Was vom Tage bleibt

_

Was vom Tage bleibt: Wie lange noch, Frau Doktor?

Annette Schavan hat lange zu Plagiatsvorwürfen geschwiegen, jetzt kommt sie damit nicht mehr durch. Der Wirtschaftsnobelpreis trifft die richtigen. Und Red Bull verleiht Flügel. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.
Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Anzeige

Ach, Frau Doktor

Lesen Sie folgenden Satz einfach mal so – ohne auf den Inhalt zu achten, der ist eh zu kompliziert: „Durch die Gründung und Erhaltung von politischen Gemeinwesen schließlich schafft menschliches Handeln die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen und damit für Geschichte.“ Und jetzt lesen Sie bitte diesen Satz: „[...] das Handeln schließlich, soweit es der Gründung und Erhaltung politischer Gemeinwesen dient, schafft die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen, für Erinnerung und damit für Geschichte.“ Der erste Satz stammt aus der Doktorarbeit von Bildungsministern Annette Schavan. Der zweite aus dem von Hannah Arendt einige Jahre vorher verfassten Werk: „Vita activa oder Vom tätigen Leben.“ Deutschland oberste Bildungspolitikerin hat ihn also zitiert. Weil sie ihn aber nicht als Zitat auszeichnete, hat sie wohl abgeschrieben. Das ist blöd.

Erste Adresse

Hätte Schweden bei der Vergabe der Nobelpreise so weiter gemacht wie vergangenen Freitag, hätte jetzt eine Theorie den Wirtschaftsnobelpreis bekommen. Doch die Akademie war diesmal anders drauf und hat zwei echte Menschen ausgezeichnet. Es sind, so sagt die Jury, Wissenschaftler, die sehr praktische Dinge erforscht haben. Zum Beispiel, wie sich Praktikanten am besten auf Krankenhäuser verteilen lassen. Oder wie die Organspende am erfolgversprechendsten funktioniert. Mir gefiel heute am besten, dass einer unserer Gesprächspartner einem der Preisträger per Mail gratulierte und in Nullkomanichts eine Antwort erhielt. Als wir der EU am Freitag gratulieren wollten, wusste in unserer Redaktion niemand, wohin er die Mail senden sollte.

Was vom Tage bleibt Tagesrückblick als E-Mail-Abonnement

Unseren kommentierten Nachrichtenrückblick ab 18.30 Uhr werktäglich in Ihrem Postfach - hier bestellen.

Was vom Tage bleibt: Tagesrückblick als E-Mail-Abonnement

Nettigkeiten vom Hochzeitspaar

Der US-Finanzinvestor Advent schnappt sich den deutschen Handelskonzern Douglas. Und er klingt, als habe er Kreide gefressen: Gemeinsam mit der Gründerfamilie Kreke sollen Wachstumschancen genutzt werden, lässt er mitteilen. Douglas-Chef Henning Kreke gibt sich ebenfalls euphorisch: Mit Advent habe Douglas nun „den idealen Partner“ gefunden. Wer ein idealer Partner ist, erkennen Eheleute durchschnittlich nach sieben Jahren. Vielleicht geht es bei Advent und Kreke schneller. Wir fragen im nächsten Jahr mal nach. Versprochen.

Mal wieder Flügel gewachsen

Red Bull ist diese Brause, von der die einen sagen sie schmeckt wie Rasierwasser, und die anderen wollen nicht damit kleckern, weil die Flecken nie wieder rausgehen. Aber das ist völlig nebensächlich. Red Bull ist nämlich die Firma, die Menschen aus dem All springen lässt, Formel-1-Siege einfährt und deren Chef nur dann auftaucht, wenn er mal Lust hat. Interviews gibt er bevorzugt in Schülerzeitungen. Auf gut deutsch: Red Bull ist kein Produkt, sondern eine Marke. Und deswegen ist das Rasierwasser, das angeblich Flecken macht, teurer als jede andere Brause. Noch Fragen? Dann wenden Sie sich an George Clooney von Nespresso. Der weiß auch, wie Marken gemacht werden.

Einen beflügelten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

  • Kommentare
Obamas Rede in Berlin: Charmante Luftschlösser

Charmante Luftschlösser

Historischer Ort, hohe Erwartungen: Das verleitet Obama dazu, in Berlin Luftschlösser zu bauen: Er startet eine Abrüstungsinitiative, beschwört Berlins Freiheitsgeist und erklärt sein Ausspähprogramm. Ein Kommentar.

Proteste in der Türkei: „Solange wir Raki trinken, soll uns Erdogan egal sein“

„Solange wir Raki trinken, soll uns Erdogan egal sein“

Ein Volk begehrt gegen seinen Präsidenten auf – gilt das für die Türkei? Nein. Die Protestler sind alles andere als glaubwürdig, meint der türkische Kabarettist und Bestseller-Autor Serdar Somuncu in seinem Gastbeitrag.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Commerzbank a.D.

Commerzbank a.D.

Jeder neunte soll gehen, aber keinem wird gekündigt: Die Commerzbank steht vor einem Kunststück. Obama hat Visionen und Bernanke dreht Abschiedsrunden. Der Tagesbericht

Kleinleins Klartext: Die Risiken der betrieblichen Altersvorsorge

Die Risiken der betrieblichen Altersvorsorge

Kleine Unternehmen haben keine Lobby. Jetzt möchte ihnen die Politik auch noch mehr betriebliche Altersvorsorge aufhalsen. Dann dürfte es einige Probleme geben - für Mitarbeiter wie auch für Führungskräfte.

Spezialblog Warum Brüderle das Denken sein lassen sollte

Es gibt ein Forum, das nennt sich Trainertalk. Dort können sich verzweifelte Übungsleiter mit Fragen wie "Was mache ich, wenn mein Stürmer nicht mehr trifft?" an die Kollegen wenden. Auch die FDP hat eine Sturmspitze, die in den Strafräumen... Von Stefan Kaufmann. Mehr…

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag: Rote Linien für den Handels-Deal

Rote Linien für den Handels-Deal

Europa winkt durch eine Handelspartnerschaft mit den USA ein Wachstumsimpuls von weit mehr als 100 Milliarden Euro. Dennoch sollten den Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen klare Bedingungen gestellt werden.

Gastbeitrag: Transatlantische Werte neu justieren

Transatlantische Werte neu justieren

Amerikas Datenskandal und die geplanten Freihandelszone zwischen Europa und den USA prägen den Besuch des US-Präsidenten in Berlin. Dabei werden die Weichen für das transatlantische Verhältnis neu justiert.

Gastbeitrag zur US-Netzspionage: Wenn der gläserne Mensch Realität wird

Wenn der gläserne Mensch Realität wird

Die Polizeigewerkschaft sieht die US-Netzspionage als Vorbild für Deutschland. Der Grünen-Europapolitiker Albrecht weist das zurück und erläutert, warum der EU-Datenschutz immer noch löchrig ist.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.