Was vom Tage bleibt
Was tun gegen die Immobilienblase?

Die Bundesbank glaubt, dass ein überhitzter deutscher Immobilienmarkt die Stabilität gefährdet. Gazprom findet in Deutschland Gas. Japan hat keine Wahl. Die Kommentare zum Tag.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Denkschwäche wegen Blasenschwäche

Wer zuviel Wein trinkt wird betrunken, wer zuviel Geld druckt, macht das Geld wertlos und wo wertloses Geld im Umlauf ist, sehnen sich die Menschen nach Dingen, die ihren Wert nicht verlieren - wie zum Beispiel ein Dach über dem Kopf. Das ist alles sehr logisch. Und bis auf die Sache mit dem Wein hat das heute die Bundesbank genauso aufgeschrieben. Der teils kräftige Anstieg der Immobilienpreise in deutschen Großstädte berge Gefahren, stellt sie in ihrem Monatsbericht fest. Sollte es zu Preisblasen kommen, könne dies die Finanzstabilität erheblich gefährden. Das war heute Vormittag. Seither streiten sich alle, ob es stimmt, was die Bundesbank da schreibt. Natürlich stimmt es. Dass gestritten wird, ist nur ein Ersatz fürs Nachdenken, was gegen die Symptome der Blase wirklich helfen könnte. Zinsen rauf? Mehr bauen? Strengere Kreditvergabe?

Russischer Segen

Gazprom tauscht Anteile am eigenen Unternehmen mit denen von BASF. Das führt dazu, dass zum Beispiel der Kasseler Betreiber Wingas bald komplett den Russen gehört. Mit der Pipeline Nord Stream durch die Ostsee pumpt Gazprom bereits durch zwei Leitungen „blaues Gold“ nach Deutschland. Und am 7. Dezember beginnt das Unternehmen mit dem milliardenschweren Bau der Röhre South Stream durch das Schwarze Meer und bekommt dann leichteren Zugang zum südeuropäischen Markt. Wen das mit Sorge erfüllt, der wende sich doch bitte an den FC Schalke 04. Die Mannen sind die Nummer zwei in der Bundesliga und stehen vor dem internationalen Durchbruch. Ihr Hauptsponsor? Gazprom. Russland kann auch segensreich wirken.

Nichts neues aus Japan

Neuwahlen tragen das Wörtchen "neu" in sich. Japan plant nun solche noch in diesem Jahr. Als Sieger könnten die Liberaldemokraten aus diesen Wahlen hervorgehen. Sie stecken derzeit in der Opposition. Ihr Rezept gegen die Rezession lautet: lockere Geldpolitik. Der Yen gab deswegen heute gegenüber dem Euro schon kräftig nach. Schade an sich, dass Neuwahlen immer wieder mit alten Rezepten gewonnen werden.

Treue Facebook-Fans

"Die Idee, dass eine frisch an den Markt gebrachte Firma unter tausenden und abertausenden Firmen weltweit die günstigste Gelegenheit ist, ist einfach dümmlich", sprach Warren Buffett und wurde beim Facebook-Börsengang vor einem halben Jahr damit ausgiebig zitiert. Und tatsächlich: Seitdem ging es mit dem Kurs vor allem bergab. Bis heute. Heute endete die Haltefrist für mehr als 800 Millionen Mitarbeiteraktien. Die Mitarbeiter aber haben gar nicht verkauft. Sie glauben offenbar an ihr Unternehmen, was der Aktie einen Schub nach oben einbrachte. Wenn der Glaube Berge versetzt, dann könnte auch Buffett demnächst zugreifen.

Der Chef hat immer recht

Eine Kollegin vom Westdeutschen Rundfunk hatte für den 30. November 2010 eine Dienstreise beantragt. Ihr Chef aber sagte "Nein" dazu. Die Kollegin meldete sich am 30. November krank und erschien am Folgetag wieder im Studio. Ihr Chef verlangte einen Krankenschein, sie sagte, den gebe es erst nach drei Tagen Abwesenheit. Beide haben sich bis vors höchste Gericht gezankt. Das hat heute klargestellt: Der Chef hat recht. Er darf bereits am ersten Tag ein Attest verlangen. Danke, liebe Kollegin, für diese Klarstellung.

Bleiben Sie gesund!

Oliver Stock

Ihr

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Was tun gegen die Immobilienblase?"

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  • Die Immobilienblase ist letztlich dem Versuch geschuldet, sich vom gesellschaftsweiten Wohlstandverlust abzukoppeln. Das wird den meisten nicht gelingen und je heftiger die Versuche, desto größer die Wahrscheinlichkeit zu den Verlierern zu gehören.
    Die Wirtschaftspolitik Schröders hat sich als langfristige Luftnummer entpuppt. Es geht eben doch nichts an einer Konsolidierung der Staatsfinanzen vorbei. Das geht nur noch durch Geld- und Vermögensentwertung.

    Auch Immobilien sind, soweit sie nicht den Eigenbedarf decken kein sicherer Hafen. Das Internet lässt den Bedarf an Büroraum sinken und das gilt langfristig auch für den Bedarf an Wohnraum. noch kompensiert der Drang zu mehr Quadratmeter diese Tatsache, aber nicht mehr lange.

    H.

  • Umso dankbarer bin ich dem HB,daß schon im Sommer 08 bei 4,5 % Leitzins darauf hinwies,diese Chance für eine langfristige Anlage zu nutzen,den Zitat " wenn die Krise länger geht, kommen solch hohe Zinsen erstmal nicht mehr wieder".
    Danke Sie hatten Recht.Ich habe noch zu 6 % in einem Sparbrief für 10 Jahre abgeschlossen.
    Wenn ich heute solche Konditionen verhandeln wollte,würde mich mein Bankberaterin für verrückt erklären.

  • Normalerweise müssten die Zinsen schon bei 3 bis 4 % liegen.Aber das geht nicht,weil sonst "unsere" Schuldenländer 6-7 % zahlen müssten und das gilt für diese als nicht tragbar.
    Somit sind die deutschen Sparer Gefangene des Euro und werden durch die Inflation enteignet.Das ist umso schlimmer,als es Tatsache ist,das sie ihr Geld in der Mehrheit konservativ anlegen.Weniger als 10 % halten Aktien oder Aktienfonds.

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