Was vom Tage bleibt
Wer zuletzt lacht

Martin Winterkorn bleibt VW-Chef, Heckler & Koch bekommt Ärger. Die BayernLB klagt in Österreich, dem französischen Vorzeigereaktor droht das Aus und der Blitzmarathon liefert traurige Ergebnisse. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Heimlicher Sieger

Natürlich, auf den ersten Blick sieht alles nach einer Niederlage für Ferdinand Piëch aus. Martin Winterkorn bleibt Vorstandsvorsitzender von Volkswagen, sein Vertrag wird sogar noch einmal verlängert. Aber in diesem konkreten Fall lohnt sich ein zweiter Blick hinter die Kulissen. Dann steht Piëch am Ende sogar als Sieger da. Der VW-Patriarch ist ziemlich offensichtlich zu der Überzeugung gekommen, dass Winterkorn nicht sein Nachfolger an der Spitze des VW-Aufsichtsrates werden sollte. Da Winterkorn jetzt als Konzernchef über 2016 hinaus verlängert, ist er als Vorstandsvorsitzender im Amt, wenn Piëch als Chef des Kontrollgremiums abtritt. Insofern dürfte Piëch sein eigentliches Ziel erreicht haben. Niederlagen sehen anders aus.

Verantwortung

Ursula von der Leyen versucht etwas ganz Neues im Verteidigungsministerium. Wenn es Ärger mit Bundeswehr-Lieferanten aus der Industrie gab, wollten ihre Vorgänger die Probleme meist im stillen Kämmerlein aus dem Weg schaffen. Die erste Frau im Verteidigungsministerium geht lieber in die Offensive. Die Unzulänglichkeiten des Sturmgewehrs G36 macht Frau von der Leyen öffentlich und hält damit nicht hinter dem Berg. Der Hersteller Heckler & Koch findet das natürlich gar nicht lustig. Jeder Steuerzahler sollte sich hingegen freuen: Wer für den Ärger verantwortlich ist, der kann sich bei Frau von der Leyen nicht mehr im stillen Kämmerlein verstecken.

Klagewelle

Ist es das zehnte Verfahren oder vielleicht gar das zwangzigste? Die BayernLB klagt wieder einmal wegen der Hypo Alpe Adria, dieses Mal gegen das Bundesland Kärnten. Richtig freuen können sich darüber nur die Anwälte der Münchener Landesbank, wieder einmal winken große Millionenbeträge als Honorar. Eine Lösung in diesem Grundsatzstreit werden die vielen Verfahren überhaupt nicht bewirken. Die Entscheidungen nationaler Gerichte in Deutschland und in Österreich dürfte die jeweilige andere Seite sowieso kaum anerkennen. Es wird Zeit für ein Schiedsverfahren auf internationaler Ebene – ein neutraler Schlichter schafft vielleicht doch den Kompromiss.

Unüberschaubar

Überrascht das wirklich noch? Flamanville, dem vermeintlichen Vorzeigeprojekt der französischen Nuklearbranche, droht wegen schwerer Baumängel noch vor der Inbetriebnahme das Aus. Der Bau neuer Atomkraftwerke stockt überall, die Kosten steigen uns Unermessliche und Sicherheitsvorschriften lassen sich kaum einhalten. Zugleich fällt der Ölpreis ins Bodenlose und überall gehen neue Solar- und Windkraftwerke in Betrieb. Offensichtlich ist der deutsche Weg doch nicht so falsch. Andere Länder sollten auch noch einmal darüber nachdenken, ob sie ihre Kernkraftwerke nicht lieber gleich einmotten wollen.

Schreckliche Raser

Das Ergebnis ist – wieder einmal – beschämend. Beim Blitzmarathon vom Donnerstag sind 91.000 Raser in Deutschland geblitzt worden. Natürlich sehr viele auch wieder in Wohngebieten, vor dem Zebrastreifen, an der Schule und in der Tempo-30-Zone. Viele Autofahrer wollen offenbar nicht verstehen, was sie alles mit überhöhter Geschwindigkeit anrichten können. Der Blitzmarathon ist deshalb eine gute Sache, weil die Raser nicht mehr einfach so davonkommen. Wahrscheinlich brauchen wir diese Sonderaktion der Polizei noch viel häufiger – damit endlich einmal ein Lerneffekt eintritt.

Freuen Sie sich auf das bevorstehende Wochenende. Die Sonne lässt uns alle grüßen. Ihr

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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