Was vom Tage bleibt
Wie Deutschland Spanien versenkt

Bundesbankpräsident Jens Weidmann muss mit Kritik aus Madrid leben. Zuckerbergs Magie ist verflogen. Und die Allianz ist die bessere Bank. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die Feuerwehr kommt noch nicht

Alles ist eine Frage der Perspektive. Die spanische sieht so aus, wie es etwa die Zeitung „El mundo“ formuliert: „Draghi gibt Deutschland nach und versenkt Spanien“. Die deutsche sieht umgekehrt aus: Bundesbankpräsident Jens Weidmann wurde von Draghi und seinen Gefolgsleuten überstimmt. Der Deutsche brandmarkt die Anleihekäufe der EZB als Rechtsbruch. „Ich kann nicht erkennen, wie das Vertrauen in ein System zurückkehren soll, das seine Gesetze bricht“, gab Weidmann jüngst zu Protokoll. Tatsache ist, dass Weidmann durch sein Beharren den Spaniern immerhin die Hoffnung genommen hat, dass die EZB in der Finanzkrise als Feuerwehr für das Land einfach so einspringen wird. Es kann deswegen gut sein, dass das Land, das bisher nur Hilfe für seine Banken braucht, auch selbst unter den EU-Rettungsschirm schlüpft. Seit heute schließt das die Madrider Regierung auch nicht mehr offiziell aus. Wie soll es dann weitergehen, Herr Weidmann?

Geschäftsmodell adé


Haben soziale Netzwerke ein Geschäftsmodell? Im Fall Facebook sagt die Börse: nein. Die im Mai erstmals ausgegebene 38 Dollar teure Facebook-Aktie ist inzwischen wenig mehr als die Hälfte wert. Gründer Mark Zuckerberg, dieser Guru in seinen Adiletten, weigert sich sogar, einen Ausblick zu geben. Zu unsicher erscheint ihm das Geschäftsmodell der eigenen Firma, das aus Einnahmen durch Werbeanzeigen und Onlinespielen besteht. Das viermal kleinere Online-Netzwerk LinkedIn hat dagegen im zweiten Quartal seinen Umsatz nahezu verdoppelt. Die Investoren jubeln es hoch und erinnern sich daran, dass LinkedIn immerhin auch noch mit Stellenanzeigen, Premiummitgliedschaften und Diensten für Personalabteilungen Geld verdient. Was die Börsianer übersehen: Der Gewinn ist auch bei LinkedIn um 38 Prozent gesunken. Richtig zukunftsfest sieht das nicht aus.

Die bessere Bank

Die Allianz ist die bessere Bank. Während Deutschlands Banken unter Schuldenkrise, Regulierung und selbstgemachten Skandalen leiden, erhöht Deutschlands größter Finanzkonzern seinen Gewinn. Der kommt allerdings immer weniger aus dem Kerngeschäft mit den Versicherungen, sondern er stammt aus der Geldanlage. Der Versicherungskonzern hat sich zu einem der größten Vermögensverwalter der Welt entwickelt. Und er betreibt dieses Geschäft erfolgreicher als manche Bank. Wenn Versicherer aber mehr und mehr zur Bank werden, dann gibt es auch keine Ausreden bei der Regulierung. Die Banken ringen hart darum, wer, wann, wieviel Eigenkapital zurücklegen muss. Im Vergleich dazu sind die Diskussionen, die die Versicherer führen, harmlos. Das Ergebnis der Allianz zeigt jedoch, dass die Unterscheidung zwischen einer Bank und einem Versicherer aus Denkmustern von gestern stammt.

Volle Breitseite

Der neue Eröffnungstermin des Großflughafens Berlin-Brandenburg könnte doch nicht der 17. März 2013 werden, sagt der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck. Wieso nicht? Wir wissen es nicht. Vielleicht ist die Landebahn nicht fertig. Das müsste aber kein Hinderungsgrund sein, wie dieses (fiktive) Gespräch aus einem British Airways Cockpit zeigt. Pilot: „Haben Sie jemals eine so kurze Start-und Landebahn gesehen?“ - Copilot: „Nein. Besser wir verwenden volle Klappen.“ Weiter unten. Pilot: „Haben Sie jemals eine so kurze Start-und Landebahn gesehen?“ - Copilot: „Nein. Besser wir verwenden vollen Umkehrschub.“ Das Flugzeug setzt auf. Pilot: „Haben Sie jemals eine so kurze Start-und Landebahn gesehen?“ - Copilot: „Nein. Besser wir verwenden alle Bremsen die wir haben.“ Das Flugzeug steht. Pilot: „Haben Sie jemals eine so kurze Start-und Landebahn gesehen?“ - Copilot: „No, Sir. Aber haben Sie jemals eine gesehen, die so breit ist?“

Ein fröhliches Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wie Deutschland Spanien versenkt"

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  • Die Kommentare hier sind ein schönes Beispiel dafür, wie verzerrt das Weltbild der Europahasser mittlerweile ist: Spanien, ein "Schmarotzerstaat", der eine "selbst eingebrockte Suppe" auslöffeln muß.

    Entschuldigung, aber Spanien hat das ganze letzte Jahrzehnt vor der Finanzkrise BESSER gewirtschftet als Deutschland, wovon jeder sich anhand der Tabelle nationaler Staatsschuldenquoten auf Wikipedia leicht überzeugen kann. 2008 stand einer spanischen Quote von 36,1% des BIP eine deutsche von 64,9% gegenüber. In demselben Jahrzehnt, in dem das ach so vorbildliche Deutschland 5 Jahre lang (2001-2005) gegen die Maastricht-Kriterien verstieß und mehr als 3% neue Schulden machte, hat Spanien diese Kriterien nicht nur immer eingehalten, sondern 2005-2007 sogar Schulden ABGEBAUT.

    Spanien ist NICHT in Schwierigkeiten, weil es schon immer schlecht gewirtschaftet hätte, sondern weil es von der Rezession besonders hart getroffen wurde. Und selbst jetzt - nach drei Horrorjahren mit Rekorddefiziten - ist Spaniens Staatsschuldenquote mit 63,9% immer noch deutlich besser als die deutsche mit 80,1%.

    Und die Europahasser hier meinen, auf ein solches Land im Moment seiner Not spucken zu müssen. - Warum eigentlich?

  • @Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    Die Regierung Hollande wird mit wehenden Fahnen
    untergehen und das hat Frau Le Penn bei der letzten
    Wahl schon erkannt.
    Hoffen wir mal das es nicht ganz so schlimm kommt,
    sonst können wir uns warm anziehen.

    Freundlichst HugoDrax

  • Wie soll es weitergehen Herr Stock? Für Sie sicherlich einfach zu beantworten: Vergemeinschaftung aller Schulden und weiter so wie bisher. In spätestens 5 Jahren hätten wir dann den Staatsbankrott der Euro-Staaten oder eine Hyperinflation. Nein, so geht es eben gerade nicht! Der Euro, welcher diese Ungleichgewichte und die enorme Verschuldung erst möglich machte, muss reformiert oder abgeschafft werden. Es muss ein demokratisches Europa her ohne Diskriminierung einzelner Staaten wie zum Beispiel Deutschland. Deutschland muss gemessen an seiner Einwohnerzahl und Wirtschaftleistung ein Mitspracherecht erhalten.

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