bundespräsidenten. Dass Wulff seinen langjährigen Sprecher Ende Dezember 2011 ohne Angabe von Gründen gefeuert hatte, macht die Sache nicht wirklich besser.

Was fehlt? Wie heute bekannt wurde hat der Schauspieler Jude Law 156.000 Euro Entschädigung von Rupert Murdochs News Corp. erhalten. Reporter des mittlerweile eingestellten Skandalblatts "News of the World" hatten sein Telefon abgehört, um an exklusive News zu kommen. Für Law war diese Detektive-Geschichte guter Anschauungsunterricht. Spielt er doch in der „Sherlock Holmes“-Verfilmung die Rolle des Dr. Watson.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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