Was vom Tage bleibt: Wetten, dass es einen Grexit-Plan gibt?

Was vom Tage bleibt
Wetten, dass es einen Grexit-Plan gibt?

Das sollten Sie vom Tag wissen: Es gibt gute Gründe, den Euro-Ausstieg Griechenlands zu durchdenken. Es gibt wenig Hoffnung auf einen Frieden vor unserer Haustür. Es gibt kaum Chancen für Edeka und Tengelmann.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Plan B

„Es gibt keinen Plan B.“ So lautet unisono die Antwort, wenn wir bei Europäischer Zentralbank, Bundesregierung oder Eurogruppe danach fragen, was passiert, wenn Griechenland den Euro doch verlässt. Ich glaube das nicht. Das Handelsblatt besteht aus einer Redaktion von rund 200 Köpfen. Wir maßen uns nicht an, über den ökonomischen Sachverstand der Spitzenkräfte der europäischen Volkswirtschaften zu verfügen. Dennoch machen wir uns Gedanken, was passiert, wenn Griechenland aussteigt oder rausfliegt aus der Eurozone. Als Journalisten glauben wir, es wäre fahrlässig, diese Möglichkeit nicht ernsthaft durchzuspielen. Anleger wollen schließlich erfahren, wo sie ihr Geld dann sicher unterbringen sollen. Steuerzahler möchten wissen, was mit den gezahlten Hilfen aus ihrem Portemonnaie dann passiert. Ich glaube nicht, dass die offiziellen Institutionen so nachlässig sind, nicht einen Plan B in der Schublade zu haben. Ich glaube, jeder hat den Grexit auf dem Zettel. Nur will niemand von offizieller Seite darüber reden, weil er sonst als Brandbeschleuniger gelten würde. Deswegen schweigen unsere Offiziellen. Wir können es ihnen vielleicht durchgehen lassen. Glauben müssen wir es ihnen nicht.

Krieg vor der Haustür

Die ostukrainische Stadt Debalzewe ist an die pro-russischen Separatisten gefallen – so weit wir jedenfalls entsprechenden Meldungen der Kriegsparteien Glauben schenken können. Sollte sich die Nachricht bewahrheiten, ist die Friedensvereinbarung von Minsk gescheitert. Merkels Mission war letztlich umsonst, die Ukraine würde sich lauter als je zuvor wegen Waffenlieferungen an die USA wenden. Und Präsident Petro Poroschenko würde das Kriegsrecht in seinem Land verhängen. Von Berlin nach Kiew sind es exakt 1205 Kilometer Luftlinie, ein Eurofighter vom Typ Typhoon fliegt die Strecke in einer halben Stunde. Der Krieg ist vor der Haustür.

Schluss mit supergeil

Das Bundeskartellamt droht Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka damit, die Übernahme des Konkurrenten Tengelmann zu verbieten. Kartellamtspräsident Andreas Mundt glaubt, dass durch den Zusammenschluss die ohnehin stark konzentrierten Marktstrukturen in Großstädten noch konzentrierter werden. Kunden und Lieferanten hätten das Nachsehen. Ob Mundts Drohung tatsächlich im Sinne der Kunden ist, weiß niemand. Aus Sicht der Mitarbeiter von Tengelmann, die angesichts eines ruinösen Preiskampfs, in dem ihr Arbeitgeber steckt, um ihre Jobs bangen müssen, ist sie jedenfalls alles andere als supergeil.

Dibelius verkauft Mann-Villa

Alexander Dibelius, ehemaliger Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs, hat seine Münchener Villa verkauft. Für die Dealmaschine Dibelius ist das ein kleiner Fisch. Er hat mit Mannesmann-Vodafone oder Daimler-Chrysler ganz andere Kaliber begleitet. Trotzdem ist der Verkauf interessant, weil dort wo die Villa heute steht, Thomas Mann 1913 sein Haus errichtete. Während des zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude zerstört. Thomas Mann ließ es 1953 abreißen und verkaufte das Ruinengrundstück für 20.000 Mark. Dibelius erwarb es und ließ das Gebäude nach den Originalplänen der Mann-Villa nachbauen. Ob er am Eingangsbalken den Thomas-Mann-Ausspruch „Sei am Tage mit Lust bei den Geschäften, aber mache nur solche, dass du des Nachts ruhig schlafen kannst“ angebracht hatte, ist nicht bekannt.

Ihnen eine ruhige Nacht wünscht

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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