Was vom Tage bleibt
Wenn Aktionäre nur an sich denken

Die Telekom wird dafür bestraft, dass sie das Richtige tut. Die Deutsche Bank hat möglicherweise hoch gepokert – und gewonnen. Steinbrück steht vor den Krönungsfeierlichkeiten. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Das Hemd der Aktionäre

Die Telekom hat einen Schuss Pragmatismus erkennen lassen: Anstatt wie bisher mehr Dividende zu zahlen, als sie sich leisten kann, will der Bonner Konzern sein Geld lieber investieren. Das bedeutet: Die Eigentümer haben erst mal weniger davon, dass Unternehmen allerdings mehr. An sich wäre nun alles in bester Ordnung, wenn den Eigentümern, sprich den Aktionären, nicht ihr Hemd näher wäre, als das Wohlergehen ihres Unternehmens. Weil das aber so ist, verkauften sie am Freitag Aktien im großen Stil und schickten den Kurs auf Talfahrt. Liebe Aktionäre, was wollt Ihr eigentlich: Auch morgen noch ein Unternehmen, das Gewinne erwirtschaftet, oder bloß heute die Taschen voll?

Pokerface

Die Deutsche Bank hat möglicherweise während der Finanzkrise getrickst und ihre wahren Verluste verschleiert. Das behauptet jedenfalls ein Whistleblower. Und wenn er nun recht hat? Dann wissen wir, was wir schon ahnten: In der Finanzkrise sind die umgekippt, die zu früh die Nerven verloren haben. Wer sein Pokerface behielt, hatte Chancen die Krise durchzustehen. Man darf erfolgreiche Pokerspieler ruhig auch mal bewundern.

Schwache Nerven

Tsunami. Das Wort ist nichts für Leute mit schwachen Nerven. Die Welt hat schwache Nerven, weswegen dass Seebeben vor Japan am Freitag von Kommentatoren mit Zittern in der Stimme beschrieben wurde. Am Ende traf eine 40 Zentimeter hohe Welle die Leid geprüften Menschen an der japanischen Ostküste. Sie richtete weniger Schaden an, als die Nachricht, dass sie kommen würde. Die führte an den Börsen weltweit am Freitagvormittag zur Unsicherheit. Börsianer haben eben schwache Nerven.

Steinbrücks Show

Dieses Wochenende wird aus dem inoffiziellen ein offizieller Kanzlerkandidat: Peer Steinbrück soll beim SPD-Parteitag in Hannover auf den Schild gehoben werden. Er wird durchhalten. Er wird die Pannen, die schon gekommen sind und die noch kommen werden, aushalten, denn er ist aus hartem Holz geschnitzt. Aber wird die Partei ihn aushalten? Steinbrücks gefährlichste Gegner sitzen am Wochenende in Hannover direkt vor seinem Rednerpult.

Ein spannendes Wochenende wünscht Ihnen,

Oliver Stock

 
Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wenn Aktionäre nur an sich denken"

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  • "Liebe Aktionäre, was wollt Ihr eigentlich: Auch morgen noch ein Unternehmen, das Gewinne erwirtschaftet, oder bloß heute die Taschen voll?"

    Exakt darum geht es im 'Kapitalismus der Neuzeit': NACHHALTIGKEIT, GESAMTVERANTWORTUNG als Werte zu Leben.

    Schnödes Abzocken, Renditegeiern, unverantwortlicher Missbrauch der gesellschaftlichen Ordnung/der Gemeinschaft, getrieben von niedersten egoistischen Motiven --> das ist in seiner Primitivität überführt und gehört auf die Müllkippe.

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