Was vom Tage bleibt

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Was vom Tage bleibt: Wenn Frösche den Sumpf trocken legen

Bundestagsabgeordnete scheuen die volle Transparenz, die Iren kämpfen wieder für ihre Unabhängigkeit und Martin Winterkorn muss sich unangenehme Frage stellen lassen. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.
Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

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Verschleiern statt Offenlegen

Es könnte doch so einfach sein: Warum gibt nicht jeder Bundestagsabgeordnete, der einen bezahlten Vortrag gehalten hat, genau an, was er dafür bekommen hat - und von wem? Immerhin werden sie vom Volk für einen Fulltime-Job bezahlt und sind ihm deswegen rechenschaftspflichtig. Klar, gewisse Ausnahmen bei der Transparenz von Nebeneinkünften müssen sein, etwa wenn Mandanten von Rechtsanwälten betroffen sind oder Betriebsgeheimnisse von Unternehmern. Aber braucht es wirklich ein zehnstufiges Pauschalsystem, wie es die Regierungsparteien heute vorgeschlagen haben? Das verschleiert mehr, als es offenlegt. Aber was soll auch schon rauskommen, wenn man die Frösche bittet, den Sumpf trocken zu legen.

Ford produziert Salami

Ist das eine besonders ungeschickte Salamitaktik oder sind den Verantwortlichen von Ford über Nacht neue Erkenntnisse zugeflogen? Gestern erst hat der Autobauer verkündet, dass er plant, eine Fabrik in Belgien stillzulegen. Heute dann entdeckt Ford, dass der Verlust in Europa in diesem Jahr wohl doch eher bei 1,5 Milliarden statt bei einer Milliarde Euro liegen dürfte und dass zwei weitere Werke geschlossen werden müssen. Die Probleme der Branche seien struktureller Natur und erforderten daher entschlossenes Handeln, sagt Ford-Europa-Chef Stephen Odell. Das hätte sich nun wirklich jeder seit Monaten denken können, der nur mal kurz bei einem beliebigen Händler vorbeischaut.

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Der irische Unabhängigkeitskampf

Während Griechenland und Spanien noch über EU-Hilfen und deren Konditionen diskutieren, macht sich Irland in aller Stille wieder für den Ausstieg bereit. Die Reformen gehen konsequent voran, die irische Wirtschaft wächst wieder und die Regierung ist fest entschlossen, sich nach dem Auslaufen des aktuellen Hilfspakets Ende 2013 wieder selbst über die Märkte zu finanzieren. Um das abzusichern baut die Finanzagentur des Landes nun ein Polster von 17 Milliarden Euro auf. Respekt, kann man da nur sagen. Die Iren haben aber auch so hart für ihre Unabhängigkeit gekämpft, da ist im Bewusstsein des Volkes tief verwurzelt, wie wichtig es ist, auf eigenen Beinen zu stehen.

Felix "Allmächtig" vs. Martin Winterkorn

Zum Schluss nützte ihm all seine Macht nichts. Denn Felix Magath, immerhin Trainer, Manager und Geschäftsführer des VfL Wolfsburg in einer Person, ist auf einen noch härteren Gegner gestoßen: Martin Winterkorn, den Chef des Hauptsponsors VW. Der hat die Notbremse gezogen und Magath wegen erschreckender Erfolglosigkeit rausgeschmissen. Doch auch Winterkorn muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen. Denn er hatte Magath nicht nur persönlich zurückgeholt, sondern ihm auch die komplette Machtfülle gegeben, obwohl bekannt war, dass der Coach zu Größenwahn und hemmungs- und häufig erfolglosen Millioneneinkäufen neigt. Da hat der ansonsten viel gelobte Top-Manager wenig Fingerspitzengefühl bewiesen.

Was fehlt? Nervt Sie auch schon die Weihnachtsdeko und das Spekulatiusgebäck in vielen Geschäften? Dann sollten Sie froh sein, dass Sie nicht auf der Internationalen Raumstation wohnen. Da wurden heute schon die Weihnachtsgeschenke abgeliefert. Oh, Tannenbaum!

Einen schönen Herbstabend wünscht Ihnen

Florian Kolf

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  • 25.10.2012, 18:55 UhrFalk

    Das Herumgeeiere der Koalition in Sachen Nebeneinkünfte der Abgeordneten ist fragwürdig bis lächerlich. Herr Steinbrück ist wegen seiner Vortragsreisen und deren fürstliche Bezahlung ins Gedränge gekommen. Er hat mit einer Gegnoffensive reagiert und nun vollständige Offenlegung aller Bezüge gefordert. Das war kein ganz unngeschickter Schachzug, denn er weiß genau auch schwarz-gelbe Mandatsträger spielen in der gleichen Liga wie er, auch wenn er in Sachen Nebeneinkünfte den Spitzenplatz behauptet.
    Man kann gespannt darauf sein wie offen der Kanzlerkandidat seine Geldgeber benennt oder welche "Rücksichten" er zu nehmen gedenkt.
    Der Bürger und Wähler hat Anspruch auf vollständige Transparenz und das in Hinblick auf alle Abgeordneten, um sich ein Bild zu machen, was etwaige Abhänigkeiten und Interessen der Mandatsträger und deren Geldgeber angeht.

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