Was vom Tage bleibt
Wer hat Angst vor der Rezession?

Die Exporte brechen ein, der Autoabsatz schwächelt und auch der Superzyklus bei den Rohstoffen ist gebrochen. Doch das sind keine so schlechten Nachrichten, wie es scheint. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Keine übertriebenen Sorgen!

Es ist die Hiobsbotschaft des Tages: Jetzt schwächeln auch noch die deutschen Exporte. Doch keine Sorge, die deutsche Konjunktur kann sich auch weiter auf den Außenhandel stützen. Gesunken sind nur die Ausfuhren in die Euro-Zone, der Handel mit den Schwellenländern ist noch intakt. Wenn keine neuen zusätzlichen Belastungen kommen, dürfte Deutschland also weiter stärker wachsen als die meisten anderen Länder in Europa. Da ist es doch beruhigend zu wissen, dass sich die Regierung in Berlin mit der Gleichstellung der Homo-Ehe beschäftigt. Da kann sich sich wenigstens keinen neuen Unsinn ausdenken, der die Wirtschaft belastet.

Verschleppter Kampf gegen Korruption

Dass Abgeordnete selbst durch Nichtstun Schaden anrichten können, zeigt sich aber leider auch immer wieder. Heute haben gleich 30 Konzernchefs Alarm geschlagen, dass der deutsche Bundestag das Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen Korruption seit Jahren blockiert. Dass das Abkommen immer noch nicht ratifiziert ist schade dem Ansehen der deutschen Wirtschaftsunternehmen in ihren Auslandsaktivitäten, warnen die Topmanager. Das peinlichste daran: Für die Ratifizierung müsste die Regelung gegen Abgeordnetenbestechung verschärft werden - und dagegen sperrt sich die schwarz-gelbe Koalition. Noch Fragen?

Erfolg, Made in Germany

Ein ähnliches Muster wie bei den allgemeinen Exporten zeigt sich auch in der Autoindustrie. Alle leiden unter den Folgen der Schuldenkrise, aber längst nicht alle gleich. Bei Volumenherstellern wie Renault, Fiat oder Peugeot bricht der Absatz ein, sie haben zu sehr auf den europäischen Markt gesetzt und ihre Produkte sind auswechselbar. Die Autos von VW dagegen sind zunehmend auch in Amerika und Asien gefragt, bei BMW und Daimler sieht es ähnlich aus. Qualität und eine gute globale Strategie setzt sich halt durch.

Das Ende des Superzyklus

In der Rohstoffbranche hat die globale Abkühlung eine Illusion platzen lassen. Jahrelang hatten Analysten und Investoren von einem sogenannten "Superzyklus" bei Rohstoffen geträumt, also einer langjährigen Steigerung der Nachfrage über alle kurzfristigen Konjunkturschwankungen hinweg. Aktuelle Zahlen transportieren eine andere Botschaft: Der Gewinn von Rio Tinto ist im ersten Halbjahr um 22 Prozent eingebrochen, bei anderen Rohstoff-Riesen sieht es nicht besser aus. Der Grund: In wachstumsstarken Ländern wie China normalisiert sich langsam die Nachfrage und viele Länder sichern sich mit langfristigen Liederverträgen stabile Preise. Das Mitleid mit den Rohstoffkonzernen, die jahrelang astronomische Renditen abgesahnt haben, dürfte sich aber in Grenzen halten.

Was fehlt? Ab morgen Abend wird es romantisch. Dann verwöhnt uns der Himmel mit einem Regen von Sternschnuppen. Denn den Sterntalern kann selbst eine globale Rezession nichts anhaben.

Ich wünsche Ihnen einen sorgenfreien, wolkenlosen Feierabend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wer hat Angst vor der Rezession?"

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  • Welche Rezession? Deutschland geht es doch gut, hat zumindest Angela Merkel gesagt.

    Oder sollte doch was an Gorbatschow's Rede vom 31.12.2011 dran sein, als er sagte: "Dieses Jahr haben die Deutschen noch genug Eisbein und Bratwürste - lange Pause - ob das nächstes Silvester noch so ist, darüber sollten wir uns Gedanken machen. *grins* "

  • Zitat:

    "Das peinlichste daran: Für die Ratifizierung müsste die Regelung gegen Abgeordnetenbestechung verschärft werden - und dagegen sperrt sich die schwarz-gelbe Koalition. Noch Fragen?"

    => Nein. Allerdings muss ergänzt werden, dass die am ehesten nachweisbaren Korruptionsfälle (Politiker erhalten Geld für eine bestimmte Entscheidung, die dem Geldgeber Vorteile verschafft) naturgemäß nur Regierungspolitiker betreffen können. Insofern sollten keine falschen Schlüsse daraus gezogen werden, dass SPD und Grüne das Gesetz nicht blockieren....

    Und, im Übrigen: Insgesamt schwerwiegender als die Möwenpick-Fälle ist die politische "Landschaftspflege", bei der regelmäßige Zahlungen an Parteien erfolgen, auf allen möglichen Kanälen, solange die Parteien im Grundsatz "die richtige" Politik machen.

    Das Pendant dazu sind regelmäßige gut dotierte Anzeigenaufträge an Medien, solange sie.. na ja....

    Ergo: Ein Antikorruptionsgesetz mag ja schön sein, aber eine Gesellschaft, in die die Korruption auch subtiler Art auf breiter Flur implementiert ist, kann durch ein solches Gesetz nicht gerettet werden.

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    http://die-volkszeitung.de

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