Was vom Tage bleibt
Wenn Visionen als Krankheit gelten

Angela Merkel hat einen neuen Arbeiter eingestellt, die Euro-Zone gerät in einen Teufelskreis und ein US-Unternehmer greift nach den Sternen. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Durchwursteln als Prinzip

"Auf geht's, an die Arbeit", twitterte heute der neue Umweltminister Peter Altmaier, der den gescheiterten Norbert Röttgen ersetzt. Angela Merkel hat es damit wieder geschafft, einen ehrgeizigen Spitzenmann in der CDU wegzubeißen und ihn durch ein braves und loyales Arbeitstier zu ersetzen. Altmaier passt hervorragend in die Riege der Pofallas, Kauders und de Maizieres, die der Kanzlerin zuarbeiten, ohne eigene Ambitionen zu haben. Aber die sich eben auch durchwursteln, ohne eigene Visionen und Ideen. Doch für Merkel gilt wohl auch der alte Helmut-Schmidt-Spruch: "Wer Visionen hat, sollte lieber zum Arzt gehen."

Kampf ums Überleben

Für Spaniens Banken geht es auch schon lange nicht mehr um Visionen, sondern ums nackte Überleben. Der Internationale Bankenverband IIF hat ausgerechnet, dass die Institute weitere 76 Milliarden Euro für Kreditausfälle brauchen könnten. Weitere Staatshilfe, so unken die Banker, sei unvermeidbar.

Europa im Teufelskreis

Doch wo soll die herkommen? Nach einer Prognose der OECD brauchen zahlreiche Staaten der Euro-Zone selber Hilfe. Ihr Chefökonom Pier Carlo Padoan sieht eine "schwere Rezession" auf Europa zukommen und warnt vor einem Teufelskreis aus hoher Verschuldung, wackligen Banken und einbrechendem Wachstum. Gleichzeitig wächst die ökonomische Kluft zwischen Deutschland und dem Rest der Euro-Zone. Eine Kanzlerin, die sich nur durchwurstelt, ist da eine eher schlechte Besetzung.

An der Realität gescheitert

Mit ihren Visionen an der harten Realität gescheitert ist die Partei "Die Linke". Nach miserablen Wahlergebnissen und einem zermürbenden innerparteilichen Machtkampf hat jetzt Oskar Lafontaine seine Kandidatur für den Parteivorsitz entnervt zurückgezogen. Doch für neue Aufbruchsstimmung in der Partei dürfte das kaum sorgen.

Erfolgreicher Raumfahrtpionier

Dass aus finanzieller Not auch neue Visionen entstehen können, zeigt die US-Raumfahrtbehörde Nasa. Statt Milliarden in die Entwicklung eines Nachfolgers des Spaceshuttles zu investieren, hat sie das Unternehmen SpaceX mit dem Transport zur Internationalen Raumstationen beauftragt. Bis vor kurzem schien das undenkbar, nun ist die erste private Rakete gestartet. Treibende Kraft hinter SpaceX ist der Unternehmer Elon Musk, der bereits den Online-Bezahldienst Paypal und den Elektroautopionier Tesla gegründet hat. Bei ihm gelten Visionen offenbar nicht als Krankheit. Unter Angela Merkel wäre er sicher nichts geworden.

Was fehlt? Extremschwimmer Bruno Dobelmann ist mit seinem Versuch gescheitert, den Bodensee auf 64 Kilometern längs zu durchschwimmen. Angesichts des 12 Grad kalten Wassers war dieser Weltrekordversuch wohl weniger visionär als eher leichtsinnig.

Ich wünsche Ihnen viele gute Ideen zum Feierabend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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