Was vom Tage bleibt

_

Was vom Tage bleibt: Warum wir Juncker lieben

Luxemburg ist für einen Tag nicht nur für Fonds-Investoren interessant. Die Pkw-Maut kommt nicht morgen und nicht übermorgen, was für die Bankenunion nicht gilt. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.
Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Anzeige

Die letzte Schlacht

Geht er? Bleibt er? Kommt er wieder? Jean-Claude Juncker, der nicht verhindert hat, dass der Geheimdienst seines Landes über die Stränge schlug, steckt in seiner letzten Schlacht. Eine Mehrheit im Parlament von Luxemburg könnte ihn zu Fall bringen. Irgendwie ist uns der alte Fuchs auch hierzulande ans Herz gewachsen. Ein Löwe kann eine Laus nicht ärgern, aber eine Laus den Löwen ganz gewaltig, hat er mir einmal auf meine Frage nach dem Verhältnis Luxemburgs zur EU gesagt. Falls er nun als Regierungschef abtritt, mag ihn trösten, dass er große Vorbilder hat: Von Otto von Bismarck bis Helmut Schmidt verließen die Großen die Bühne nicht freiwillig – und trotzdem finden wir sie heute noch gut.

Folgenlose Forderung

Es gibt eine Faustregel, wie ein Kommentar wie dieser niemals aufzuhören hat. Nämlich mit: „Bis es soweit kommt, ist es nur noch eine Frage der Zeit.“ Das ist immer richtig und gilt als Antwort auf die Frage, wann der Ober kommt genauso wie als Antwort auf die Frage nach dem Lebensende. Verkehrsminister Ramsauer hat nun gesagt, die Pkw-Maut ist nur noch eine Frage der Zeit. Das ist sicher richtig, aber eben auch völlig unerheblich.

Was vom Tage bleibt Tagesrückblick als E-Mail-Abonnement

Unseren kommentierten Nachrichtenrückblick ab 18.30 Uhr werktäglich in Ihrem Postfach - hier bestellen.

Das Gute an der Bankenunion

Die Bankenunion rückt näher, und wir Deutsche werden das Gefühl nicht los, es geht dabei eigentlich nur darum, die funktionierenden Sicherungssysteme der deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken anzuzapfen. Tatsächlich geht es darum, alle Banken das wirtschaftliche Risiko ihrer Existenz selbst tragen zu lassen. So schlecht, wie wir sie immer machen, ist die Idee der Bankenunion also nicht.

Spaß in der Krise

Falls Sie in den nächsten Tagen nach Italien in die Ferien fahren – machen Sie sich doch bitte selbst ein Bild: Steht das Land am Abgrund, ist die Pizza kalt oder schmeckt sie wie immer? Die Ratingagentur S&P glaubt eher an den Abgrund und hat sich mit einer entsprechenden Notenvergabe Empörung bei den Italienern selbst eingehandelt. Wahrscheinlich ist die Pizza warm, die Toskana elegant, der Strand voll und die Geschäfte sind es auch. Aber wahrscheinlich haben die Notengeber trotzdem Recht. Das ist das schöne an dieser Krise: Auch mittendrin hat man seinen Spaß.

Einen ansonsten krisenfreien Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

  • 12.07.2013, 14:47 UhrOssi

    "Warum wir Juncker lieben"
    Weil er ein alter,verlogener Mann ist, Herr Stock, der als Eurogruppen-Chef maßgeblich dazu beigetragen hat, dass die meisten Staaten der Eurogruppe heute unbeschreiblich katastrophale soziale und wirtschaftliche Verhältnisse haben. Ich hoffe, er wird eines Tages vor Gericht gestellt.

  • 10.07.2013, 21:34 Uhrroterkaufmann

    wer einen anderen artikel zu diesem großen staatsmann lesen möchte, dem sei die tageszeitung junge welt aus berlin ans herz gelegt:

    http://www.jungewelt.de/2013/07-11/062.php

    und tschüss juncker. es gitb leute die behaupten, dass der mann eigentlich auf die anklagebank gehört...

    und selbstverständlich ist für juncker auch die nsa-kriminalität eine nicht zu kritisierende notwendigkeit.

  • 10.07.2013, 20:31 Uhrhbnl!287977

    Ja, Juncker war ein ganz großer Bürgermeister!

  • Kommentare
Kommentar: Sehr geehrter Herr Lammert!

Sehr geehrter Herr Lammert!

Norbert Lammert hat eine Festrede an der Uni Düsseldorf abgesagt. Grund ist das Verhalten der Hochschule im Fall Schavan. Ein Unding, findet unser Autor Alexander Möthe und schreibt dem Bundestagspräsidenten einen Brief.

Kommentar zu Russland-Sanktionen: Endlich!

Endlich!

Die Europäische Union hat ein Machtwort gesprochen und ist sich einig. Die Sanktionen gegen Russland werden verschärft. Das wurde auch Zeit.

  • Kolumnen
Der Werber-Rat: Mein moralischer Hochsitz

Mein moralischer Hochsitz

Skandale um Bio-Lebensmittel dürfen keine Ausrede für eigene Bequemlichkeit sein. Befürworter müssen den Fällen Begeisterung entgegensetzen.

Der Ver(un)sicherer: Die geschönte Massenflucht

Die geschönte Massenflucht

Auf der Suche nach positiven Meldungen feiern die Versicherer sinkende Stornozahlen bei Lebenpolicen. Eine Farce, denn ein Blick auf die Statistik zeigt: Versicherte kündigen massenhaft ihre Verträge.

Was vom Tage bleibt: Was Russland nicht mehr kriegen darf

Was Russland nicht mehr kriegen darf

Die EU-Sanktionen gegen Wladimir Putin sind in Kraft, den deutschen Maschinenbau trifft das. Europäische Staatsanleihen sind begehrt wie nie und bei Osram regiert der Rotstift nicht zum ersten Mal. Der Tagesrückblick.

  • Gastbeiträge
Gastkommentar: Europa muss direkt mit Hamas sprechen

Europa muss direkt mit Hamas sprechen

Angesichts der Unfähigkeit der Beteiligten im Gaza-Krieg, Frieden zu schließen, darf Europa nicht außen vor stehen. Sonst wird der Konflikt hierher kommen. Die Ächtung der Hamas hat sich als als kontraproduktiv erwiesen.

Gastbeitrag: „Welch eine Schande für Deutschland!“

„Welch eine Schande für Deutschland!“

Stephan Kramer ist entsetzt über „Judenhassfeste“ in Deutschland. Das sei keine Folge des Nahostkonflikts, ist der Antisemitismusexperte des American Jewish Committee überzeugt. Deswegen müssten die Demokraten umdenken.

Gastbeitrag: Das süße Gift der Bankensubventionen

Das süße Gift der Bankensubventionen

Die Großbanken hängen bereits am staatlichen Subventionstropf. Nun fordern sie weitere Privilegien bei der Finanzierung des Abwicklungsfonds. Kleine Volksbanken sollen für die Großen zahlen. Das ist unfair.

  • Presseschau
Presseschau: Moody's watscht die Banken ab

Moody's watscht die Banken ab

Die Deutsche Bank und Schweizer UBS gerieten wegen mutmaßlicher Begünstigung von Hochfrequenzhändlern ins Visier der Aufseher. Ratingagenturen reagieren, die Wirtschaftspresse findet die Rechtsrisiken immer bedrohlicher.