Was vom Tage bleibt
Warum Schäuble Dr. No ist

Der Finanzminister beschützt die Steuerzahler. Anleger glauben trotzdem an eine Einigung mit Griechenland. Deutschland liefert Ägypter nicht aus. Was heute geschah, lesen Sie hier.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Arbeitsteilung

Wolfgang Schäuble ist der Dr. No in der Griechenland-Krise. Die Vorschläge der griechischen Regierung zu Sparen? „Nicht substanziell“, sagt er. Dafür bedanken wir uns bei ihm. Er ist der Robin Hood für jene deutschen Familien, die brav Steuern zahlen und mitansehen, wie ein Teil davon in Griechenland versickert. Aber Achtung: Dr. No ist nie einer, der bis zum Happy End dabei ist. Die Nein-Sager sind selten die Gewinner. Dr. No funktioniert nur, bis Mrs. Yes ihn überspielt. Auf diese Arbeitsteilung haben sich Schäuble und Merkel geeinigt. An Glaubwürdigkeit gewinnen beide dadurch nicht.

Ungelegte Eier

Wer gedacht hat, heute komme die Einigung mit Griechenland, gehört offenbar zu jener Spezies von Optimisten, die vor allem unter den Anlegern zu finden ist. Während Politiker den Optimismus vom Vormittag ein paar Stunden später wieder einkassierten, konnten die Käufer von Aktien heute den Hals nicht voll kriegen. Ein Plus von mehr als vier Prozent beim Dax: Das sieht so aus, als werde das Fell des Bärens verteilt, bevor er erlegt ist. Oder um aus dem Jägerlatein zur Bauernregel zu wechseln: Wer mit ungelegten Eiern handelt, auch mal auf dem Misthaufen landet.

Den Staub geküsst

Ahmed Mansur ist wieder frei. Die deutschen Behörden werden den Journalisten nicht an sein Heimatland Ägypten ausliefern. Seine Schuld bestehe darin, hieß es von dort, Unwahrheiten verbreitet zu haben, die die innere Sicherheit Ägyptens gefährdeten. Die Wahrheit ist: Ägypten erlebt eine Repression wie seit Jahren nicht. Wer das nicht glaubt, kann sich den eine Minute langen Film eines begnadigten Gefängnisinsassen anschauen, den Youtube bereit hält: Er zeigt, wie ein Gefängnisbeamter ihn draußen vor dem Hafttor zwingt, den Staub auf dem Boden zu küssen. Erst dann durfte der Gedemütigte im Minibus davonfahren.

Kunst besiegt Kommerz

Sängerin Taylor Swift haut Apple in die Pfanne, weil der Konzern bei seinem neuen Musikdienst in den drei kostenlosen Probemonaten kein Geld an Künstler überweisen will. Das sei „schockierend und enttäuschend“, erklärt sie in einem Blogeintrag. Deswegen werde sie ihr aktuelles Album „1989“ dem Streaming-Service von Apple Music vorenthalten. Apple reagiert prompt auf die Kritik, und ändert kurzerhand die Konditionen: Jetzt gibt's doch Geld für die Künstler. Kunst besiegt Kommerz ist die gute Nachricht des Abends.

Das Gute gewinnt

Und das stimmt wirklich: Denn in Düsseldorf kamen heute Politiker, Manager und Kunstexperten zusammen. Das Gremium suchte nach einer Antwort auf die Frage, wie die Kunstsammlung der untergegangenen Landesbank West LB erhalten bleiben könnte. Und siehe da: Es zeichnet sich eine Lösung ab, an der sich das Land beteiligt. Werke von Pablo Picasso und Günther Uecker sollen doch nicht unter den Hammer kommen und auch jene Stradivari, die „Lady Inchiquin“ heißt, geht nicht an russische Oligarchen oder neureiche Chinesen. Dieses Instrument habe „das Dunkle von Guarneri und das Helle, was Stradivari sowieso hat, dazu den Sopran“, hat ein Violonist einmal über sie geschrieben. Heute hat das Helle gewonnen.

Einen hellsichtigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Warum Schäuble Dr. No ist"

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  • Schäuble beschützt den Steuerzahler..hahahaha...hier musste ich herzhaft lachen.
    Danke dafür!

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