Was vom Tage bleibt
Wenn der Wahnsinn schon Methode hat

Gierige Finanzhaie bringen nicht nur Argentinien sondern auch Griechenland in Probleme, die Geldmenge wächst verdächtig schnell und die Bundesregierung baut Autos ohne Getriebe. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Finanzhai und Pleitegeier

Ein US-Gericht hat zehn Jahre nach der Einigung mit den Gläubigern den Schuldenschnitt in Argentinien für nichtig erklärt. Die Ratingagentur Fitch hat das Land heute daraufhin fast auf das Niveau der Zahlungsunfähigkeit herabgestuft. Und das alles nur, weil zwei Hedge-Fonds ohne Rücksicht auf Verluste ihre Ansprüche durchklagen. Das bestärkt nicht nur das Klischee der hässlichen Fratze der gierigen Finanzhaie, es hat auch weitreichende Folgen. Denn wer kann sich jetzt noch darauf verlassen, dass ein Schuldenschnitt, beispielsweise für Griechenland, Rechtssicherheit bringt? Oder um es mit William Shakespeare zu sagen: "Ist das schon Wahnsinn, so hat es doch Methode."

Persilschein für die Euro-Retter

Apropos Griechenland: Ich habe die SPD gestern zu früh gelobt. Es hat nicht mal 24 Stunden gedauert und sie ist eingeknickt. Eine Zustimmung zur Griechenlandhilfe im Eiltempo sei mit ihr nicht zu machen, hieß es zunächst. Jetzt hat sie kleinlaut einer Abstimmung am Freitag zugestimmt. Dabei macht kaum ein Abgeordneter wirklich einen Hehl daraus, dass ziemlich unklar ist, welche Lasten durch das neue Hilfspaket auf Deutschland zukommen. Wahrscheinlich wollten sie eine rasche Abstimmung, damit sie sich ab nächster Woche der Wählerbetreuung auf den Weihnachtsmärkten widmen können statt zu einer Sondersitzung nach Berlin zu reisen.

Verdächtige Geldmenge

Noch weigert sich die EZB, das I-Wort in den Mund zu nehmen. Doch der überraschend starke Anstieg der Geldmenge im Euro-Raum dürfte sie ins Grübeln bringen. Um 3,9 Prozent schnellte die Geldmenge M3 im Oktober in die Höhe, so stark wie seit April 2009 nicht mehr. Noch ist es zwar eine Momentaufnahme und kein Trend. Doch die Inflationsgefahren sind nicht von der Hand zu weisen, gehört doch gerade der Zusammenhang zwischen Wachstum von M3 und der Inflation zum Credo der EZB.

Im Netz verheddert

Auch in der Energiepolitik hat der Wahnsinn übrigens Methode. Wegen fehlender Netze werden regelmäßig in Deutschland Windparks zwangsweise abgeschaltet. Rund 407 Gigawattstunden gingen dadurch im vergangenen Jahr verloren, doch der Verbraucher zahlt dafür trotzdem. Mit dem nicht eingespeisten Strom hätten etwa 116 000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden können. Und das wird sich so bald nicht ändern: Erst am Montag hat die Bundesregierung bekanntgegeben, dass im Zuge der Energiewende weniger neue Stromtrassen gebaut werden sollen, als ursprünglich geplant. Das ist ungefähr so, als wenn man sich ein hoch motorisiertes Auto baut, aber sich das Getriebe spart.

Was fehlt? Ein Blick ins All zeigt eindrucksvoll, wie lächerlich manche unserer Bemühungen um nachhaltige Energiegewinnung doch sind. Astronomen haben jetzt im Sternbild Löwe einen Quasar entdeckt, der jedes Jahr die Masse von 400 Sonnen ins All schleudert und dabei zwei Millionen Mal mehr Energie abstrahlt als unsere Sonne. Auch das wusste schon Shakespeare: „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich erträumen lässt.“

Ich wünsche Ihnen einen energiegeladenen Feierabend.

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wenn der Wahnsinn schon Methode hat"

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  • "Finanzhaie" so ein bull shit - diese Pleite-Länder haben sich doch selbst in diese Lage gebracht. Daß irgendwelche Spekulanten profitieren wollen - na und? Was kümmert es die Eiche wenn sich die Wildsau daran kratzt.

  • Herr Kolf, ich war schon der meinung, alle deutschen seien total verbloedet und Lethargisch gegenueber Informationen.
    Ich verfolge Ihre Kommentare und komme nun zum Ergebnis, dass es doch tatsaechlich EINEN gibt, der aus dem Idiotensumpf herausragt, das sind Sie!
    Ja, man sollte halt die Hoffnung nicht aufgeben, aber ich bin auch sicher, Sie bestaetigen auch nur die Regel!
    Wenn auch so jemand wie sie am rande des Jobverlustes steht, bin ich doch sicher, dass sich fuer solche Persoenlichkeiten in so einem Faalle BESSERE Altenativen ergeben!

  • @Triforce: Yo - ein Hedgefonds als Bank, dazu im ursprünglichen Sinne ... *lol*

    Der Hedgefonds hat die Papiere offenbar erst gekauft, als die Pleite bereits öffentlich im Raum stand. Das hat dann nichts mehr mit Verleihen, sondern mit Zocken, und in diesem perfiden Fall mit Systemausweidung zu tun.

    Andererseits muss man sich nicht auch noch unter fremder Länder Recht verschulden; insofern ist mein Mitleid mit dem Schuldner begrenzt.

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