Was vom Tage bleibt
Warum Kohls Buch, das nicht seins ist, erscheinen muss

Zerstört der Altkanzler, in dem er aus seinem Herzen keine Mördergrube macht, sein eigenes Vermächtnis? Wer erledigt von der Leyens Hausaufgaben? Und wer macht künftig bezahlbare Schuhe? Einige Antworten gibt es hier.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Sein Herz ist keine Mördergrube

Altkanzler Kohl giftet gegen Merkel: Sie habe einst nicht mit Messer und Gabel essen können. Einer unsere Leser nimmt die Kanzlerin in Schutz: Sie habe eben nicht mit Messer und Gabel, sondern mit Hammer und Sichel essen gelernt. Abseits dieser kleinen Debatte über richtige Tischmanieren gab es heute die große Debatte, ob Kohl sagen darf, was er gesagt hat, und ob sein Biograph das gegen den Willen des Altkanzlers einfach so veröffentlichen darf. Ich meine: Zweimal ja. Helmut Kohl wusste, was er tat, als er vor zwölf Jahren gegenüber seinem Biographen Heribert Schwan aus seinem Herz keine Mördergrube machte. Und Schwan macht, was ein guter Journalist eben so macht: Er veröffentlicht eine wichtige Geschichte. Nun gibt es Verletzte auf allen Seiten - was immerhin für eine gewisse Waffengleichheit spricht.

Jede Menge Hausaufgaben

Neun Großprojekte, 140 Risiken: Das ist das Fazit von Gutachtern, die Rüstungsaufträge des Verteidigungsministeriums unter die Lupe genommen haben. „Eine Optimierung des Rüstungsmanagements in nationalen und internationalen Großprojekten ist dringend und ohne Verzug geboten“, schreiben sie am Ende. Verteidigungsministerin von der Leyen hat nun einen Stapel Hausaufgaben. Und als Mutter zahlreicher Kinder weiß sie: Bei den Hausaufgaben lernt man am meisten.

Die Karriere einer richtigen Idee

Vor knapp vier Jahre schlug der deutsche Kurzzeit-Chef von Hewlett Packard Léo Apotheker vor, dass sich HP von seinem PC-Geschäft trennen sollte. Er wurde dafür von der Presse, von Analysten und dem HP-Aufsichtsgremium gesteinigt. Meg Whitman übernahm seinen Posten und blies den PC-Verkauf ab. Jetzt macht sie am Ende doch noch den Apotheker: Sie wird HP aufspalten in einen Bereich aus PCs und Druckern und einen aus Unternehmenssoftware und -dienstleistungen. „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, sagt der Denker Victor Hugo und stellt damit beiläufig fest, dass die richtige Idee zur falschen Zeit eine schlechte Idee ist.

Abschied von Deichmann

Heinz-Horst Deichmann ist tot. Der Unternehmer starb mit 88 Jahren. Er hat nicht die schönsten Schuhe gemacht. Aber er hat bezahlbare gemacht. Es wird schwer, in seine Fußstapfen zu treten.

Auf Abstand

Zahlen sind schwer zu behalten. Drei möchte ich Ihnen dennoch nennen. Zum Diskutieren für heute Abend: Die SPD hat 467.047 Mitglieder, die CDU 463.520. Die AfD 19.885. Auch wenn bei den beiden ersten die Tendenz leicht fallend und bei der AfD stark steigend ist, haben wir noch ein paar Jahre Zeit, bis letztere eine Volkspartei ist.

Einen gesprächigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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