Was vom Tage bleibt
Was unsere Lehrer wirklich verdienen

Ab morgen streiken nicht unsere Kinder wegen zu viel Hausaufgaben, sondern deren Lehrer wegen zu wenig Gehalt. Edathy kommt milde davon, Fitschen kann darauf nur hoffen. Was Sie heute wissen sollten.
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DüsseldorfGuten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Schäumende Eltern

Morgen beginnen in fünf Bundesländern die angestellten Lehrer mit ihren Warnstreiks. Sie wollen mehr Geld. Eltern werden schäumen, die Kinder wird's freuen. Und wir können diskutieren: Wie viel mehr Lohn ist gerecht? Das wird munter, weil jeder, der zur Schule gegangen ist, sich für einen Experten hält. Für alle diese Experten folgender Hinweis: Wenn wir Lehrer nach Verantwortung und nicht nach Leistung bezahlten, hätten ausnahmslos alle ein höheres Gehalt verdient.

Peinlicher Prozess

Jürgen Fitschen soll im Prozess um die Pleite von Leo Kirch nicht die Wahrheit gesagt haben, damit das Verfahren für ihn oder die Deutsche Bank besser ausgeht. Diesen Verdacht hegt jetzt auch ein Richter und eröffnet das Verfahren wegen versuchten Prozessbetrugs gegen den amtierenden Bankchef. Aus Fitschens Sicht bricht im besten Fall der Vorwurf in sich zusammen, im schlechtesten wird der Bankchef, der den Kulturwandel einläuten wollte, als kriminell dastehen. Solange kein Urteil gefällt ist, gilt der Grundsatz: im Zweifel für den Angeklagten. Vor der Peinlichkeit, sich überhaupt unter den Angeklagten zu befinden, bewahrt ihn das in den Augen der Kunden, Kollegen und Aktionäre der Deutschen Bank nicht.

Unzertrennliches Paar

Benjamin Netanjahu besucht heute Washington und wird auch im Kongress auftreten. Barack Obama trifft er jedoch nicht. Das ist in etwa so, als wenn Sie sich James Bond im Kino anschauen wollen, aber Wert darauf legen, dass James Bond selbst in dem Film nicht vorkommt. Obama und Netanjahu sind in so tiefer Abneigung verbunden, wie es nur ein unzertrennliches Paar sein kann.

Schaler Abgang

Sebastian Edathy hat von seinem Anwalt ein Geständnis verlesen lassen, zahlt 5000 Euro an den Kinderschutzbund und ist heute im Gegenzug als nicht vorbestrafter Mann aus dem Gerichtssaal in Verden herausgekommen. Es ist ein schaler Sieg, denn Edathy hat für eine juristisch überschaubare Verfehlung die maximale öffentliche Höchststrafe erhalten. Sein Ruf ist ruiniert. Wie sehr er selbst dazu beigetragen hat, in dem er als Volksvertreter Fotos nackter Kinder auf seinen Dienstlaptop lud, und wie sehr ihn andere ins gesellschaftliche Aus gestoßen haben – darüber wurde keine Entscheidung getroffen. Möglicherweise würde auch diese Abwägung zugunsten des Ex-Abgeordneten ausfallen.

Ehrliche Analyse

Der Dax hat in den vergangenen zwei Monaten so stark zugelegt wie in seiner ganzen Geschichte nicht – in gleicher Frist jedenfalls. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder noch aufspringen oder sich sagen: Das Beste ist vorbei und abwarten. Der Rat hilft jetzt nicht, oder? Er ist dafür vollkommen ehrlich.

Einen vollkommenen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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