Was vom Tage bleibt: „Wer aus Liebe heiratet...“

Was vom Tage bleibt
„Wer aus Liebe heiratet...“

An den Lombarden hängt Berlusconis Schicksal und mehr. Sie sollten sich an ihr eigenes Sprichwort halten. Köttbullar enthält Pferdefleisch. Und Lincoln holt sich den Oscar. Die Kommentare zum Tag.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Lombarden aufgepasst

„Chi se spusa d' amur crepa da rabia“ - „Wer aus Liebe heiratet, krepiert aus Wut.“ So sagen die Lombarden. Vielleicht halten sie sich endlich mal an ihren Sprichwörterschatz. Die Lombardei nämlich ist die Region Italiens, wo Silvio Berlusconi gewinnen muss, wenn er beim Schicksal Italiens und damit Europas ein Wort mitreden will. Das Wahlsystem sorgt dafür, dass die Region so etwas wie das Ohio Italiens ist. Also liebe Lombarden: Ihr liebt Berlusconi? Dann legt Euch nicht mit ihm ins Bett – ihr krepiert am Ende vor Wut.

Urkorn wird tschechisch

Der Backwarenhersteller Lieken gehört künftig dem tschechischen Nahrungsmittel- und Agrarhandelskonzern Agrofert. Der für seine Nudeln und Pastasoßen bekannte italienische Barilla-Konzern hat mit Lieken den letzten Teil der ehemaligen Kamps AG verkauft, bei der er vor zehn Jahren für 1,8 Milliarden Euro eingestiegen war. Die Firma ist für ihre Marken „Lieken Urkorn“ und „Golden Toast“ berühmt. Beides hat weder mit Spirituosen noch mit Zuprosten zu tun, sondern das Unternehmen beliefert vor allem Supermärkte und andere Einzelhändler unter deren Eigenmarken mit Brötchen, Brot und Kuchen – viel ist damit aber nicht zu verdienen. Lieken backt schon länger kleine Brötchen.

Pferdeäpfel bei Ikea

Lieken wird dann wenigstens ordentlich reguliert. Tschechische Lebensmittelinspektoren haben nämlich einen tadellosen Ruf – und den haben sie heute wieder unter Beweis gestellt: Bei ihren Kontrollen entdeckten sie Pferdefleisch ausgerechnet in Ikeas Köttbullar. Die Hackfleischbällchen vom Pferd seien bei Ikea in der Stadt Brünn entdeckt worden. Die Lieferung, die mit dem Etikett „Rind- und Schweinefleischbällchen“ versehen gewesen sei, sei noch nicht in den Verkauf gelangt. Heißt Köttbullar übersetzt vielleicht doch Pferdeapfel?

Frenzel wieder daheim

Der ehemalige Tui-Chef Michael Frenzel hat eine neue Aufgabe bei Deutschlands größtem Baukonzern gefunden: Der 65-Jährige soll in den Essener Hochtief-Aufsichtsrat aufrücken. So kehrt Frenzel nach einem Vierteljahrhundert heim aus der Diaspora bei Tui in Hannover. Frenzel war einst Büroleiter bei Friedel Neuber in Düsseldorf, als der die Westdeutsche Landesbank (WestLB) so in etwa zur größten Bank der Welt machen wollte. Er war rückblickend erfolgreicher als sein Chef: Tui geht's ganz gut, die WestLB ist leider verstorben. Insofern hat sich Frenzel die neue Aufgabe in der alten Heimat redlich verdient.

Oscar für Lincoln

Abraham Lincoln bekommt einen Oscar. Genauer gesagt: Daniel Day-Lewis erhält ihn für seine schauspielerische Leistung als Lincoln. Der Film kommt für uns Deutsche etwas zäh daher, dank eben Day-Lewis und einigen Charakterköpfen um ihn herum, zu denen Thommy Lee Jones gehört, nimmt er dann aber Fahrt auf. Day-Lewis hat den Oscar schon deswegen verdient, weil er er einen Übervater vom Thron geholt hat. Sein Lincoln ist so menschlich, dass ein Satz, der dem US-Präsidenten zugeschrieben wird, echte Konturen gewinnt: „Ich habe die Erfahrung gemacht“, sagte Lincoln, „dass Leute ohne Laster auch sehr wenige Tugenden haben.“

Ich wünsche Ihnen einen tugendhaften Abend

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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