Was vom Tage bleibt
Wie man sich durch die Krise schummelt

Die Finanzierung Griechenlands gleicht immer mehr einem Schneeballsystem, die Politik schützt Verschwender im Gesundheitswesen und der Bahn rosten Schienen unter den Rädern weg. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Spreu trennt sich vom Weizen

Jetzt haben wir es amtlich: Die Wirtschaft in der Euro-Zone ist jetzt das zweite Quartal in Folge geschrumpft und steckt damit qua Definition in einer Rezession. Da hilft auch die Konjunkturlokomotive Deutschland nicht mehr, zumal dort das Wachstum auch nur noch bei 0,3 Prozent lag. Auch wenn sich in einer globalisierten Welt keiner so ganz von der allgemeinen Flaute abkoppeln kann, zeigt sich in der Krise deutlich, wer sich durch gute strategische Entscheidungen rechtzeitig wetterfest gemacht hat. Das gilt nicht nur für Staaten, sondern auch für Unternehmen, wie beispielsweise Porsche oder Merck heute wieder bewiesen haben.

Wie Schnee in der Sonne

Für Griechenland, Europas Krisenland Nummer eins, fehlen aktuelle Daten für die vierteljährliche Veränderung, was auch schon viel aussagt. Doch wie massiv die Wirtschaft dort im Jahresvergleich geschrumpft ist, war ja schon gestern bekannt geworden. Die Regierung, der zu echten Reformen offenbar die Kraft fehlt, hangelt sich mit fragwürdigen Maßnahmen durch die Krise. Heute hat sie mit Anleihen mit einer Laufzeit von gerade mal dreizehn Wochen ihre Schulden bei der EZB bezahlt und damit den Zeitpunkt der Pleite erneut herausgeschoben. Gekauft haben die Anleihen griechische Banken, die sich das über die Notenbank refinanzieren. Ein Schelm, der dabei an ein Schneeballsystem denkt.

Mosaik der Unfähigkeit

Scheibchenweise durch die Krise schummeln wollen sich offenbar auch die Verantwortlichen für den Bau des neuen Berliner Flughafens. Jetzt ist durchgesickert, dass auch der neue Eröffnungstermin 17. März 2013 wohl nicht gehalten werden kann. Immer neue Pannen und Kostenschätzungen fügen sich zusammen zu einem unglaublichen Mosaik der Unfähigkeit und Unverantwortlichkeit. Dass nur per Zufall herausgekommen ist, dass ein polizeibekannter Islamist den Zugang zur Baustelle bewacht hat, fällt da kaum mehr ins Gewicht.

Organisierte Verschwendung

Für Schummeln im großen Stil ist ja auch das deutsche Gesundheitssystem bekannt. Trotzdem bin ich jedes Mal wieder über das Ausmaß der Unterschlagung und Verschwendung entsetzt, wenn das Bundesversicherungsamt ihren Tätigkeitsbericht veröffentlicht. Dass die Politik da nicht entschlossen durchgreift und sich statt dessen über Themen wie die steuerlich Gleichstellung von homosexuellen Paaren die Köpfe heiß redet - das ist der eigentliche Skandal. Da kann man doch nur den Schluss ziehen, dass der Regierung der organisierte Betrug im Gesundheitswesen herzlich egal ist.

Was fehlt? Dass es um das Material der Deutschen Bahn schlecht bestellt ist, weiß jeder Pendler, der morgens regelmäßig wegen des Ausfalls von Zügen oder Signalanlagen zu spät zur Arbeit kommt. Aber dass jetzt ein ganzer Streckenabschnitt in Sachsen-Anhalt wegen verrosteter Schienen stillgelegt worden ist, hat eine neue Qualität. Besonders witzig war die ursprüngliche Planung der DB: Sie wollte die Züge mit 30 Stundenkilometern über die Strecke fahren lassen.

Ich wünsche Ihnen einen krisenfreien Feierabend

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wie man sich durch die Krise schummelt"

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  • volle Verarschung,
    13 wöchige Anleihen es wird nur auf Zeit gespielt bis der ESM bei uns durchgewunken ist.
    Und dann gehts richtig LOS!!!!

  • Deutschland hat keinen Kampfgeist und der Club Med intelligente Betrügerinstinkte. Es paßt doch alles zusammen, oder? Wozu noch aufregen?

  • Ist doch schön, dass Hellas nach Goethe, Schiller, Voltaire und all den Falken der Renaissance, nun endlich wieder Europa zusammenrücken lässt.

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