Was vom Tage bleibt
Warum?

Ein Germanwings-Flugzeug stürzt ab. Die Exporte nach Russland brechen ein, der US-Bundesstaat erfindet Erschießungskommandos neu und das Vertrauen in den Euro legt kräftig zu. Der traurige Tagesrückblick.
  • 3

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Völlig ungewohnt

Ganz Deutschland trauert. 150 Menschen sind bei einem Flugzeugabsturz in den französischen Alpen ums Leben gekommen. Darunter 16 Schüler aus Nordrhein-Westfalen, zwei Babys. Für uns in Deutschland ist das eine völlig neue Erfahrung. Nie zuvor sind so viele Menschen beim Absturz eines deutschen Flugzeugs ums Leben gekommen. Germanwings gehört zum Lufthansa-Konzern, eine der sichersten Airlines der Welt. Trotzdem ist es passiert. Wir alle erwarten jetzt schnellstmögliche Aufklärung. War es menschliches Versagen? Die Technik? Nur wenn es bald Antworten gibt, wird das Vertrauen in die Lufthansa zurückkehren.

Einfach nur logisch

Trotz aller Trauer gibt es auch positive Reaktionen auf die Katastrophe aus Frankreich. Die Piloten der Lufthansa haben sofort verstanden, dass es jetzt drängendere Fragen gibt als Gehälter und Alterssicherung. Auch die sonst so streit- und streiklustigen Piloten der Lufthansa wollen jetzt an allererster Stelle wissen, wie es zu diesem schrecklichen Unfall kommen konnte. Vielleicht bewirkt der Absturz auch, dass überall im Lufthansa-Konzern ganz schnell die Vernunft einkehrt und von einem Streik bald keine Rede mehr sein wird.

Westliche Antworten

An solch einem Tag fällt es schwer, auch noch den Blick für die anderen Nachrichten zu haben. Doch es ist tatsächlich noch etwas anderes passiert. Die deutschen Exporte nach Russland sind dramatisch eingebrochen. Nach den politischen Entwicklungen des vergangenen Jahres ist das eine logische und erwartbare Konsequenz. Es ist der Preis, den Deutschland und der gesamte Westen tragen müssen. Es ist das Signal an den russischen Präsidenten Putin, dass sich unsere Länder eben nicht alles gefallen lassen. Auch wenn Russland ganz unverhohlen mit Waffengewalt droht.

In die Vergangenheit

Der Westen wird trotzdem nicht immer und nicht in allen Dingen stets mit derselben Sprache sprechen. Für uns in Europa ist es völlig unbegreiflich, wie die US-Amerikaner mit der Todesstrafe umgehen. Es klingt wie eine Nachricht aus dem vergangenen Jahrhundert: Der US-Bundesstaat Utah will wieder Erschießungskommandos einführen. Wie gut, dass viele tausend Kilometer zwischen Europa und den USA liegen. Erschießungskommandos brauchen wir nicht und werden wir auch hoffentlich nie wieder bekommen. Sie gehören auf ewig abgeschafft, am besten gleich zusammen mit der Todesstrafe.

Große Überraschung

Das Handelsblatt steht zum Euro. Die Redaktion trägt die Idee des gemeinsamen Europa mit und bekennt sich deshalb wie selbstverständlich auch zum Euro. Es gehört inzwischen leider schon zur Tagesordnung, dass wir für diese Haltung in Leserbriefen und Kommentaren angefeindet werden. An unserer Überzeugung wird das trotzdem nichts ändern. Umso schöner ist, von unerwarteten Erfolgen des Euro zu erfahren. In einer aktuellen GfK-Umfrage ist davon die Rede, dass heute mehr Menschen in Deutschland der Gemeinschaftswährung trauen. Die Zustimmung ist binnen zwei Jahren um 19 Punkte auf 57 Prozent gestiegen. Wir Handelsblatt-Redakteure sind also doch nicht ganz allein.

Heute geht der Tag nicht wie gewohnt zu Ende. Es ist keine Zeit der Freude, sondern der Stille und der Trauer. Wir alle gedenken der Opfer von Flug 4U9525. Es grüßt Sie

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Warum?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Das Handelsblatt steht zum Euro"
    ob Sie, Herr Menzel, das wiederholen, wenn der Ölpreis wieder auf 100 USD steht und die Leute
    dann die Rechnung für eine schwache Währung bekommen ? 2 Euro der Liter Benzin, Heizöl
    1,50 Euro u.s.w. Wird eine gute Zeit für die kleinen Leute.

  • Schon klar, Herr Menzel, daß Sie für den Euro sind - das schwitzt ja aus jedem Ihrer Kommentare zum Thema. Dieser Meinung KANN man sein, MUSS es aber nicht. Es scheint auch in den Köpfen der HB-Redakteure (Ihrem zuvorderst) kein Gedanke an die katastrophalen Auswirkungen dieser aufoktruierten Währungsunion verschwendet zu werden. Was die Kanzlerin meint, ist per se gut, Hurra-Journalismus frei nach der Devise "Vorwärts immer, rückwärts nimmer". Eine Reflexion, WARUM man wegen dieser Haltung oder Meinung angefeindet wird, findet nicht statt - man scheint zu denken "Viel Feind, viel Ehr".
    Daß sich die Leserschaft des HB zu einem Gutteil aus Leuten zusammensetzt, die mit beiden Beinen in der Wirtschaft stehen und daher einen sehr feinen Sinn dafür entwickelt haben, was sinnvoll und machbar ist, wird einfach ignoriert. Da stellt sich dann die Frage, wer in Sachen Wirtschaft mehr Kompetenz hat - der reine Theoretiker oder der Praktiker. Wenn man das auf ein Handwerk übertragen würde, wollte ich von Ihnen, Herr Menzel, keinen Wasserhahn installiert wissen - da wäre nachher die Bude überschwemmt.
    Zwar momentan noch spekulativ, aber durchaus interessant wäre die Frage, was das HB wohl schreiben würde, wenn der Euro früher oder später zusammenbricht. Dann hat man das selbstverständlich vorhergesehen, weint Krokodilstränen und weist darauf hin, daß man doch hin und wieder manchmal, drunterrein, immer mal wieder kritische Töne zugelassen hat. Derzeit gilt aber immer noch die Marschrichtung "Noch mehr Gas, egal wie steil es den Berg ab geht."

  • Der EURO ist die Ursache für Massenarbeitslosigkeit und Massenelend in Südeuropa. Mit dem Bekenntnis zum EURO bekennt sich das Handelsblatt auch zu den tragischen Konsequenzen der Verwendung dieser Währung in Ländern, welche sie nicht einsetzen sollten. Die Haltung des Handelsblatts in dieser Frage ist moralisch verwerflich

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%