Was vom Tage bleibt
Wie überlebt der Euro?

Bei einer Diskussion zur Zukunft unserer Währung sind Ihre Fragen erwünscht. Die Volkszählung birgt kein Aufreger-Potenzial. Blockupy protestiert nur noch müde. Und Microsoft repariert Windows. Die Kommentare zum Tag.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Ihre Fragen bitte . . .

Wir Deutschen schimpfen so laut über den Euro, dass eine ganze Partei glaubt, nur von diesem Thema leben und auf dieser Welle in den Bundestag einziehen zu können. Schimpfen wir zu Recht, oder sind wir Deutschen nicht die heimlichen Gewinner der Eurokrise? Bringt uns die Rettung der Einheitswährung mehr als sie uns kostet? Wo stehen wir eigentlich bei dieser Rettungsaktion - kann sie noch misslingen? Am Montagabend diskutiere ich darüber bei einer Veranstaltung der KfW in Berlin. "Eurokrise und kein Ende" lautet der Titel; meine Gesprächspartner sind die finanzpolitischen Sprecher der Fraktionen. Also: Klaus-Peter Flossbach für die CDU/CSU, Gerhard Schick für die Grünen, Axel Troost für die Linke, Volker Wissing für die FDP und Manfred Zöllmer für die SPD. Die Herren dürften eine Meinung haben - und Sie liebe Leserinnen und Leser können Fragen stellen, wenn Sie mir jetzt schreiben: stock@handelsblatt.com ist die E-Mail-Adresse. "Fragen zum Euro" im Betreff macht mir das Sortieren leichter. Wir werden am Dienstag auf Handelsblatt Online über die Veranstaltung berichten, und ich werde versuchen, auch Ihre Frage an die Politiker direkt loszuwerden.

Volkszählung - na und?

Zwei Jahre ist es her, dass die Statistiker Deutschland ausgezählt haben: Seither haben sie gerechnet, überprüft und verglichen. Heute schließlich haben sie ihr Ergebnis veröffentlicht. Ein paar kleine Überraschungen sind dabei, wie etwa der Umstand, dass in der Bundesrepublik eine Million Menschen weniger leben als angenommen. Oder dass mit den Augen der Statistiker gesehen in einer Wohnung nicht einmal mehr zwei Menschen wohnen. Wenn sich CDU und SPD jetzt also beim Einführen einer Mietpreisbremse überbieten, müssen sie sich fragen lassen, ob sie nicht lieber Mitwohnzentralen fördern wollen. Das bringt für alle mehr und wirkt gegen Vereinsamung genauso wie gegen zu viel Fernsehkonsum. Das eigentlich Spannende an der neuesten Volkszählung aber ist, dass sie geräuschlos über die Bühne ging. Es war nicht wie letztes Mal 1987, als niemand geschätzt werden wollte. In den 26 Jahre seither, an deren Ende wir heute täglich nicht nur nach unserem Namen, Geschlecht und Alter, sondern auch nach unserem Gewicht bei der Flugbuchung, unserem Einkommen beim Telefon-Vertrag und unserer Kreditkartennummer sowieso gefragt werden, sind wir ziemlich unempfindlich geworden, was unsere Daten anbelangt.

Kein Hunger auf Gen

Der US-Agrarkonzern Monsanto gibt den Kampf für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa auf. "Wir machen dafür keine Lobbyarbeit mehr", sagte ein Monsanto-Sprecher. Vielleicht liegt der Misserfolg der Gentechnik daran, dass Monsanto den nicht sehr schmackhaften Namen MON810 für seinen Genmais gewählt hat. Wer will schon MON810 essen, wenn Bonduelles Zartgemüse im Regal daneben steht? Auch BASF war mit seiner Amflora-Genkartoffel nicht viel erfolgreicher. Mais hin, Kartoffel her - klar ist aber auch, dass sich die Heilsversprechen für die Bauern nicht erfüllt haben. Bio lohnt sich hierzulande mehr als Gen. Und in Entwicklungsländern ist ein guter Trecker mindestens so viel wert, wie gentechnisch widerstandsfähig gemachte Kartoffeln. Ich glaube, in Monsantos Abgesang steckt eine gute Nachricht. Sie lautet: Der Hunger ist zwar noch ein Problem, das die Menschheit nicht gelöst hat, aber wir wissen inzwischen: Zu essen gibt es genug. Bloß ist es nicht immer da, wo es gebraucht wird.

Müder Protest

Okay - es hat in Frankfurt heute morgen in Strömen geregnet. Aber 1000 Protestler vor der EZB und 300 vor der Deutschen Bank - das ist doch etwas mau, wenn es darum geht anzuprangern, dass die Banken noch immer nichts aus der Krise gelernt haben. Das schmale Häuflein der Aufrechten könnte die Blockupy-Bewegung dazu veranlassen, ihre These zu überprüfen Sind Banker böse? Sie sind es nur, wenn sie Leistungswillen mit Gier übersetzen und Erfolg mit Unbarmherzigkeit. Manchmal allerdings machen die Fehler die Übersetzer und nicht die eigentlichen Autoren.

Zurück auf Start

Die Welt dreht sich schneller, der Fortschritt schreitet fort und das gilt besonders in der Welt der Programme und Computer. Da ist es doch wunderschön zu hören, dass einer der fortschrittlichsten Konzerne , Microsoft nämlich, innehält und zu Altbewährtem zurückkehrt. Microsoft-Manager Antoine Leblond hat jedenfalls in seinem Blog beschrieben, wie die überarbeitete Version von Windows 8 – nun Windows 8.1 genannt – bald aussehen wird. Eine der wichtigsten Neuerungen: Der Start-Knopf links unten am Bildschirmrand, 18 Jahre lang ein kaum wegzudenkendes Element und dann verschwunden: Er kommt wieder. Mich hat an diesem Knopf immer fasziniert, dass es der einzige Start-Knopf ist, den ich kennen, an dem sich ein Gerät ausschalten lässt. Liebe Entwickler, wenn ihr diese Marotte bitte wieder einführt - es macht euer Programm so menschlich. Denn wie oft starten wir etwas und wissen doch: Eigentlich ist es schon vorbei.

Einen gelungenen Start ins Wochenende wünsche ich Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wie überlebt der Euro?"

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  • Wir werden sehen ob diese "Diskussionsveranstaltung“ die sich aus Euroenthusiasten zusammensetzt, sich tatsächlich mit diesem Thema beschäftigt. Und vor allem welche Vorschläge zur Überlebensstrategie kommen. Wenn man fragen muss wie der Euro überleben soll dann ist klar dass Lebensgefahr für ihn besteht.

    Schade, dass das Thema nicht heißt: Wie kann Deutschland in dieser schwierigen Situation am besten überleben? Oder: Was macht die Eurozone bei einem Konjunktureinbruch in Deutschland?

    Vielleicht ist das eigentliche Thema: "wie können wir die Situation schönreden", oder "wie können wir in dieser Diskussionsrunde ungestört gegen die AfD zu Felde ziehen"? Falls dem so ist, ist klar, dass bei dieser Veranstaltung AfD-Mitglieder ausgeschlossen sind. (Obwohl diese Partei ja angeblich nur ca. 2 % bei der BTW erreichen wird)

    In der FAZ heute gibt es heute einen interessanten Artikel der sich auf Aussagen des früheren Verfassungsrichters Di Fabio bezieht.

    Textauszug:
    "Monetäre Staatsfinanzierung ist verboten. Verletzt die EZB das Verbot, muss das Verfassungsgericht notfalls einen Austritt aus der Währungsunion in die Wege leiten. Das steht in einem Gutachten des früheren Verfassungsrichters Di Fabio, das der F.A.Z. vorliegt. "

    +++

    Leider ist unser BVerfG als regierungsfolgsam einzustufen. Juristen sind meist nicht mutig wenn es heißt gegen den „Regierungsstrom“ zu schwimmen. Man lese hierzu den Artikel im HB vom Gunnar Beck vom 15.4.2013 mit dem Titel: „Die Euro-Zone ist wie Wilder Westen für die EZB“.

    Textauszug:
    „Ein Blick zurück auf das Maastricht-Urteil billigt nur einen Schluss: Das deutsche Verfassungsgericht nimmt weder sich selbst, noch den deutschen Wähler ernst. Verfassungsrecht in Deutschland verkommt, so lässt sich nur schließen, zur Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, denn im 2. Senat unter Verfassungsgerichtspräsident Voßkuhle hat die euro- und integrationstrunkene Bundesregierung ihren juristischen Handlungsgehilfen gefunden. “

  • UMFRAGE

    http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/umfragen/id_63395934/forsa-umfrage-beide-politischen-lager-ohne-mehrheit.html

    Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?
    STAND: Sonntag, 02.06.2013/ 16.25h
    Es haben 17617 Besucher abgestimmt

    CDU/CSU
    25.5%
    (4499 Stimmen)

    SPD
    12.9%
    (2277 Stimmen)

    Die Grünen
    4%
    (707 Stimmen)

    FDP
    3.1%
    (547 Stimmen)

    Piratenpartei
    1.8%
    (295 Stimmen)

    AfD
    39.5%
    (6961 Stimmen)

    Die Linke
    3.8%
    (674 Stimmen)

    Keine Partei
    3.9%
    (693 Stimmen)

    Andere Parteien
    5.5%
    (964 Stimmen)

    * Diese Nutzerumfrage ist nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. Online-Umfragen sind einem hohen technischen Missbrauchsrisiko ausgesetzt, die Ergebnisse dieser Umfrage könnten eventuell von Dritten manipuliert worden sein.
    ------------------------------------
    Die AfD ist die schlimmste Bedrohung für CDUSPDGRÜNEFDPCSULINKE!
    Weil die AfD mit Demokratie droht!

    Und genau deshalb werde ich sie wählen!
    Leeren wir CDUSPDGRÜNEFDPCSULINKE das Fürchten!

  • BiYanLU
    Ihre Kommentare sind unangebracht und beleidigend. Der einzige, der darüber lachen kann, sind wahrscheinlich Sie selbst.

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