Was vom Tage bleibt
Wer beaufsichtigt die Aufsicht?

Der Berliner Flughafen ist längst ein Fluchhafen. Facebook-Aktionäre fluchen nicht mehr, sie verkaufen. Und Julian Assange rettet seine Haut. Der Tagesbericht
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Wer fliegt, wenn nichts mehr fliegt?

"Bei uns", so hat mir neulich ein mittelständischer Unternehmer gesagt, "kann jeder Fehler machen. Bloß nicht denselben Fehler zweimal." Für die Aufsichtsräte des Berliner Hauptstadtflughafens gilt das nicht. Das 15-köpfige Gremium mit den beiden Regierungschefs von Berlin und Brandenburg, Klaus Wowereit und Matthias Platzeck an der Spitze hat monatelang zugesehen, wie das Projekt Großflughafen gegen die Wand fuhr. Als dann nichts mehr zu retten war, standen die beiden zerknirscht auf und verschoben die Eröffnung um ein Jahr. Heute tagt der Aufsichtsrat wieder. Wahrscheinliches Ergebnis ist, dass auch der neue Termin nicht haltbar ist. Jede Woche mehr kostet ein paar Millionen Euro. Und die öffentlichen Aufseher, die eingesetzt werden, damit das Geld der Berliner nicht zum Fenster hinausgeschmissen wird, wissen nicht wie sie das Leck schließen sollen. Wer beaufsichtigt eigentlich die Aufseher?

Facebook gefällt nicht

Heute durften erstmals viele Mitarbeiter und Investoren der ersten Stunde ihre Anteile an Facebook verkaufen. Ruckzuck rauschte die Aktie um sieben Prozent in die Tiefe. Das noch vor dem Mega-Börsengang im Mai von vielen als Objekt der Begierde gehandelte Papier kostete weniger als 20 Dollar und damit nur noch etwa halb so viel wie bei dem Börsendebüt. Zum Glück traf es den Dow Jones. Der Dax dagegen schaffte es heute, kurz die 7000er Marke zu knacken. Merck und Metro waren die Spitzenwerte. Beide haben ein traditionelles Geschäftsmodell. Sie verkaufen Produkte Facebook dagegen kennt nur viele Leute. Möglicherweise haben wir zu früh geglaubt, dass allein das etwas wert ist.

Asyl für Assange

Trotz britischer Drohungen gewährt Ecuador Wikileaks-Gründer Julian Assange Asyl. Assange hält sich seit Wochen in der ecuadorianischen Botschaft in London auf. Die schwedische Staatsanwaltschaft will den Gründer der Enthüllungsplattform wegen des Verdachts der Vergewaltigung vernehmen. Die Briten hatten deswegen Amtshilfe geleistet und ihn festgesetzt. Assange fürchtet aber angeblich, in Schweden würde ihn kein fairer Prozess erwarten. Unter Umständen könne er von dort auch in die USA überstellt werden. Das von ihm gegründete Internet-Portal WikiLeaks hatte 2010 weltweit für Furore gesorgt, als es tausende geheime US-Dokumente unter anderem über die Kriege im Irak und Afghanistan veröffentlichte. Die US-Regierung sieht in Assange seitdem einen Landesverräter. Das merkwürdige ist, dass seit 2010 keine erschütternden Nachrichten mehr über Wikileaks verbreitet wurden. Dafür um so mehr über den Gründer. Es könnte sein, dass Assanges Kind längst in den Brunnen gefallen ist. Nur merkt es keiner, weil der Vater ein erfolgreicher Selbstdarsteller ist.

Einen enthüllungsfreien Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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