Was vom Tage bleibt
Washington missachtet Berlin

Der US-Topspion muss Berlin verlassen, die Fed nimmt die Geldmenge zurück. In Portugal ist die Krise wieder da, eine türkische Analphabetin muss kein Deutsch lernen und Argentinien wird Finalgegner. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Falsche Freundschaft

Endlich reagiert Berlin. Erst wird das Handy von Kanzlerin Merkel abgehört. Dann wird der erste Spionagefall in deutschen Regierungskreisen bekannt, dann der zweite. Die US-Geheimdienste behandeln Deutschland wie einen gefährlichen Gegenspieler und nicht wie einen engen Verbündeten. Ist die Bundesrepublik etwa mit dem Iran oder Russland gleichzusetzen? Die Ausweisung des Top-Geheimdienstlers aus Deutschland ist eine angemessene Reaktion. Vielleicht denken die CIA-Verantwortlichen jetzt einmal darüber nach, was Freundschaft bedeutet.

Etwas weniger Geld

Die Hinweise verdichten sich, im Herbst dürfte die US-Notenbank die Käufe von Staatsanleihen einstellen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die US-Wirtschaft arbeitet sich aus der Krise heraus, die Anzeichen auf eine durchgreifende Besserung werden beinahe täglich sichtbarer. In einer solchen Situation muss auch die Fed zur Normalität zurückkehren und die Geldmenge auf ein Normalmaß bringen. Was in den USA passiert, muss aber nicht sofort auf Europa übertragen werden. Zum einen ist die europäische Wirtschaft noch nicht soweit wie in den Vereinigten Staaten, das gilt natürlich besonders für die Südflanke der Euro-Zone. Zudem hat die Europäische Zentralbank die Geldmenge längst nicht so stark aufgebläht wie die US-Kollegen von der Fed. Geduld ist in Europa also die richtige Antwort, die EZB hat Zeit.

Zittern in Portugal

Die Banken sind in Europa noch längst nicht krisenfest. Das jüngste Beispiel liefert dafür Espirito Santo, eines der wichtigsten Geldhäuser in Portugal. Die Bank steckt in großen Schwierigkeiten und wieder einmal könnte dadurch ein ganzes Land in den Abgrund gestoßen werden. Die Krise in Portugal zeigt, dass die angeblich erfolgreichen Instrumente zur Bankenregulierung in Europa immer noch nicht greifen. Wann sehen die Regierungen endlich ein, dass mehr passieren muss, damit „too big to fail“ nicht mehr gilt? Es geht um die Glaubwürdigkeit der gesamten Euro-Zone. Trotz aller Erholungstendenzen der vergangenen Monate: Die gemeinsame Währungszone ist noch immer nicht stabil.

Unverzichtbares Deutsch

Eine Türkin darf ihrem in Deutschland wohnenden Mann nachreisen und hierzulande leben – auch wenn sie keinen Deutschkurs besuchen wird. So sehen es zumindest die Richter des Europäischen Gerichtshofes. In diesem speziellen Fall mag die Entscheidung noch in Ordnung gehen, weil die Frau Analphabetin ist und deshalb an keinem Sprachkurs sinnvoll teilnehmen kann. Grundsätzlich sind (deutsche) Sprachkenntnisse aber unverzichtbar, weil die Integration sonst überhaupt nicht funktionieren kann.

Bezwingbarer Gegner

Kein Tag ohne Fußball: Am Sonntag geht es im Finale der Fußballweltmeisterschaft nun also gegen Argentinien. Einen Wunschgegner gibt es im Endspiel sowieso nicht mehr, das deutsche Team muss nehmen, was da kommt. Die argentinische Mannschaft ist natürlich grundsätzlich bezwingbar. Die Truppe um Bundestrainer Joachim Löw darf sich jetzt bloß nicht auf den Lorbeeren der zurückliegenden Spiele ausruhen. Denn sonst droht die Pleite wie zuletzt vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft gegen Italien. Vielleicht kommt noch das seit Jahren fehlende Quäntchen Glück dazu – dann sollte es am Sonntag klappen.

Einen schönen Abend wünscht Ihnen    

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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