Was vom Tage bleibt
Wenn Führungsstreit den Erfolg gefährdet

Wenn Vater und Sohn sich streiten - leidet die Firma. Dieses traurige Schauspiel gibt zurzeit der Dübelhersteller Fischer. Doch auch wenn man dem Vater zu sehr nacheifert, ist Erfolg nicht garantiert. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Vater-Sohn-Konflikt bei Fischer

Es ist fast ein Klassiker: Vater übergibt ein gut gehendes Unternehmen an den Sohn und verspricht, sich künftig nicht mehr einzumischen. Wenig später kommt es zum Streit und der Vater übernimmt wieder in einem Alter, in dem eigentlich eher die Vorbereitung auf den Ruhestand angesagt wäre. Jetzt hat es den Dübelhersteller Fischer erwischt. Patriarch Klaus Fischer konnte offenbar auch nicht loslassen, sein Sohn hat das Unternehmen verlassen. Witzigerweise hatte schon der Senior vor rund 30 Jahren die gleichen Probleme mit seinem Vater. Gelernt hat er daraus offenbar nichts.

Rausschmiss zum falschen Zeitpunkt

Eine Führungskrise ganz anderer Art erschüttert die Dekabank. Überraschend hatte das Institut gestern Abend Vorstandschef Franz Waas rausgeschmissen, weil es Streit um vertraglich vereinbarte Tantiemezahlungen gab. Heute zeigt sich, dass die Führungskrise ausgerechnet in eine Zeit fällt, in der das Management ganz besonders gefragt ist: Der Gewinn ist um fast 60 Prozent auf 383 Millionen Euro eingebrochen, das ist das schlechteste Ergebnis seit 2006. Fragt sich nur, wer nun in einer Bank die Führung übernehmen will, in der man offensichtlich nicht darauf vertrauen kann, dass vertraglich zugesicherte Boni auch ausgezahlt werden.

Kakophonie in der Koalition

Nicht nur bei Unternehmen zeigt sich, dass fehlende Führung den Erfolg aufs Spiel setzen kann. Auch die Bundesregierung macht im Moment einen desolaten Eindruck angesichts der herrschenden Kakophonie. Zu jedem wichtigen Thema scheint es mindestens so viele Meinungen wie Koalitionspartner zu geben. Merkel lässt die Diskussionen laufen statt ein Machtwort zu sprechen, um den Wahlkämpfern in NRW und Schleswig Holstein kurzfristige Erfolge zu gönnen. Langfristig aber setzt sie damit ihre eigene Zukunft aufs Spiel.

Murdochs Demontage auf Raten

Ein anderer Abgang war überfällig, wird aber nichts retten können. James Murdoch, der Sohn des mächtigen Medienunternehmers Rupert Murdoch, ist nun auch als Chef des Verwaltungsrats beim Fernsehkonzern BSkyB zurückgetreten. Zuvor hatte er schon seine Funktionen bei der Verlagstochter News International aufgegeben. Hintergrund sind die Vorwürfe gegen Murdoch in der Affäre um abgehörte Telefone und bestochene Polizisten. Diese Demontage auf Raten macht es immer unwahrscheinlicher, dass James die Nachfolge seines Vaters an der Spitze von News Corp. antritt.

Was fehlt? Vier Söhne der legendären britischen Rockgruppe "The Beatles" erwägen die Gründung einer eigenen Band. Sie haben auch schon einen sehr originellen Namen: "The Beatles - The Next Generation". Zwar sind alle vier Junioren gute Musiker, aber sich so direkt mit den berühmten Vätern zu vergleichen - das kann nur schief gehen.

Ich wünsche Ihnen einen konfliktfreien Abend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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